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Wie ein Countdown die Auflösung einer 90er Kultband verkündet

Musikkassetten liegen nebeneinander auf einem Tisch. Dazu der Text: Der 90er nach 9.

Wie ein Countdown die Auflösung einer 90er Kultband verkündet

Von Katrin Elsner

Der 90er nach 9 holt den Sound eines großen Jahrzehnts ins Radio. Wir erzählen die Geschichten hinter dem Song "Around the World", wie aus einem Verkupplungsversuch ein Hit wird, warum "The Hooters" so vielen Stars zu Songs verhelfen und mit welchen Lied "Die Ärzte" das erste Mal ganz öffentlich politisch werden.

Adamski – Killer

Adam Tinley ist Produzent und britischer Dance-Musiker. Anfang der 90er hat er erste Erfolge in den britischen Charts - unter dem Künstlernamen Adamski. Ein Name, den er sich in Anlehnung an einen UFO-Forscher gegeben hat: George Adamski.

Statt nach UFOs zu forschen, bleibt Adamski aber bei der Musik und schreibt zusammen mit Sänger Seal einen Song, der ihm den weltweiten Durchbruch beschert: "Killer".

Die beiden haben sich Ende der 80er auf einem illegalen Rave-Festival kennengelernt. Seal gibt eine Demo-CD von sich weiter, die landet bei Adamski, die beiden treffen sich, schreiben "Killer".

An Instrumenten brauchte es auch nicht viel: ein Keyboard und einen kleinen Computer für die Beats – fertig. Seal hat ein Jahr später den Song selbst nochmal rausgebracht und schafft es nach dem Nummer-1-Hit mit Adamski nochmal selbst in die Top 10.

Die Ärzte - Schrei nach Liebe

Ars**loch – ein Wort, das man nicht sofort im Knigge finden würde, in den 90ern aber Teil eines großen Songs. "Schrei nach Liebe" ist der erste Song der Band Die Ärzte nach ihrer Neugründung 1993. Und es war der erste Song, in dem sich die Band so offen, so klar politisch positioniert.

Ein Song gegen Neonazis, der gleich ein doppelter Nummer-1-Hit wird. Schon 1993 schafft der Titel es an die Chartspitze, damals zum ersten Mal in der Bandgeschichte. 2015 dann nochmal, als bei einer Aktion gegen rassistische Ausschreitungen gegen Geflüchtete im Netz dazu aufgerufen wurde, den Song und seine Botschaft nochmal in die Charts zu bringen.

Tal Bachman - She's So High

Es gibt diverse Gründe, Menschen Songs zu widmen. Der kanadische Sänger Tal Bachman hat sich aber einen besonderen Grund rausgepickt. "She's So High" war sein Hit in den 90ern. Ist im Februar 1999 rausgekommen.

Der Song dreht sich um ein Date, das Tal Bachman während der Highschool für seinen Stiefbruder arrangieren wollte. Er wollte das schönste Mädchen der Schule bestechen, damit sie das Date wird. Im Text heißt es direkt am Anfang: "Keine Falten oder Silikomimplantate".

Es kam tatsächlich auch zu einem Gespräch mit dem auserkorenen Mädchen, doch Tal Bachman hat schon da gemerkt, wie unangenehm das alles ist, was er da gerade versucht einzufädeln. Es ist übrigens beim "Versuch" geblieben. Diese Geschichte verpackt er dann später im Song, der sein größter Erfolg wird.

The Beautiful South - Perfect 10

Es gibt Zahlen, die haben irgendwas an sich. Die 13 ist für viele eine Unglückszahl, die 10 ist oft aber Symbol für "Perfektion". 10 von 10, das Maximum. In den 90ern gab es einen Song, der sich genau darum gedreht hat: "Perfect 10" von der britischen Band The Beautiful South.

Sänger Paul Heaton singt von einer Frau, die die perfekte 10 ist, obwohl sie eher eine 12 trägt. Es geht um fremddiktierte Modelmaße, die für die große Liebe aber keine Rolle spielen. Den zweiten Part im Song übernimmt Sängerin Jacqui Abbott.

Und wenn sie von seiner "armen, armen 4" singt ... ach überlegen Sie doch selbst, was damit gemeint sein könnte.

Eigentlich wollte Paul Heaton den Song aber gar nicht selbst singen, er hatte Tom Jones im Kopf, weil es von den Anzüglichkeiten gepasst hätte oder stimmlich dachte er an Chris Rea, am Ende ist der Song aber bei ihm gelandet und es wurde ein Hit.

Daft Punk - Around The World

Ende Februar gab es im Netz ein Video, in dem folgendes zu sehen war: ein Countdown und dann eine Explosion. So hat einer der erfolgreichsten Dance-Acts aller Zeiten die Auflösung verkündet. Daft Punk war also ein französisches Elektro-Musik-Duo.

In den 90ern waren sie mit die ersten, die große kommerzielle Erfolge mit House-Musik hatten. Funk, Techno, Indie Rock, Pop - alles wurde in ihren Sound gemixt. Die beiden dabei immer mit ihren verspiegelten Helmen hinter den Mischpulten, die Stimmen immer verzerrt.

Pharrell Williams, Kanye West, The Weeknd - alle wollten sie mit Daft Punk arbeiten. 1997 schaffen sie es erstmal aus den Clubs in die weltweiten Charts.

Erst mit ihrem Song "Da Funk" und dann mit unserem 90er nach 9: "Around The World". Damit kennt man übrigens auch schon den gesamten Text. Es wird nichts anderes gesungen als "Around The World". Wer will, zählt jetzt mal mit, wie oft.

Ricky Martin & Meja - Private Emotion

Im 90er nach 9 ging es schon um viele Songs, die gecovert wurden, die es vorher also schon mal gab. Immer wieder spielt da die US-Band "The Hooters" eine Rolle. Mit "Johnny B" hatten sie selbst weltweiten Erfolg. Sie waren es aber auch, die den 90er-Hit "One of Us" geschrieben haben.

In die Charts ging es für den Song mit Sängerin Joan Osbourne. Ein ähnlicher Fall ist der Hooters-Song "Private Emotion", den Ricky Martin um die Jahrtausendwende zum Hit macht. Zusammen mit der schwedischen Sängerin Meja.

Auch dieser Song wurde schon einige Jahre vorher von "The Hooters" geschrieben und veröffentlicht. War allerdings nie so erfolgreich wie die Version von Ricky Martin. Der selbst auch nochmal eine zweite Version aufgenommen hat. Mit der türkischen ESC-Gewinnerin Sertab Erener.