"Squid Game" und "Maid" - Wie geht Überlebenskampf?

Szene: Alex (Margaret Qualley) mit ihrer Tochter am Tisch einer Sozialarbeiterin

Glotz und Gloria - Der COSMO Serien-Podcast

"Squid Game" und "Maid" - Wie geht Überlebenskampf?

Von Emily Thomey & Jörn Behr

In dieser Folge sprechen Jörn und Emily über zwei Serienhits, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im weltweit gehypten "Squid Game" versuchen Spielteilnehmer, in Todesgefahr einen Millionengewinn einzustreichen, im Sozialdrama "Maid" versucht eine junge Mutter, sich und ihre Tochter oberhalb der Armutsgrenze zu halten. Wer hat mehr Erfolg?

"Squid Game" und "Maid" - Wie geht Überlebenskampf?

COSMO Glotz & Gloria 15.10.2021 56:18 Min. Verfügbar bis 13.10.2026 COSMO


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[ab 03:05] Von welchem Buch würdest du gerne eine Serie sehen?

[ab 10:40] "Maid"

Die junge Mutter Alex flieht mit ihrer zweijährigen Tochter aus einer toxischen Beziehung und arbeitet fortan für eine Agentur für Reinigungskräfte, wo sie von Luxusvilla bis versiffte Ekelbude alle Aufträge annimmt, um irgendwie oberhalb der Armutsgrenze zu bleiben. Ihre Familie ist dabei nur bedingt eine Hilfe.

Dramatisch und hoffnungsvoll

Die Serie schildert authentisch den Kampf ums Überleben und drückt dabei nicht auf die Tränendrüse, sondern lockert die deprimierenden Erfahrungen auch mit der hinderlichen Bürokratie im US-Sozialsystem durch schöne Spielereien auf. So sehen wir oben rechts Alex' Kontostand, der sich bei Einkäufen mit einem "Pling" dramatisch verringert, oder lesen auf den umständlichen Formularen "Heul doch!" oder "Versagerin", weil einem genau das beim Ausfüllen suggeriert wird.

Toll gespielt

Emily und ich sind besonders begeistert von Hauptdarstellerin Margaret Qualley ("The Leftovers", "Once upon a time in Hollywood"), die als Alex mit Stolz und Optimismus den Kampf annimmt, und leiden mit dem Kleinkind, das ständig hin- und hergeschoben werden muss, damit es irgendwie hinhaut mit den Finanzen. Die Serie erzählt ein unbequemes und wichtiges Thema und wird bei diversen Preisverleihungen hoffentlich nicht leer ausgehen.

[ab 33:00] "Squid Game"

Das dürfte auch für den wohl größten Serienhype 2021 gelten, der mittlerweile die erfolgreichste Netflixserie stellt. Die Story klingt wie eine Samstagabend-Realityshow, ist aber fiktiv. 456 Koreaner sind pleite und lassen sich mit der Aussicht auf einen Mega-Jackpot auf Kinderspiele mit verschärften Regeln ein: Die Verlierer sterben - dabei könnten aber auch alle die Spiele stoppen, wenn sich eine Mehrheit dafür findet.

Hypezutaten sind da

Die Serie macht sehr viel richtig: Ein guter und sympathischer Hauptdarsteller, sehr simple Spiele, Hintergrundstorys zu ein paar Charakteren, überraschende Wendungen und - für mich ein sehr großes Plus - tolle, fantasievoll gestaltete Sets. Dazu kommen vor Marketing triefende Kostüme, die sicher den "Haus des Geldes"-Karnevalsoutfits Konkurrenz machen werden. So wurde die Serie schnell zum Hypethema im Netz mit zigtausenden Memes, Challenges und Theorien.

Popcorn oder Sozialstudie?

Klar, das Schauspiel ist teilweise gewöhnungsbedürftig, einige Ideen versanden und die sehr oft eingesetzte Gewalt aus allernächster Nähe ist Emily und mir eigentlich zu viel, dafür aber ist die Serie auch ein Kommentar zu Gesellschaft und Kapitalismus nicht nur im Entstehungsland Südkorea. Vielleicht ist sie aber auch einfach nur ein perfekt-knalliger, sehr gut gefilmter Zeitvertreib.

Der Podcast mit Gast Stephanie Land, die die Vorlage zu "Maid" schrieb

Wo:

"Maid" und "Squid Game" laufen bei Netflix, "Tina Mobil" in der ARD-Mediathek, "Der Schwarm" wohl 2022 im ZDF - und die Buchverfilmungswünsche "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara, "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells und "Stiller" von Max Frisch ja vielleicht auch irgendwann mal irgendwo.

Kontakt zu Emily und Jörn:

Facebook.com/cosmo_ard
E-Mail: glotzundgloria@wdr.de
Whatsapp: 0172 5678 566

Stand: 14.10.2021, 21:00