Wie eine "Spritztour" zum Welthit wird

Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie eine "Spritztour" zum Welthit wird

Von Katrin Elsner

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichten hinter dem Song "Joyride", warum Bryan Adams seinen eigenen Song nicht singen sollte und warum die Ärtze gleich zwei Namen für einen Song haben.

Roxette – Joyride

Der 90er nach 9 macht eine Spritztour. Der englische Begriff dafür? "Joyride". So heißt natürlich auch einer der ganz großen Hits von Roxette. Der Name des Songs geht übrigens auf Paul McCartney zurück. Der hat seine Zeit beim Songschreiben mit John Lennon mal als "long joyride" - also als lange Spritztour - bezeichnet. Das fand Per Gessle von Roxette so gut, dass er nicht nur den Song, sondern auch das ganze Album "Joyride" genannt hat. Auch in den USA ging das Album auf Platz 1. Da wollten die Plattenfirmen für die US-Charts übrigens eine Extra-Version, hat Per Gessle erzählt. Der Remix war ein bisschen schneller, es wurde bisschen am Schlagzeug geschraubt. Mit Erfolg. Für Roxette war diese Version aber völlig überflüssig fürs Album, sie hatten ja ihre eigene. Platz 1 in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in der Heimat Schweden, den Niederlanden, Norwegen, Australien und Belgien.

Hanson - MMMBop

Drei Brüder, die in den Charts nach oben schießen und nicht die "Bee Gees" sind? Gemeint sind Isaac, Taylor und Zac Hanson aus Oklahoma. "MMMBop" ist ihr erste Riesenhit, die Brüder gerade mal zwischen 10 und 15 Jahren alt, als der Song produziert und veröffentlicht wird. In einem Interview haben sie mal erzählt, dass das Alter nie ein Hinderungsgrund war. Sie waren immer bereit, die Beatles und Elvis hätten auch als Teenager angefangen, warum nicht auch sie. In 27 Ländern schafft es der Song auf Platz 1 der Charts. Auch in Deutschland.

Alanis Morissette - Hand in my Pocket

In Ottawa, Kanada geboren, in der Kindheit vier Jahre im Schwarzwald gewohnt, dann zurück nach Kanada und später zum Musikstar geworden: Alanis Morissette. "Ironic" vom Album "Jagged Little Pill" ist ihr erster weltweiter Hit. Mittlerweile wurde das Album sogar zum Musical umgeschrieben. Mit dabei natürlich auch "Hand in my Pocket". Einer der Songs, die durch den Erfolg des Albums erst zum Hit geworden sind. In gerade mal 15 Minuten von Alanis Morissette geschrieben und dazu noch selbst die Mundharmonika gespielt.

Massive Attack – Teardrop

Ab 2004 kam der etwas andere Arzt zur Fernseh-Visite: die Krankenhaus-Serie "Dr. House" wird ein weltweiter Erfolg. Der Titelsong zur Serie ist "Teardrop" und kommt von der britischen Band Massive Attack. Allerdings war dieser nur in den USA tatsächlich als Titelmelodie zu hören, da es in Europa Streit um die Rechte gab und nicht benutzt werden durfte. Also haben die Serien-Macher zwei Komponisten den Auftrag gegeben: macht eine Melodie, die fast gleich klingt, uns aber nicht in rechtliche Schwierigkeiten bringt. Und so ist dann dieses Intro entstanden. Eben auf Basis von "Teardrop" von Massive Attack.

Die Ärzte - Ein Schwein namens Männer

Ein Song mit gleich zwei Namen. Als Single heißt er "Ein Schwein namens Männer", auf dem Album aber als "Männer sind Schweine" gelistet. Es ist der kommerziell bis dahin erfolgreichste von "Die Ärzte". Nicht ganz unschuldig daran: das Musikvideo. Darin liefern sie sich einen harten Kampf mit der Videospiel-Heldin Lara Croft. Für die damaligen Verhältnisse technisch fast bahnbrechend - echte Menschen und eine animierte Figur im Nahkampf. Im Song auch ein Filmzitat: "Männer? Diese schrecklichen haarigen Biester? Die einen immer antatschen müssen? Und dabei wollen sie alle nur dasselbe von einem Mädchen!" Stammt aus dem Film "Manche mögen's heiß" von 1959. Fast 30 Jahre später nochmal von "Die Ärzte" wiederverwendet.

Nana – Lonely

In Ghana geboren, mit zwölf nach Hamburg gezogen, als DJ gejobbt und an ersten Songs gearbeitet. Mit 29 dann der erste große Hit "Lonely". Es war gerade mal der zweite Song überhaupt, den Nana veröffentlicht hat, aber schon während der Produktion das Gefühl hatte: Das könnte ein Erfolg werden. Platz 1 in Deutschland und der Schweiz, unter anderem zwei Echos gewonnen als erfolgreichster Newcomer und erfolgreichster Künstler - und das im gleichen Jahr.

Bryan Adams - Everything I do

1991 kommt "Robin Hood - König der Diebe" bei uns in die Kinos und Bryan Adams hat mit "Everything I do, I do it for you" seinen Schmachtfetzen als Filmsong beigetragen. Der eigentliche Plan war, dass drei Frauen den Song singen sollten: Annie Lennox, Lisa Stansfield und Kate Bush - aber keine der drei hatte Zeit. So hat Bryan Adams eben nicht nur den Text geschrieben, sondern auch gesungen. Im Jahr drauf war er damit für einen Oscar nominiert, hatte allerdings keine Chance gegen die Songs aus dem Zeichentrickfilm "Die Schöne und das Biest". Immerhin einen Grammy gab es als "Bester Filmsong".

Whitney Houston - I have nothing

Bei der Oscar-Verleihung 1993 war "Bodyguard" weit vorne mit dabei. Whitney Houston, Kevin Costner und ein paar der schönsten Liebesschnulzen überhaupt kommen aus diesem Film, Whitney Houston war sogar für gleich zwei Songs oscarnominiert. Allerdings nicht für "I will always love you", sondern einmal für "Run to you" und für "I have nothing". Gewonnen hat sie trotzdem nicht. Der Oscar für den besten Filmsong ging an den Zeichentrickfilm "Aladdin".