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Wie Meat Loaf seinen Songtext erklären muss

Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie Meat Loaf seinen Songtext erklären muss

Von Katrin Elsner

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichten hinter dem Song "I'd Do Anything For Love", warum "74-75" keine spezielle Bedeutung hat, wie ein "primitiver Garten" zum Namensgeber einer Band wird und warum Paul McCartney nicht mehr nach den Beatles klingen wollte.

Savage Garden - Truly Madly Deeply

Bei manchen Bandnamen fragt man sich, wie die wohl entstanden sind!? Savage Garden heißt auf Deutsch übersetzt sowas wie "primitiver Garten" und ist ein Zitat aus einem Vampirroman. Musikalisch hat es die Band direkt mit ihrem ersten Album geschafft, mehrere Hits zu landen. Einer davon: "Truly, Madly, Deeply". Ein so erfolgreiches Album zu machen, das zahlt sich auch auf dem Konto aus, hat Daniel Jones gemerkt. Innerhalb von 12 Monaten ging es für ihn vom Arbeitslosengeld hin zum eigenen Haus. Daniel Jones war quasi das musikalische Mastermind des Duos. Die Liebe zur Musik kam von zu Hause. Kleines Haus, drei Kinder und drei Schlagzeuge. Es war also immer laut im Haus. So laut, dass die Eltern meist ganz nah am Fernseher sitzen mussten, um etwas zu verstehen. Später dann mit 20 Jahren hat er einen Sänger für eine Band gesucht, hat ein Vorsingen veranstaltet, ist da auf Darren Hayes getroffen, der die Stimme von Savage Garden wurde. "Truly, Madly, Deeply" - 1998 Platz 1 in den USA, Platz 11 in Deutschland.

Rednex - Cotton Eye Joe

Den "Cotton Eye Joe" könnte man eigentlich zu den Standardtänzen zählen – zumindest darf er auf keiner Party fehlen. 1994 veröffentlich die schwedische Band Rednex ihn als allerersten Song überhaupt und landet damit einen Überhit. Bis heute ist der Song auf Platz 26 der meistverkauften Singles aller Zeiten in Deutschland. Nahezu ganz Europa tanzt den "Cotton Eye Joe" an die Spitze der Charts. Im Text geht es um einen gutaussehenden Mann, der in einer Stadt einreitet. Sein Name: Cotton Eye Joe. Er bricht vielen Frauen die Herzen, die Männer der Stadt bleiben alleine zurück und einer von ihnen singt aus seiner Sicht über diese Affären. Sein Urteil: Wäre der Cotton Eye Joe nicht gewesen, hätte er schon längst geheiratet.

Faith No More - Easy

Faith No More

Faith No More

Eigentlich war die Band Faith No More immer für Musik bekannt, bei der man den Locher auf dem Schreibtisch festhalten musste. 1990 war "Epic" ihr großer Durchbruch. Eine US-amerikanische Rock- und Heavy Metal-Band, für die selbst dieser Song zu einem der ruhigeren gehört. Und egal ob es Metallica oder Aerosmith sind - wenn eine solche Band plötzlich mal eine total untypische Ballade veröffentlicht, wird das oft der viel größere Hit. So auch bei Faith No More, auf ihrem Album "Angel Dust" mit dem Song "Easy" - eine Coverversion des Commodores-Hits. Im Original gesungen von Lionel Ritchie. Faith No More hatten den Song öfter schon auf ihren Konzerten gespielt, dann aber auch offiziell für ihr Album aufgenommen. Sänger Mike Patton hat mal erzählt, dass die Band versucht, sich auf ihren Alben immer auch weiterzuentwickeln und eine Nummer wie "Easy" sticht dann natürlich besonders heraus. Der Song habe sie immer an ihre Kindheit erinnert. In Australien schaffen sie es mit "Easy" auf Platz 1, in Großbritannien auf 3 und bei uns in den 90er nach 9.

Mike & The Mechanics - Everybody Gets A Second Chance

Von den 70ern bis in die 90er war Mike Rutherford an vielen Songs von Genesis direkt beteiligt - er war nicht nur der Gitarrist, sondern eben auch Songschreiber der Band. Alle Genesis-Mitglieder haben aber schon während der Band-Karriere versucht auch andere Projekte zu starten. Auch Mike Rutherford mit "Mike & The Mechanics". "Everybody Gets A Second Chance" war 1991 einer der großen Hits. Was Mike schreibt, hat also quasi eine Erfolgsgarantie zu haben. Und trotzdem kann er bis heute nie einschätzen, welche seiner Songs ein Hit werden. Die großen Erfolge scheinen manchmal wie automatisch aus der Schreibfeder zu kommen, aber was der Hit wird, dafür habe er kein Gespür, so der bescheidene Engländer.

Meat Loaf - I Would Do Anything For Love

"I'd Do Anything For Love" von Meat Loaf - eine der größten Rockballaden überhaupt. Für Meat Loaf aber auch ein Song, über den er eine Frage immer und immer wieder gestellt bekommt: Was heißt denn jetzt dieses "But I Won’t Do THAT" im Song. Was wird und würde er nicht machen? Es erschließt sich nicht sofort hundertprozentig aus dem Song. Deshalb immer wieder Frage. Meat Loaf hat es mal versucht zu erklären, was einer Gedichtanalyse gleicht. "But I Won't Do That" kommt vor jedem Refrain im Lied, jedes Mal. Er singt immer über zwei Sachen, die er für Liebe tun würde und eine Sachen, die er nicht machen würde. Das "But I Won't Do That" bezieht sich eben auf Letzteres. Beispiel: "Ich werde nie aufhören, jede Nacht von dir zu träumen", dann schiebt er wieder das "für Liebe würde ich alles tun" dazwischen, aber eben nicht "aufhören von dir zu träumen" - "But I Won't Do That". Lyrisch ein bisschen holprig, weil es sich nicht auf den vorherigen Satz bezieht. Sondern immer auf explizit auf das, was er eben nicht tun würde. Bei seinem Erklärungsversuch auf einem Konzert vor Fans waren aber auch nach dieser Lehrstunden noch viel Fragezeichen in den Gesichtern zu sehen.

The Connells - 74-75

Manche Songs sind ein Phänomen. Die US-amerikanische Band The Connells hatte so einen. Auf ihrem fünften Studioalbum erscheint ein Song, der ausschließlich außerhalb der Heimat USA zum Hit wird: "74-75". Ein Song, in dem es darum geht, wie die Zeit vergeht und wie man damit umgehen, dass man sich selbst und eben auch die Zeit verändert. Im Musikvideo dazu sieht man Schüler:innen einer US-Schule. Einmal, wie sie damals in ihrer Abschlusszeitung aussahen und dann eben Jahre später nochmal. Diese Schulzeitung im Video ist aus dem Jahr 1975, heißt also der Songtitel könnte eine Anspielung auf den Jahrgang 74/75 sein. Könnte! Sänger Doug MacMillan meinte mal: Es hat nichts speziell mit diesem Jahrgang zu tun. Vielmehr hätte man diese beiden Jahreszahlen einfach sehr gut singen können, meinte der Komponist und Songwriter der Band Mike Connell. So schnell hat man den Mythos eines Songs selbst entzaubert.

Paul McCartney - Hope Of Deliverance

Erst schreibt er Songs wie "Yesterday", "She Loves You" oder "Can't Buy Me Love", danach verkauft er auch solo nochmal über 100 Millionen Alben und Singles. Paul McCartney gehört zu den erfolgreichsten Solo-Künstler:innen aller Zeiten, "Hope Of Deliverance" wird zu seinem erfolgreichsten Solo-Song der 90er. Nach dem Ende der Beatles haben sich die Bandmitglieder vorgenommen, in ihren eigenen Projekten nicht mehr so klingen zu wollen wie bei den Beatles. Irgendwann mussten sie sich aber alle eingestehen: Es scheint ein Stück musikalische Wurzel zu sein. Vom 1993er Album "Off The Ground" hat er selbst gesagt: "Jetzt ist es ein Paul McCartney-Album, das klingt wie ein Beatles-Album und das ist für mich völlig in Ordnung."

Backstreet Boys - Christmas Time

Auch der 90er nach 9 trägt dieser Tag eine rote Mütze und Rauschebart. Besinnlichkeit ging damals auch mit den Backstreet Boys "Christmas Time" war auf einer Special Edition des Albums "Backstreet's Back", hatte damals sogar seine Premiere im deutschen Fernsehen Kevin, Brian, Nick, AJ und Howard in Weihnachtsstimmung – so viel die meisten Teenie-Stars, die in den USA regelmäßig solche Songs produziert haben. Ein ganzes Weihnachtsalbum gab es von den Backstreet Boys aber nie. Bis Bandmitglied Howard dieses Jahr im März meinte: glaubt es oder nicht, es wird ein Weihnachtsalbum der Band geben. 10 Weihnachtsklassiker sollen drauf sein und ein paar eigene neue Songs. Angekündigt im März, hat die also im Frühjahr begonnen dieses Album zu produzieren, das mittlerweile auf das kommende Jahr verschoben wurde.