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Wie ein Werbegesicht zum Popstar wird

Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie ein Werbegesicht zum Popstar wird

Von Katrin Elsner

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichten hinter dem Song " I Promised Myself", wie aus einer beengten Wohnsituation ein Bandname wird, was in nur acht Jahren mit Chers Musik passiert und wie viele Definitionen ein Musiktitel haben kann.

Whitney Houston - My Love Is Your Love

Kevin Costner, Whitney Houston, Bodyguard – viel mehr muss man gar nicht sagen, um die großen Kino-Erinnerungen der 90er wieder nach vorne zu kramen. Spätestens mit "I Will Always Love You" wird Whitney Houston zur absoluten Balladen-Königin. Doch Ende der 90er ändert sich ihr Sound.

Auf ihrem vierten Studioalbum findet sich auch "My Love Is Your Love" wieder. Whitney Houston klingt anders und das war genau so gewollt. HipHop-Einflüsse bestimmen plötzlich die Musik und Whitney sagt sich, wenn dieser Stil überall auftaucht, mach ich auch mit.

Reggae und HipHop-Produzenten arbeiten mit ihr an diesem Song und siehe da: gute Idee. Der Song wird einer der erfolgreichsten ihrer Karriere. Platz 2 in Deutschland, Irland, Schweden, Großbritannien, Top 10 in den USA.

Allein dort hat sich "My Love Is Your Love" über 900.000 mal verkauft. 2014 wurden Teile des Song sogar nochmal im Dance-Song "I Got You" vom britischen DJ Duke Dumont eingebaut, hat also nochmal eine musikalische Generation überlebt.

Nick Kamen - I Promised Myself

Nick Kamen

1985 flimmert ein Werbespot für Jeans über die weltweiten Fernseher. Ein Waschsalon, es kommt ein Mann rein, zieht sich bis auf die Shorts aus und wäscht seine Wäsche. Dieser Mann wurde quasi über Nacht zum Superstar. Der Jeans-Werbespot war für damalige Zeiten eine Sensation.

Selten bis nie vorher wurden nämlich auch mal Männerkörper genutzt, um reizvoll irgendwelche Produkte zu verkaufen. Dieser halbnackte Kerl da im Waschsalon war Nick Kamen. Nach seinem optischen Durchbruch mit seinen Jeans wollte er es auch musikalisch versuchen.

Madonna wollte ihn unterstützen, schreibt und produziert seinen Song "Each Time You Break My Heart". Bei allem Erfolg hatte Nick Kamen allerdings mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Leute hatten ihn schon als Model abgestempelt und konnten nicht verstehen, warum er jetzt auch noch singen will.

Einen weiteren großen Hit landet er dann noch mal mit "I promised myself" – einem Song über eine kriselnde Beziehung. Die große Musikkarriere wurde es aber leider nie. Anfang Mai dieses Jahres ist Nick Kamen nach einer Knochenkrebserkrankung gestorben.

Gabrielle – Dreams

In London geboren, als Kind an einer Augenlidschwäche erkrankt, die Augenklappe wird später ihr optisches Markenzeichen. Bis heute ist Gabrielle als Musikerin weiter unterwegs, macht neue Songs und Alben.

Die Augenklappe hat sie gegen Sonnenbrillen oder aufwendige Frisuren getauscht, die über die Augen ragen. Dass Gabrielle überhaupt auf Bühnen stehen konnte, dass sie überhaupt erfolgreiche Songs hatte, das war auch ein bisschen Glück. Eigentlich hat sie Jura studiert.

Den ersten Abschluss hat sie aber schon mal nicht gepackt, weil sie statt zu lernen viel in Nachtclubs gesungen hat. Ihr war klar: Ich will Sängerin werden. Sollte das aber nicht klappen, dann würde sie wahrscheinlich ihr ganzes Leben weiter studieren müssen.

Eine gute Anwältin wäre sie sowieso nie geworden, hat Gabrielle mal erzählt, also wurde alles auf die eine Karte "Musikkarriere" gesetzt. Und ihr Plan geht auf. Direkt die erste professionelle Single war "Dreams". Platz 1 in der Heimat Großbritannien. Weltweit in den Charts.

Jennifer Paige – Crush

Eine Radiostation in Kalifornien spielt Ende der 90er den Song einer damals noch völlig unbekannten Sängerin aus Atlanta: "Crush" von Jennifer Paige. Die Reaktionen waren überwältigend, alle wollten den Song noch mal und noch mal hören und so hat er sich dann auch verbreitet.

Jennifer Paige war von dem Unerwarteten fast ein bisschen überrumpelt, weil sie außer dem Song hatte noch nichts für eine professionelle Musikkarriere vorbereitet hatte. Keine Pressefotos, nichts. Nach und nach wurde aus dem lokalen Hit ein Welthit.

Platz 3 in den USA, Platz 1 in Australien, 4 in Großbritannien. Und überall durfte Jennifer ihren Song auch performen, ohne dass sie vorher groß gereist ist. "Crush" hat ihr also die Tore zur Welt geöffnet.

1999 durfte sie sogar bei einem Weihnachtskonzert im Vatikan auftreten, hat den damaligen Papst Johannes Paul II. getroffen, er hat sie gesegnet und ab da war ihr klar: In ihrem Leben muss jetzt alles gut werden. "Crush" ist zwar ihr einzige großer Hit geblieben, aber bis heute macht Jennifer Paige noch Musik.

Meredith Brooks – Bitch

Meredith Brooks

Manchmal ist es erstaunlich, mit welchen Wörtern man einen Hit landen kann. Eines der besten Beispiele ist "Bitch" von Meredith Brooks. Auf der ganzen Welt ein Top-10-Erfolg, war sogar für einen Grammy nominiert. Es gibt viele Übersetzungen, die man für "Bitch" finden kann.

Die netteren sind sicherlich "Zicke", vielleicht noch "Miststück". Natürlich musste sich auch Meredith Brooks die Frage gefallen lassen: "Wie viel 'Bitch' steckt den in dir?". Ihre Antwort: "Manchmal trifft es schon auf mich zu."

Allerdings immer mit dem Zusatz, es träfe so auf sie zu, wie die Gesellschaft den Begriff "Bitch" übersetzen würde. Sie hätte für sich aber eine ganz andere Definition, die sie mit ihrem Song auch "einbürgern" wollte.

Für sie wäre "Bitch" viel mehr auch ein Synonym für "Göttin", für ein großes Selbstbewusstsein. Mehr als ein Kosewort für eine "starke Frau". Kann jeder und jede selbst entscheiden, wie geeignet der Begriff dafür ist. Ein Hit bleibt "Bitch" bis heute.

Cher - Believe

Wie man sich musikalisch in einem Jahrzehnt doch wandeln kann. Cher ist das perfekte Beispiel. 1990 noch sang sie ihren locker-leichten "The Shoop Shoop Song". Acht Jahre später allerdings gehörten ihr die Tanzflächen dieser Welt mit Discobeats in "Believe".

Ein fulminantes Comeback, in den USA war es ihr erster Nummer-1-Hit nach 33 Jahren. Sie hat sich mal wieder - wie sagt man so schön - neu erfunden. Was so neu war? Das so genannte Autotune. Also das technische Verzerren der Stimme. Heute aus der Musik nicht mehr wegzudenken.

Cher sagt aber klar: Ich war die Erste, die es benutzt und genutzt hat. Vom Grammy bis zum Oscar hat Cher in ihrer Karriere eigentlich alles an Preisen gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie stand im Guinness Buch der Weltrekorde für die erfolgreichste Tour eine Künstlerin.

"Believe" hat der Karriere aber die Krone aufgesetzt. Ihr mit Abstand erfolgreichster Song der Karriere. In über 20 Ländern Platz 1. Satte 26 Studioalben hat sie bis heute veröffentlicht, ist immer noch auf Tour, hat im zweiten Teil der Musical-Verfilmung "Mamma Mia" mitgespielt.

Cher liebe es zu arbeiten, an Musik, an Filmen, an jeglicher Art von Kunst und das auch bis heute mit 75 Jahren.

Crowded House - Weather With You

Schon Ende der 80er schreiben Crowded House den Song "Weather With You", erst 1992 wird er veröffentlicht und vor allem in Europa ein großer Erfolg. Ursprünglich stammt die Band aus Australien und Neuseeland, die Bandgründung damals ziemlich pragmatisch.

Sänger Neil Finn erinnert sich, dass sie zu dritt eine Band gründen wollten, weil so dann alle in ein Auto passen würden. Gesagt, getan. Anfangs haben sie sich allerdings "Mullane" genannt - nach Neils zweitem Namen.

Das war den Plattenfirmen aber zu kompliziert, also wurde ihre Wohnsituation zum Bandnamen. Damals haben die Jungs nämlich in einer Wohnung in L.A. gelebt, die eigentlich viel zu klein für die Personenanzahl war. Zwei Schlafzimmer, aber drei Bandmitglieder plus Freundin.

Der Manager hat noch auf dem Sofa geschlafen. Die Bude war voll oder auf Englisch übersetzt ein "Crowded House". Dazu wurde es noch quasi eine WG für aufstrebende Musiker aus Australien. Alle, die in L.A. ihre Karriere starten wollten, lebten bei und im "Crowded House".