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Rea Garvey in Köln: Alles wird gut

Rea Garvey live in Köln am 10. 09.2018

WDR 2 präsentiert

Rea Garvey in Köln: Alles wird gut

Von Lewis Gropp

Beim umjubelten Tourauftakt in Köln zeigte Rea Garvey, dass er den Spagat zwischen unbeschwerter Straßenmusik und hymnischem Stadionrock beherrscht - und dass seine Musik in der Lage ist, therapeutische Wirkung zu entfalten.

Die Opening Band von Rae Garvey erfüllte ihre Rolle beim Tourneeauftakt perfekt: Ryan Sheridan zeigte mit seinem Percussionisten/Schlagzeuger, dass Musik auch gerade dann als gesellschaftliches Ereignis funktioniert, wenn sie Gemeinschaft stiftet. Und in diesem Sinne schwor der sympathische Sänger die Fans im ausverkauften Kölner Palladium mit seinen rockigen Balladen und seiner lässig-unbeschwerten Art auf den Abend mit Rea Garvey ein.

Das Geniale dabei war: Sheridan spielte mit seinem Kompagnon in der Mitte der Hall auf einer kleineren Bühne - und als die Show auf die große Bühne schwenkte, sangen die Fans bereits euphorisch im Chor mit. Als Rea Garvey dann von der großen Bühne aus bei den letzten Takten des Vorprogramms mit einstimmte, war die Stimmung bereits auf einem ersten Höhepunkt angelangt.

Facettenreiche Klarheit und wuchtige Dynamik

Druckvoll, konzentriert und völlig befreit spielte die Band vom ersten Takt an auf - was um so bemerkenswerter ist, weil es sich bei dem Auftritt in Köln um den Tourauftakt handelte. Von Premieren-Nervosität war allerdings weit und breit nichts zu spüren: Und der rockigen Intensität von "Is it Love", "Armour" und "Sorry Days" konnte man sich in der Halle kaum entziehen - nicht zuletzt auch deswegen, weil der Sound bis fast in den letzten Winkel durch facettenreiche Klarheit und wuchtige Dynamik bestach.

Wer genauer hinhört, weiß, dass die Musik von Rea Garvey mit einer besonderen Botschaft verbunden ist. Und damit diese Botschaft nicht überhört wurde, richtete der sympathische Ire noch zu Beginn das Wort ans Publikum. In Bezug auf die Vorfälle in Chemnitz erklärte der Sänger unter Beifall: "Da waren zehn Deppen unterwegs, aber deswegen darf man doch nicht denken, dass die das ganze Land repräsentieren!" Garveys Botschaften "Die Mehrheit ist gut!" und "Das Leben ist schön!" wurden ebenso begeistert aufgenommen.

Rea Garvey in Köln - Alles wird gut

 

Rea Garvey live in Köln am 10. 09.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

Wenn der Rockstar seine Mama anruft

Mit einem Schwenk in die Geschichte seiner Kindheit erklärte Garvey, dass es ihn immer beruhigt habe, wenn seine Mutter ihm versichert habe: "Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut." Deswegen würde er auch immer, wenn er auf Tour kurz davor ist, mal zu verzweifeln, bei seiner Mum durchklingeln. Solche Anekdoten kann nicht jeder glaubhaft rüberbringen. Doch bei Garvey wirkt es natürlich, witzig und charmant.

Neben den erbaulichen Plaudereien wird an diesem denkwürdigen Abend aber auch ausgiebig gerockt. Dabei versteht es Garvey, unaufdringlich irische Musiktraditionen in seinen ausgebufften Hymnenrock einzuflechten, wie bei dem beschwingten Uptempo-Hit "Oh My Love" oder dem unwiderstehlichen Gute-Laune-Kracher "Can't Say No", jeweils von 2014.

Zu Beginn des letzten Drittels steigt Garvey noch einmal zu Ryan Sheridan auf die kleine Bühne, um den Straßenmusiker-Sound zu beschwören, mit dem er lange selbst unterwegs war - schließlich hat Garvey zu Beginn seiner Karriere sein Geld unter anderem auch in der Fußgängerzone von Köln verdient, wenn man seinen Aussagen glauben schenken darf.

Musik, die böse Geister vertreibt

Erstaunlich rockig gerät dann wieder die "Wir sind Helden"-Nummer "Ich will mein Leben zurück". Sie klingt wie eine Mischung aus Neuer Deutscher Welle, den Rolling Stones - und eben dem unvergleichlichen Rea Garvey, der auch diese Cover-Version mit seinem urwüchsigen Pathos-Rock veredelt.

Ganz am Ende vor den Zugaben singen die Fans ekstatisch und selig das "Shalalala" von "Wild Love", bevor sie unter anderem mit "Can't Stand the Silence" und einem "Vielen Dank für die Liebe!" und "God Bless!" in die Nacht entlassen werden.

Wenn man in die glücklichen und verklärten Gesichter der Konzertbesucher schaute, hätte man meinen können, dass Rea Garveys Musik tatsächlich in der Lage ist, böse Geister zu verscheuchen. In diesem Sinne möchte man ihr auch weiterhin ein großes Publikum wünschen.

Die Setliste für dieses Konzert konnte uns leider nicht vom Management zur Verfügung gestellt werden.

Stand: 11.09.2018, 07:50