Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie ein Nirvana-Welthit beinahe nie veröffentlicht worden wäre

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichten hinter dem Song "Come As You Are", warum Blackstreet dankbar für einen Song ist, den niemand wollte und wie ein Jazzmusiker einen riesigen Erfolg mit einer Pop/Softrock-Nummer hat.

Von Katrin Elsner

Nirvana - Come As You Are

Drei Gitarrenriffs, die alle ziemlich gleich klingen, aber nur aus einem wurde ein Welthit. Es gab viel rechtlichen Zoff um den Beginn von Nirvanas "Come As You Are". Die Band "Killing Joke" meinte nach der Veröffentlichung nämlich: Das ist unser Gitarrenriff. Schon 1984 hatten sie eine tatsächlich sehr ähnliche Version in einem ihrer Songs benutzt. Allerdings kam auch noch eine Band namens "The Damned", die wiederum "Killing Joe" vorgeworfen haben, bei ihrem Song von 1982 geklaut zu haben. Nirvana-Frontmann Kurt Cobain war die Ähnlichkeit wohl auch so bewusst, dass er "Come As You Are" zuerst gar nicht veröffentlichen wollte. Die Plattenfirma wollte allerdings nach "Smells Like Teen Spirit“ den nächsten Hit und hat den am ehesten in "Come As You Are" gehört. Fernab der juristischen Streitigkeiten wurde der Song 1992 tatsächlich zum weltweiten Hit.

Paula Cole - Where Have All The Cowboys Gone

Wo ist mein John Wayne? Wo ist mein Marlboro Mann mit seinem polierten Colt? Das sind die Fragen von Sängerin Paula Cole in "Where Have All The Cowboys Gone?" 1997 veröffentlicht sie den Song, der Teil ihres zweiten Studioalbums war. Vor allem in den USA ist es zum großen Charthit geworden und direkt kamen die Nominierungen für wichtige Musikpreise. Nervös war sie aber nicht. Paula erinnert sich, wie sie bei der Grammy-Verleihung 1998 saß, satte siebenmal nominiert war, dann aber nach und nach die Awards an andere Künstler:innen gingen. Innerlich war sie darauf vorbereitet, vielleicht auch komplett leer auszugehen, bis sie in der Kategorie "Beste Newcomerin" doch noch einen Grammy gewann - überreicht von Soul-Queen Aretha Franklin.

Blackstreet - No Diggity

Die 90er waren musikalisch ein Jahrzehnt, in dem gerne auch mal verschiedenste Musikstile gemixt wurden. So auch bei "No diggity" von Blackstreet, einer US-amerikanische Band. Ihre musikalische Heimat war der R&B, Soul und Funk. Der damalige Produzent hatte "No Diggity" einer anderen Band angeboten, die ihn aber nicht wollten. Irgendwann ist er bei Blackstreet gelandet, die es dem damaligen HipHop-Guru Dr. Dre vorgespielt haben. Der wollte direkt beim Song dabei sein, hat nach einem Gastauftritt gefragt. Da dachte sich die Band aber: So billig kommst du uns nicht davon: Rapp' doch lieber mal was.Gefragt, getan. Dr. Dre rappt, "No Diggity" wird vom Song, den niemand wollte, zum Hit. Allein in den USA 1,6 Millionen mal verkauft. Und so trifft Soul und R&B auf HipHop.

Curtis Stigers - I Wonder Why

Besinnliche Stimmung, muss nicht immer auch direkt weihnachtlich bedeuten. Bestes Beispiel: "I Wonder Why" von Curtis Stigers. Die Kindheit und Jugend des US-amerikanischer Sängers ist eigentlich von Jazz-Musik geprägt. Er hat Jazz gehört, Jazz gespielt, Jazz studiert, ist dann Musiker geworden, der aber eben dann doch nicht nur Jazz gemacht hat. Curtis erzählt, dass er immer auch Pop, Soul und Rock'n'Roll mochte. Er habe damals geliebt, Radio zu hören. Von Aretha Franklin über Deep Purple bis Neil Young. Kein Wunder, dass sein größter Hit dann eben auch eine Mischung aus Pop, Softrock und auch ein bisschen Jazz ist. Bis in die Top 10 ging es in Deutschland 1991, in Großbritannien sogar bis auf Platz 5.