Live hören
Jetzt läuft: Stupid Love von Lady Gaga

Wie aus den Herzbuben die Prinzen wurden

Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie aus den Herzbuben die Prinzen wurden

Von Katrin Elsner

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichte hinter den Prinzen, die Verbindung zwischen der Band UB40 und einem britischen Formular und warum Billy Ray Cyrus auf mexikanischen Hochzeiten nicht fehlen darf.

Billy Ray Cyrus – Achy Breaky Heart

Anfang der 90er stand der Nachname "Cyrus" noch fest in Verbindung mit Musiker Billy Ray Cyrus. Heute wohl eher mit seiner Tochter Miley. Doch Anfang der 90er verwandelt Billy Ray Cyrus mit "Achy Breaky Heart" die Welt in eine Wüstenlandschaft: sein Countrysong stürmt weltweit die Charts. Ein Song, der die geteilte, diverse Welt vereinen soll. Zum 25. Jubiläum bekommt der Song nochmal eine Frischzellenkur, in Mexiko gehört er zum festen, musikalischen Repertoire auf Hochzeiten.

HIM – Join Me

Die Band H.I.M sitzt vor einem dunklen Hintergrund auf dem Boden

"Join me in death" – so der vollständige düstere Titel des größten Hits der finnischen Band HIM. Frontmann Ville Valo sieht in seinen Texten aber gar nichts morbides, viel mehr ist der Tod hier metaphorisch zu sehen. Eher wie in Redewendungen: "zu Tode erschrecken" oder "Todesangst". Der Tod ist hier also kein düsteres Ende oder gar ein Tabu-Thema. Außerdem könne man darüber viel bessere Songs schreiben, als über Automarken. Zu "Join Me" wurden mehrere Videoversionen gedreht, eine ist an "Romeo & Julia" angelehnt – keine große Überraschung, wenn man sich in der Geschichte ein bisschen auskennt.

Die Prinzen – Alles nur geklaut

Aus den Herzbuben wurden Die Prinzen. Und zwar nicht aus dem Volkmusik-Duo Wildecker Herzbuben. Wobei genau das in den ersten Karrierejahren der Prinzen wiederum für große Irritationen gesorgt hat. Zuschauer haben die Säle fluchtartig verlassen, als plötzlich diese A-Cappella-Band auf der Bühne stand und nicht die wohlbeleibten Schunkel-Sänger. Mit neuem Namen und der Single "Alles nur geklaut" kam dann der endgültige Durchbruch. Im Video wurden Szenen von Queen, Depeche Mode, Kiss und den Pet Shop Boys parodiert – eben: alles nur geklaut.

Emilia – Big Big Girl

Ein großes, großes Mädchen in der großen, großen Stadt – Ende der 90er ein riesiger Hit. Die Schwedin Emilia, damals noch Studentin, wird von einem Plattenlabel unter Vertrag genommen. Um ihr teures Hobby "Musik" zu finanzieren, shoppt sie nebenbei in einem Klamotten-Laden. Besser als Hosen und Pullover, verkauft sich aber ihre Single "Big Big World" – weltweit 4 Millionen Mal. Platz 1 in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden. Platz 5 in Großbritannien. Es folgt eine zweijährige Promotour. Ein Welthit! Wobei nicht ganz. In den USA schafft es der Song gerade mal auf Platz 92. 2009 versucht es die Sängerin für Schweden beim Eurovision Song Contest anzutreten, scheitert aber schon im Vorentscheid.

Fettes Brot – Jein

Ja, nein – ich mein: Jein! Nordischer HipHop, der seine Wurzeln schon in der gemeinsamen Schulzeit von Dokter Renz und König Boris hat. Am Gymnasium in Pinneberg sollte die Rap- Band "Boris & The Callboys" gegründet werden, schnell hat man sich aber für einen anderen Namen entschieden: Fettes Brot. Ab 1995 ist die Band deutschlandweit auf dem Radar, lustige Albumtitel wie "Auf einem Auge blöd" grenzen die Jungs auf dem HipHop-Markt von anderen Bands ab. Obwohl große Gefahr bestand, eine "Kultband" zu werden. Ihren bis dahin größten Erfolg "Nordisch by nature" nimmt die Band nach nur einem Jahr wieder aus dem Verkauf, um nicht nur auf diesen einen Song reduziert zu werden. Befürchtung unbegründet. Heute ist die Auswahl an Hits groß, die Band eine der erfolgreichsten des Landes.

UB40 - Can’t help falling in love

Der King of Pop als Reggae-Version? In den 90er gab es den Beweis: das funktioniert. Die britische Band UB40 verpasst "Can’t help falling in love" die typischen Reggae-Sounds. Platz 1 der Charts in Neuseeland, den USA und Niederlanden, Großbritannien und Schweden. Die Liebe zum Reggae kommt aus Birmingham. In seiner Heimatstadt lief auf den Straßen damals fast ausschließlich Reggae, verrät Sänger Ali Campbell. Den Namen UB40 verpasst er seiner Band später in Anlehnung an ein britisches Formular bei Arbeitslosigkeit. Um finanzielle Unterstützung zu bekommen, musste man den Antrag "Unemployment Benefit 40" - kurz "UB40".

Tom Jones & Mousse T. – Sexbomb

Spitzname: The Tiger. Tom Jones wird schon in den 1960er-Jahren zu einem Musiksuperstar. 1999 dann aber nochmal eine neue Stufe des Erfolgs. Großen Anteil daran hat der Musikproduzent Mousse T. aus Hannover. Er schlägt Tom Jones den Titel "Sexbomb" vor, weil er glaubt, Tom Jones ist für viele seiner Fans einfach immer noch DIE Sexbombe. Tom Jones mag den Song, hat Interesse, aber auch eine kleine Bitte. Die Textzeile "I’m a Sexbomb" soll umgeändert werden in "You’re a Sexbomb". Gesagt, getan, Welthit.

Sarah Brightman & Andrea Bocelli - Time to say goodbye

Der Boxer Henry Maske gehört zu den größten Hitmaschienen der 90er. Nicht nur sein Einmarsch-Song "Conquest of Paradies" wird in Deutschland zum Nummer 1-Hit. Sopranistin Sarah Brightman singt vor einem von Maskes Kämpfen ihren Titel "A Question of Honour" und steigt in die Charts ein. Zum letzten Kampf von Henry Maske sucht der zuständige Fernsehsender den großen Abschiedsrahmen. Ausgewählt wird ein italienisches Lied von Tenor Andrea Bocelli. Um es internationaler zu gestalten, wird eine Version mit eben Sarah Brightman produziert - halb italienisch, halb englisch. Ihr Auftritt vor dem Kampf macht "Time to say goodbye" bis heute zu einem der meistverkauften Songs in Deutschland, 11-fach Gold und heute der Inbegriff einer Abschiedshymne.