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Frank Turner - Be More Kind

Cover von Frank Turner - Be More Kind

WDR 2 Musiktipp - 11.05.2018

Frank Turner - Be More Kind

Von Oliver Rustemeyer

Frank Turner mausert sich vom einstigen Hardcore-Schreihals mit jedem Album mehr und mehr zum feinfühligen Lagerfeuer-Barden. Damit mag der Brite Fans der ersten Stunde vergraulen, seine Weiterentwicklung als Songwriter wird das aber nicht aufhalten.

Gleich mit dem Titel seiner ersten Solo-EP gelang es Frank Turner 2006, in zwei Worten mehr auszudrücken als etliche ausführliche Artikel über seine Veröffentlichungen in den letzten zwölf Jahren das vermochten: Er mache halt einfach "Campfire Punkrock", verbinde dementsprechend akustische Lagerfeuerromantik mit der ungestümen Leidenschaft der drei Akkorde. Auf seinem sechsten Studioalbum veröffentlichte er 2015 dann "Positive Songs For Negative People". Um auf seiner neuen Veröffentlichung in harten Zeiten Empathie zu fordern: "Be More Kind" - "Seid netter zueinander!"

Zur Ruhe gekommen

Turner kam zwar vor 36 Jahren in Bahrain zur Welt, wuchs aber im südenglischen Winchester auf. Als studierter Historiker griff er gern in Pubs und Clubs zur Akustikklampfe, spielte sich in den ausgehenden Neunzigern mit der Band Kneejerk am alternativen Rock dieser Zeit die Finger wund, wechselte Anfang des neuen Jahrtausends in der Formation Million Dead zum Hardcore, um ab 2005 im Alleingang altersweise einige Gänge runterzuschalten und Zorn wie Wut in positive, lebensbejahende Energie umzusetzen.

Im Wendekreis der alternativen Gitarre

Mit der Gewissheit, 12.000 in der Wembley Arena genauso gut unterhalten zu können wie die 80.000 vor Ort plus Fernsehmillionen weltweit zur Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in London, spielt Turner im naturgemäß eher limitierten Wendekreis der Akustikklampfe und wüsten Stromgitarre mit Leidenschaft und aus Überzeugung mehrdimensionale, handgemachte Musik, die die Grenzen zwischen Folkpop, Singer-Songwriting und Punkrock überwindet - auf einem Weg, den die New Model Army geebnet hat.

Frank Turner: Blackout

WDR 2 Musik | 14.05.2018 | 00:28 Min.

Frank Turner: 1933

WDR 2 Musik | 14.05.2018 | 00:30 Min.

Frank Turner: Little Changes

WDR 2 Musik | 14.05.2018 | 00:26 Min.

Auslöser im aufgescheuchten Amerika

Dabei möchte sich der Brite jetzt auch auf "Be More Kind" nicht exakt lokalisieren lassen. Gröhlt er noch wie früher im stürmischen "1933", so ist Turner in "Don't Worry" durchaus Ed Sheeran näher als The Clash oder besagter New Model Army. Der Titelsong knüpft nicht zuletzt durch rührende Streicher zarte Bande mit britischen Poeten wie Divine Comedy. Auch "Brave Face" schließt dank Chorgesang am Ende Pakt mit dem Pop. Rockige Ausbrüche sind da eher nur in Ansätzen erkennbar wie in der breitbeinigen, euphorischen Steh-Auf-Hymne "Make America Great Again". Die Idee zum Album entstand mitten im US-Wahlkampf, als der entsetzte Liberale aus England durch das aufgescheuchte Amerika tourte. Nicht umsonst heißen Songs auf diesem durchaus politischen Album "1933", "Blackout", "21st Century Survival Blues" oder eben so wie Trumps Wahlkampf-Parole.

Streicher, Bläser, Blackout

Gut, Hardcore-Fans der ersten Stunde mögen jetzt bei Streichern, Bläsern und gerade der nett gemeinten Vorab-Single "Blackout" Frank Turner selbigen attestieren. Alle anderen lernen seit einigen Jahren mehr und mehr einen Songwriter näher kennen, der sich weiterentwickelt und längst über drei Akkorde hinweggekommen ist.

Frank Turner - Be More Kind
1.Don't Worry
2.1933
3.Little Changes
4.Be More Kind
5.Make America Great Again
6.Going Nowhere
7.Brave Face
8.There She Is
9.21st Century Survival Blues
10.Blackout
11.Common Ground
12.The Lifeboat
13.Get It Right

Stand: 14.05.2018, 11:21