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Angus & Julia Stone in Köln: Optisches Fest

Angus & Julia Stone im Kölner Palladium

WDR 2 präsentiert

Angus & Julia Stone in Köln: Optisches Fest

Von Ingo Schmidt

Wochenlang hatten sich Angus & Julia Stone für Aufnahmen ins australische Byron Bay zurückgezogen. Nun präsentierten die Singer-Songwriter das Ergebnis in WDR 2 POP! und vor 3.600 Fans im Kölner Palladium.

Sie haben sich einige Zeit gelassen. Seit ihrem Erfolgsalbum von 2014, mit dem Produzentengott Rick Rubin die Geschwister Angus (31) und Julia (33) Stone von den Solopfaden wieder in die Duo-Spur zurückgeholte hatte, arbeiteten die beiden Australier zurückgezogen an Material für "Snow".

Mit diesem vierten Studioalbum im Gepäck tauchten die beiden musikalischen Globetrotter nun auch endlich wieder im Sendegebiet von WDR 2 auf. 3.600 Fans waren ins Kölner Palladium gekommen, um sich von der Stoneschen Klangwelt hypnotisieren zu lassen.

Mit Totempfahl und Fabelwesen: Angus & Julia Stone in Köln

WDR 2 | 12.10.2017 | 02:53 Min.

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Herbstliches Köln statt Strand

Bereits am Vorabend kamen die Hörer von WDR 2 POP! in den Genuss einiger Stone-Tracks, die am Nachmittag live und akustisch im Studio von WDR 2 eingespielt worden waren. Zudem plauderte Julia Stone in der Sendung mit Moderator Mike Litt – etwa darüber, warum sie nicht lieber zuhause am Strand in der Sonne liegt anstatt sich hier im durchwachsenen Herbstwetter aufzuhalten.

Das konnte man noch weniger verstehen, als sie von den Aufnahmebedingungen auf der wildromantischen Farm ihres Bruders berichtete. Es ist letztlich die Freude, live zu spielen, welche sie um die Welt treibt – das spürte man im Palladium in jeder Sekunde. Auch dass die atmosphärischen Songs des Duos nicht nur akustisch im kleinen Rahmen funktionieren, sondern auch im großen Saal nichts von ihrer hypnotischen Wirkung und Intimität verlieren.

Angus & Julia Stone in Köln

Die hypnotische Wirkung ihrer Songs funktioniert auch im großen Saal, das haben Angus & Julia Stone bei ihrem Konzert im Kölner Palladium gezeigt. Begleitet von Traumwelten aus Videokunst sorgte das Duo für 100 Minuten Entschleunigung.

Angus & Julia Stone in Köln

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Angus & Julia Stone in Köln.

Traumwelten aus Videokunst

Die Bühne bot mit wenigen, aber sehr effektiven Mitteln ein optisches Fest. Ein riesiger Videoscreen im Hintergrund entführte die Zuschauer in bunte Traumwelten aus Videokunst oder brachte das Palladium ans Meer, in die Berge oder in eine Vollmondnacht. Der im Zentrum stehende australische Totempfahl wirkte davor umso wuchtiger, passte sich durch Strahler und Lichteffekte an die jeweilige Stimmung an.

Vor der vierköpfigen Begleitband richtete sich der Fokus aber vor allem auf das attraktive Geschwisterpaar im Vordergrund. Julia tänzelte im schwarzen Minikleid, verzückte mit ihrem hohen, süßlichen Gesang, während der vollbärtige Angus im schlabbrigen Leinenhemd und mit Seemansmütze eher rustikal erschien – nicht so seine feinen Gesangslinien, mit denen er entweder seiner Schwester antwortete oder sie zum perfekten Chor ergänzte.

Überraschendes Lindenberg-Cover

Die Fans davor wiegten sich so entweder mit glänzenden oder geschlossenen Augen im Sound der Stones. Dieser steht stilistisch irgendwo zwischen den Eckpfeilern Folk, Rock, Pop und Blues, passt aber kaum in feste Schubladen. Mit viel Liebe zum Detail wurden Klänge und Instrumente gemixt, Julia an Gitarre und Trompete, Angus an Gitarre, Harp, Tasten und an einer Art Zigarrenkisten-Ukulele.

Neben langen atmosphärischen Werken gab es natürlich auch tanzbare oder mitklatschtaugliche Passagen, wie in "Who Do You Think You Are" oder dem "Big Jet Plane". Fast immer geht es um Leben und Liebe. Auch Covern kann das Duo: Neil Youngs "Harvest Moon" wurde seziert und neu zusammengesetzt.

Ein schöner wie komischer Moment war Julias Interpretation von Udo Lindenbergs "Durch die schweren Zeiten", der zunächst in der falschen Tonart angespielt wurde, ab da aber über das zarte Organ der Sängerin mitten ins Herz traf, auch das Stone-typische Arrangement transportierte den Song würdevoll. Der hätte ihr zunächst vom Klang gefallen, erklärte sie die Auswahl der Nummer – durch die Textübersetzung umso mehr.

100 Minuten Entschleunigung

Am Ende ging's in den Zugaben noch einmal quer durch die Jahrzehnte, "Oakwood" war offen und laut, mit einem guten Schuss 80er-Wave, im nächsten Moment konnte die Band 70er-Discogroove.

Der Schlusspunkt konnte aber stimmungsvoller nicht gesetzt werden, der rote Faden landete bei "Nothing Else" wieder bei sphärischem Sound, mehrstimmigem Gesang und Zeilen, die nach rund 100 Minuten Entschleunigung und Aufweichung leicht in die Herzen fanden: "There's nothing else to do here but kiss under the stars". Eine schöne Stimmung, mit der Angus und Julia Stone ihre Fans in die fast laue Kölner Oktobernacht entließen.

Setliste
1. Baudelaire
2. Make It out Alive
3. Cellar Door
4. Heart Beats Slow
5. Chateau
6. Wherever You Are
7. Bloodhound
8. Private Lawns
9. Who Do You Think You Are
10. Uptown Folks
11. Big Jet Plane
12. For Your
13. My House Your House
14. Snow
15. Oakwood
16. Harvest Moon
17. Nothing Else

Stand: 12.10.2017, 06:39