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Andreas Ohligschläger zum illegalen Geschäft mit Welpen

Andreas Ohligschläger sitzt mit vielen Hunden auf einer Wiese und schaut in die Kamera

Andreas Ohligschläger zum illegalen Geschäft mit Welpen

Die EU spricht von schätzungsweise 46.000 illegalen Welpen, die jeden Monat zwischen den EU-Ländern gehandelt werden. Tierschützer und Hundetrainer Andreas Ohligschläger war zu Gast bei WDR 2.

WDR 2: Bis diese Hunde bei uns in den Wohnungen oder Tierheimen landen, was haben die bis dahin schon alles erlebt?

Andreas Ohligschläger: Die haben schon ein Martyrium hinter sich. Meistens werden die Hündinnen in katastrophalen Zuständen gehalten, in irgendwelchen Hinterhöfen, in irgendwelchen Verschlägen oder Kellern, um als Gebärmaschinen zu dienen – um viele Welpen, so viele Welpen wie möglich in die Welt zu setzen, die dann wiederum so schnell wie möglich verkauft werden sollen. Die haben weder menschliche Zuwendung, noch haben die medizinische Betreuung. Dem muss wirklich dringendst ein Riegel vorgeschoben werden.

Andreas Ohligschläger: Welpen aus katastrophalen Zuständen

WDR 2 13.02.2020 03:26 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 WDR Online

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WDR 2: Du weißt jetzt wie ein Hund tickt. Was macht das mit den Hunden, wenn sie diese menschliche Zuwendung, diese Nähe, diese Wärme, nicht bekommen?

Andreas Ohligschläger: Der Punkt ist: Die Welpen kommen zur Welt, die Welpen werden viel zu früh von der Mutter entfernt, damit die Hündin schnellstmöglich wieder belegt werden kann. Das ist ein Kreislauf und für die Hunde eine absolute Katastrophe. Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich höre, da sind schon wieder 50 Hunde auf einer Raststätte aus einem Transporter herausgeholt worden und davon haben nur 30 überlebt. Das kalkulieren die auch mit ein, da geht es einfach nur um Geld.

Die Hunde leiden extrem darunter und man kann sich vorstellen, dass gerade die Welpen, die aus so einer Zucht kommen, nicht vernünftig geprägt und sozialisiert sind, weil ihnen der direkte Kontakt zu liebevollen Menschen fehlt.   

WDR 2: Und dann verhaltensauffällig sind, würde man das wahrscheinlich nennen in Behördensprache.

Andreas Ohligschläger: Absolut.

WDR2: Hattest Du mit solchen Tieren schon zu tun, weil Besitzer nicht mit ihnen klar gekommen sind?

Andreas Ohligschläger: Es gibt viele Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten oder Verhaltensstörungen. Oftmals weiß man gar nicht ganz genau, wo kommt der Hund denn eigentlich her, wo ist er denn geboren und wie ist der nach Deutschland gekommen. Deswegen mein Appell: nur Hunde aus dem Tierschutz nehmen, wo man auch weiß, wo sind die Pflegestellen in Deutschland, sind das angesehene Vereine, wie lange sind die schon auf dem Markt und wie arbeiten die, das man sich genauestens ein Bild macht.

Natürlich – wo der Markt da ist, da gibt es auch die Käufer. Gerade im Internet ist es sehr einfach, Hunde zu kaufen. Da würde ich dringendst von abraten, sondern ich würde mir wenn überhaupt vom Züchter die Zucht vor Ort angucken.

WDR 2: Im Internet wimmelt es von unseriösen Angeboten - wo kann ich denn guten Gewissens einen Hunden finden?

Andreas Ohligschläger: Ich bin ein Freund davon, dass ich sage: Holt euch doch die Hunde aus dem Tierschutz. Die Tierheime sitzen voll, es gibt so viele Hunde auf diesem Planeten, wundervolle Hunde sowohl im In- wie auch im Ausland. Erst mal die Tierheime leer machen und dann weiter züchten - das wäre mein Appell.

WDR 2: Tierheime hier bei uns oder auch Tierheime im Ausland?

Andreas Ohligschläger: Das kommt darauf an. Ich bin gerne vor Ort unterwegs. Ich habe im vergangenen Jahr mehrfach Portugal, Rumänien, Italien bereist, um mir selber ein Bild zu machen, wie arbeiten die Tierschutzorganisationen dort vor Ort. Aber die arbeiten natürlich auch mit wundervollen Tierschutzorganisationen hier in Deutschland zusammen und mit Pflegestellen. Dann kommen die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland und können dann hier von der Pflegestelle weiter vermittelt werden. Das halte ich für eine sehr gute Idee, weil der potenzielle neue Besitzer sich den Hund vor Ort anschauen kann auf der Pflegestelle und feststellen, passt das Tier oder nicht.

WDR 2: Wenn ich das erste Mal den Hund sehe, worauf muss ich dann achten? Kann ich erkennen, ob ein Hund eine gute Kindheit hatte?

Andreas Ohligschläger: Da muss man sich einfach auf die Organisationen und Pflegestellen verlassen, die diese Informationen haben. Die machen einen richtig guten Job und die wissen in den meisten Fällen, wo kommt der Hund her, wie alt ist der, ist der eher verunsichert, verstört oder hat Verhaltensauffälligkeiten. Oder ist das ein Allrounder, der einfach in eine Familie kann und es ist egal, ob er aus Portugal oder Spanien kommt.

Stand: 13.02.2020, 12:55