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Joan As Police Woman - Damned Devotion

Cover-Collage: Joan As Police Woman - Damned Devotion

WDR 2 Musiktipp - 09.02.2018

Joan As Police Woman - Damned Devotion

Von Marcel Anders

Die New Yorker Multiinstrumentalistin Joan Wasser alias Joan As Police Woman arbeitet am liebsten, wenn andere schlafen. Ihr Sound: Souliger Pop Noir mit kathartischer Wirkung.

Sie ist kein leichtes Interview: Die 47-jährige New Yorkerin will verbal geknackt werden – wie eine Nuss. Andernfalls gibt sie nicht viel von sich preis. Dabei – und das ist die Ironie – dreht sich ihr siebtes Solo-Album "Damned Devotion" um nichts anderes. Sei es die anhaltende Suche nach der perfekten Beziehung, die nagenden Selbstzweifel, partout an den Falschen zu geraten und vielleicht sogar hochgradig beziehungsunfähig zu sein.

Soulige Selbsttherapie

Aber auch schwelgerische Fantasien in Bezug auf ihren Traummann, eine Mischung aus Mick Jagger und dem französischen Dichter Jean Genet: "Vielleicht verlange ich ja zu viel und es klappt deswegen nie", lacht Joan. "Das Ding ist nur, dass ich mich weigere, meine Ansprüche zurückzuschrauben und mich mit weniger zu begnügen. Also falsche Kompromisse einzugehen, unter denen ich leide. Das wäre das Letzte, was ich brauche." Schließlich ist Frau Wasser ein gebranntes Kind: Die Liebe ihres Lebens, ihr Musikerkollege Jeff Buckley, ertrank 1997 in den Fluten des Mississippi und alle folgenden Beziehungen erwiesen sich als Desaster. Weshalb ihre Musik nicht fröhlich und ausgelassen ist, sondern düster, dramatisch und betont therapeutisch. "Sie hilft mir dabei, meine Probleme zu verarbeiten und mit dem täglichen Leben klarzukommen. Sie ist definitiv kathartisch und auch ein bisschen soulig. Ich versuche immer, Sachen in der Manier von Al Green zu schreiben - leidenschaftlich und echt. Allerdings mit meinen Stilmitteln, die halt etwas anders sind."

Nächtliche Klangexperimente

Darunter versteht Joan einen faszinierenden Gegensatz aus spartanischen Drums-Beats, einer komplexen, vielschichtigen Instrumentierung, verspielten Arrangements und einem Gesang, der irgendwo zwischen kratzig, cool und sexy pendelt. Sprich: ein eigenwilliger Sound, der zuweilen in Jazz, Funk und Industrial vorstößt und jede Menge Ecken und Kanten aufweist. Der nicht ausgereift, geschweige denn perfekt oder glatt anmutet, sondern von wilden Homerecording-Experimenten in ihrem Loft im New Yorker Stadtteil Brooklyn zeugt - zu einer schlaftrunkenen Zeit: "Meistens fange ich um Mitternacht an und arbeite bis sechs Uhr morgens. Ich liebe es, wenn es um mich herum dunkel ist und es womöglich noch regnet. Dann öffnen sich sämtliche mentalen Türen und ich entwickele die stärksten Ideen. Ganz zum Ärger meiner Nachbarn."

Joan as Police Woman: Steed

WDR 2 | 09.02.2018 | 00:30 Min.

Joan as Police Woman: Silly Me

WDR 2 | 09.02.2018 | 00:30 Min.

Joan as Police Woman: I Don't Mind

WDR 2 | 09.02.2018 | 00:30 Min.

Joan As Police Woman - Damned Devotion
1. Wonderful
2. Warning Bell
3. Tell Me
4. Steed (for Jean Genet)
5. Damned Devotion
6. The Silence
7. Valid Jagger
8. Rely On
9. What Was It Like
10. Talk About It Later
11. Silly Me
12. I Don't Mind

Stand: 09.02.2018, 00:00