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Lou Nesbit über Borderline und Erfahrungen in der Pornoindustrie

Miriam Davoudvandi und Lou Nesbit

Danke, gut. Der Podcast über Pop und Psyche

Lou Nesbit über Borderline und Erfahrungen in der Pornoindustrie

In der zweiten Folge von "Danke, gut." ist die ehemalige Pornodarstellerin Lou Nesbit zu Gast. Lou rutschte von ein paar Webcamclips mit 18 in die Branche. Jetzt, drei Jahre später, rechnet sie mit der Pornoindustrie ab.

Lou Nesbit über Borderline und Erfahrungen in der Pornoindustrie

COSMO Danke, gut. Der Podcast über Pop und Psyche 27.08.2020 44:46 Min. Verfügbar bis 27.08.2021 COSMO

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Lou Nesbit erzählt im Gespräch mit Miriam Davoudvandi, welche Rolle Drogen spielen, was es mit der Psyche und der eigenen Geschlechtsidentität macht, wenn der Körper ständig kommentiert wird und welche Rolle Borderline und Hypochondrie in ihrer Geschichte spielen. Sie spricht auch darüber, wie Zuschauer*innen zur mentalen Gesundheit von Pornodarsteller*innen beitragen und was man tun kann, um die Bedingungen für diesen Job zu verbessern. 

Begriffserklärungen

Bipolarität:

Die bipolare Störung, auch umgangssprachlich als manische Depression besprochen, gehört zur Gruppe der affektiven psychischen Störungen. Affektive Störungen sind gekennzeichnet durch Veränderungen und Schwankungen der Stimmungslage und damit einhergehenden Schwankungen des Antriebs- und Aktivitätsniveaus. Das Wort bipolar kennzeichnet dabei, dass die Betroffenen dieser Störung von starken Stimmungsschwankungen zwischen den beiden Polen eines depressiven Erlebens und eines manischen Erlebens betroffen sind. So schlagen für die Betroffenen Phasen voller Euphorie, gehobener Stimmung, Energie und Tatendrang oftmals plötzlich um in depressive Phasen, in welchen sich die Betroffenen als antriebsarm, niedergeschlagen und minderwertig fühlen. Zwischen diesen Phasen, die durchaus verschiedene Ausprägungen haben können, ist die Stimmungslage oftmals mehrere Wochen oder Jahre ausgeglichen

Hypochondrie:

Die hypochondrische Störung zählt zu der Gruppe der somatoformen Störungen (also körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen) und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen der Überzeugung sind an einer oder mehreren schweren körperlichen Krankheit(en) zu leiden, ohne dass dafür ein objektiver, organischer Befund vorliegt. Dabei werden normale oder allgemeine körperliche Empfindungen im Sinne einer schweren Erkrankung fehlinterpretiert und die Betroffenen beschäftigen sich in übermäßiger Form mit der vermeintlichen Erkrankung. Dies führt oftmals zu Problemen mit dem sozialen Umfeld. Störungen, die oft begleitend auftreten, sind: Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauch. 

Borderline:

Die Borderline Persönlichkeitsstörung wird im ICD10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) als eine von einer Vielzahl von Persönlichkeitsstörungen gelistet. Kennzeichnend für Persönlichkeitsstörungen sind schwere Störungen der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens, sodass sich meist schon in früher Kindheit tief verwurzelte und anhaltende Verhaltensmuster in meist sehr starren und wenig flexiblen Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. In der ICD10 wird von Borderline gesprochen, wenn neben den allgemeinen Kennzeichen einer Persönlichkeitsstörung, wie persönlicher Leidensdruck, lang andauernde Beeinträchtigung in den Bereichen der Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und in zwischenmenschlichen Beziehungen, eine deutliche Tendenz dazu vorliegt, unerwartete oder ohne die Konsequenzen berücksichtigende Handlungen zu zeigen. 

Dies zeigt sich oft in der Neigung zu Wutausbrüchen, gepaart mit der Unfähigkeit seine Impulse zu kontrollieren oder diese bei Unterdrückung in Streitereien auszuleben. Schwierigkeiten Handlungen beizubehalten, wenn sie nicht unmittelbar belohnt werden und unbeständige Stimmungen können ebenfalls kennzeichnend sein. Störungen und Unsicherheit des Selbstbildes, die Neigung sich auf instabile Beziehungen einzulassen, intensive Bemühungen nicht verlassen zu werden und anhaltende Gefühle der Leere sind eine Reihe weiterer Diagnosekriterien.

Quellen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung II- das Störungsspezifische Wissen von Jochen Schweitzer und Arist von Schlippe

Hilfsangebote:

Solltet ihr euch betroffen fühlen oder Personen im Umfeld haben, die betroffen sind, kontaktiert bitte umgehend die Telefonseelsorge online oder unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222.

Sollte die Gefahr der Selbst- oder Fremdgefährdung (insbesondere Suizidgefährdung) bestehen, zögert nicht einen psychiatrischen Notdienst oder den Rettungsdienst unter der 112 zu verständigen.

Weitere Informationen zum Thema Mental Health findet ihr auch bei der Deutschen Depressionshilfe.

Autorin: Miriam Davoudvandi
Beratung: Dipl. Psychologin Stephanie Cuff-Schöttle
Titelsong: Sam Wise: "Velour Intro"
Kontakt: cosmo@wdr.de

Die nächste Folge "Danke, gut." mit Miriam Davoudvandi erscheint am 10. September.