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Wie lachen wir dem Tod ins Gesicht? - "After Life" und "One Mississippi" geben Antwort

Rick Gervais in "After Life"

Glotz und Gloria - Der COSMO Serien-Podcast

Wie lachen wir dem Tod ins Gesicht? - "After Life" und "One Mississippi" geben Antwort

Von Emily Thomey und Jörn Behr

Krebs ist scheiße, der Tod auch, Humor hilft. So viel ist klar. In "After Life" motzt sich Ricky Gervais aus seiner Trauer, im stark autobiografischen "One Mississippi" zeigt Tig Notaro ihre Narben. Jörn und Emily sprechen in der neuen Folge darüber, wie man dem Tod ins Gesicht lachen kann.

Wie lachen wir dem Tod ins Gesicht? - "After Life" und "One Miss

COSMO Glotz & Gloria 22.03.2019 54:56 Min. COSMO

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"After Life"

Wenn Ricky Gervais, der Macher vom "Stromberg"-Original "The Office" oder der Komparsen-Comedy "Extras", eine neue Serie ankündigt, werde ich sofort hellhörig. Für mich ist er einer der lustigesten Menschen überhaupt, der es in seinen Projekten schafft, Witz und Tragik immer irgendwie zu vereinen. Dabei hilft auch in "After Life" der Gervais-typische Zynismus- und Fluch-Humor. Er spielt einen Lokalzeitungsreporter, der seine Frau an Krebs verliert, und seiner Trauer nur wegen seines Hundes kein Ende durch Selbstmord setzt, den aber ständig seinem Schwager, der auch sein Chef ist, androht. Stattdessen mobbt er KollegInnen, verstößt bewusst gegen lächerliche Imbissregeln oder liefert sich ein überflüssiges Duell mit dem schluffigen Postboten – kurz gesagt: Er ist extra ein Arsch, dem alles egal ist. Erst Gespräche mit einer Krankenschwester oder einer Witwe auf dem Friedhof machen ihm deutlich, dass das Leben weitergeht.

Die Auflösung kündigt sich schon in der ersten Folge an, wird in der letzten der sechs knapp halbstündigen Folgen dann aber trotzdem etwas gehetzt durchgezogen. Dazwischen finde ich es sehr lustig und rührend, während Emily das als "Scheunentorhumor" bezeichnet, der sie nicht so kickt. Nebenbei drückt uns Gervais noch seine privaten Ansichten zu seinem Atheismus aufs Auge, aber als Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent einer Serie darf man das halt.

"One Mississippi"

Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verwischen sogar noch deutlicher in "One Mississippi", die mittlerweile nach zwei Staffeln eingestellt wurde. Macherin Tig Notaro lässt ihre von ihr selbst gespielte Hauptfigur die gleichen Schicksalsschläge durchmachen, die sie innerhalb weniger Monate selbst auch erlebt hat: Eine lebensgefährliche Magen-Darm-Erkrankung, den unerwarteten Tod ihrer Mutter verarbeiten und nach einer Krebserkrankung ein Leben ohne Brüste. Ermattet kehrt die Radiomoderatorin in ihre Heimat Mississippi zurück zu ihrem Bruder und ihrem verklemmten Stiefvater. Gerade das Zusammenspiel mit diesen beiden Figuren machen aus der tragischen Story doch noch eine Comedyserie.

Emily liebt dabei den lakonischen, trockenen, schlagfertigen Humor von der eigentlichen Stand-Up-Comedian Notaro, während ich mich gefragt habe, wann sie denn mal ein bisschen mit Mimik und Schauspiel anfängt. Aber vielleicht sehe ich das auch nur so, weil die Serie kein Pointengewitter, sondern wirklich langsam erzählt ist, was ja auch mal gut ist. Herausheben muss man die gnadenlose Ehrlichkeit von Tig Notaro, die sogar so weit geht, ihre OP-Narben ihrer abgenommenen Brüste zu zeigen – zu weit, zu nah, zu persönlich für mich, für Betroffene aber vielleicht der genau richtige Weg.

Wo:

"After Life" bei Netflix, "One Mississippi" bei Amazon Prime Video.


Kontakt zu Emily und Jörn:
E-Mail: glotzundgloria@wdr.de
Whatsapp: 0172 5678 566

Stand: 22.03.2019, 10:00