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Wasteland Rebels Jessica Liedke und Shia Su, Podcastcover

Wasteland Rebels - Der COSMO Nachhaltigkeits-Podcast

Health for Future — Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Stand: 03.12.2022, 10:25 Uhr

Diese Ausgabe der Wasteland Rebels ist eine Klima-Sprechstunde. Shia und Jessica sprechen mit einem Arzt von Health for Future darüber, warum Klimaschutz gleich Gesundheitsschutz ist. Denn der Klimawandel macht uns krank und viele Menschen sterben daran direkt oder indirekt. Das ist wissenschaftlich belegt.

Wusstet ihr, dass der Klimawandel auch mit einer erhöhten Gefahr für Pandemien einhergeht? Ja, uncool! Deshalb haben wir Jörg Schmid von Health for Future eingeladen. Mit ihm sprechen wir darüber, ob es gesunde Menschen eigentlich nur auf einem gesunden Planeten geben kann. Das Credo von Jörg: Klimaschutz ist auch Gesundheitsschutz. Er arbeitet als Arzt in der inneren Medizin in einer Klinik südlich von München und engagiert sich bei Health for Future und sagt: "Die Argumente sind da – und lassen sich nicht wegdiskutieren".

Jörg erzählt uns:

  • Warum beeinträchtigt der Klimawandel unsere Gesundheit so enorm – aber keiner wird jemals deswegen krankgeschrieben?
  • Wie genau macht der Klimawandel uns krank?
  • Was ist Planetary Health – planetare Gesundheit?
  • Was können wir dagegen tun – sowohl für unsere eigene Gesundheit als auch fürs Klima?

Health for Future - Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

COSMO Wasteland Rebels – besser nachhaltig 03.12.2022 47:34 Min. Verfügbar bis 03.12.2023 COSMO Von Jessica Liedtke ;Shia Su


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Jörg unterrichtet Planetary Health an der Uni Würzburg und in Fulda. Planetary Health – planetare Gesundheit – ist ein Konzept, das Gesundheit etwas weiterdenkt. Statt beispielsweise Gesundheit individuell zu betrachten, geht es hier darum, wie die menschliche Gesundheit mit der Gesundheit des Planeten zusammenhängt Und wie steht es um die Gesundheit der Erdsysteme wie beispielsweise Biodiversität.

So beeinträchtigt der Klimawandel unsere Gesundheit

Hitzewellen

In der Hitze verändert sich die Physiologie des Körpers. Wir schwitzen mehr, sogar das Gehirn kann sich ausdehnen und das Blutvolumen geht mehr in die Haut, um die Körpertemperatur zu regulieren. Dadurch muss das Herz stärker arbeiten. Das kann bei Menschen mit Herzerkrankungen das Herz überfordern und dann beispielsweise Herzinfarkte hervorrufen.

Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer, genug zu trinken, unter anderem aufgrund des im Alters verminderten Durstempfinden oder weil sie inkontinent sind und sich scheuen, viel zu trinken. Bei vermehrtem Schwitzen kann das zu Nierenversagen führen.

Wir können helfen, indem wir zum Trinken animieren, daran erinnern, sich im Schatten aufzuhalten und nicht tagsüber, wenn es heiß ist, zu lüften. Ärzt:innen können helfen, indem sie die Medikamentenverschreibung daran anpassen, denn viele Medikamente reagieren bei extremer Hitze anders.

Starkregen

Starkregen und damit verbundene Überflutungen belasten unser Gesundheitssystem. Nach Überflutungen breiten sich durch das verschmutzte Wasser oft Krankheiten wie Durchfallerkrankungen aus. Durch das stehende Wasser können sich auch bestimmte Mücken besser ausbreiten, die dann wiederum Krankheiten übertragen.

Unbekannte Krankheiten und Pandemien

Durch das Schmelzen von Permafrostgebieten, wie zum Beispiel in Sibirien, können Keime freigesetzt werden, die unser Körper gar nicht kennt. Das ist alles schwer vorhersagbar, aber die Gefahr besteht, dass Viren und Krankheiten, die wir bereits ausgerottet oder zurückgedrängt haben, zunehmen. Auch die Pandemiegefahr nimmt damit zu.

Ernährung

Hitzewellen, Dürreperioden und Starkregen wirken sich negativ auf die Landwirtschaft und somit die Ernte aus. Noch merken wir es in Deutschland nicht so stark wie in anderen Regionen dieser Erde. Aber auch bei uns hatte es die Landwirtschaft in den Hitzesommern der letzten Jahre sehr schwer.

Die gute Nachricht: Die Ernährungsform, die für uns am gesündesten ist, ist auch für den Planeten am gesündesten. Und das Beste: Ernährung ist einer der größten Hebel, die wir in der Hand haben als Maßnahme gegen die Verschlimmerung des Klimawandels.

Jörg ernährt sich daher "vollwertig pflanzlich", wie er sagt. Bedeutet: er versucht weitestgehend unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel zu sich zu nehmen.

Eine gute Orientierung gibt der "Planetary Health Ernährungsteller". Die eine Hälfte besteht aus Obst und Gemüse, so unverarbeitet wie möglich, sowie Nüsse. Die andere Hälfte aus Vollkorngetreide, Pflanzenproteinen (Bohnen, Hülsenfrüchten), ungesättigte pflanzliche Öle, eine kleine Portion an Fleisch und Milchprodukten sowie stärkehaltige Lebensmittel und eine sehr geringe Menge zugesetzter Zucker.

Luftverschmutzung

Luftverschmutzung ist auch bei uns in Deutschland ein Problem. Schlechte Nachrichten für städtische Nichtraucher: Die Menge an Feinstaub in Köln entspricht im Vergleich zum Schwarzwald in etwa zwei Zigaretten am Tag, erfahren wir im Podcast. Im Gegensatz zum Rauchen kann man sich dem nur leider nicht entziehen.

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht Ultrafeinstaub, der sogar ins Blut diffundieren kann. Durch das Blut kann der Ultrafeinstaub in alle Organe gelangen und dort Schäden wie beispielsweise oxidativer Stress oder Entzündungsreaktionen auslösen. Nach epidemologischen Studien und auch nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind etwa ein Viertel aller Herzerkrankungen und auch rund ein Viertel aller Schlaganfällen durch Luftverschmutzungen ausgelöst. 

Aber auch das Risiko für andere Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankungen nimmt mit der Exposition von Feinstaub zu. Forschende gehen in Europa sogar jährlich von knapp 800.000 Todesfällen durch Luftverschmutzung aus.

Allergien

Mit dem Klimawandel wird der Pollenflug sowohl heftiger als auch länger, denn es wird früher warm und bleibt auch länger warm. Außerdem werden durch mehr CO2 in der Luft auch mehr Pollen gebildet. Außerdem spitzen sich Feinstaub und Pollen ebenfalls gegenseitig zu durch Entzündungen, die auf der Schleimhaut entstehen.

Psychische Belastungen

Nach einer Umfrage der University of York macht die Klimakrise 78% der Menschen Sorgen. Bei 41% der Befragten löst der Klimawandel regelrechte Angsterscheinungen aus.

Vor allem jüngere Menschen belastet das psychisch. Und leider ist es keine irrationale Angst, denn die Auswirkungen sind leider sehr real. Begriffe dafür sind Eco-Anxiety oder auch Eco-Grief, die die Traurigkeit dieser schwerwiegenden Situation aufgreift, die eben auch Trauerprozesse auslöst. 

Euch belastet die Klimakrise psychisch? Da manche Therapeut:innen aktuell noch nicht so gut darauf vorbereitet sind, sind die Psychologists für Future eine gute Anlaufstellen, denn sie bieten neben vielen Infos rund um das Thema auch Hilfe an.

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Weitere Ressourcen und Quellen

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