Future Sounds der Emotionen

Yael: "Psychoactive"

Yael: "Psychoactive"

Future Sounds der Emotionen

Von Maike de Buhr

Yael ist eine der spannendsten Künstlerinnen aus Berlin. Auf ihrem zweiten Album "Psychoactive" zeigt die Rapperin, Sängerin und Songwriterin, wie sphärisch und futuristisch Trap klingen kann. Yael lebt ihre künstlerische Vision aus und dokumentiert ihren eigenen Selbstfindungsprozess.

Yael: "Psychoactive"

COSMO Sound Supreme 18.10.2021 02:37 Min. Verfügbar bis 18.10.2022 COSMO


Wenn Yael den Soundtrack zur Bewusstseinserweiterung liefert, dann gewährt sie damit auch einen Einblick in ihr Innerstes. Denn "Psychoactive" ist ein Album der Spiegel ihrer Seele. Yael singt von unterdrückten Gefühlen und Harmoniebedürfnis; Doppelmoral und Eingeständnis; Erwartungen und Veränderung. "Das Album ist wie mein Tagebuch", beschreibt sie den therapeutischen Aspekt ihrer Musik. Ihre Stimmung wirkt sich auch auf ihre Songs aus: "Ich bin sehr moody. Entweder bin ich richtig happy oder total down. Das Mittelding fällt mir sehr schwer. Man kriegt sehr viele Gefühle mit auf dem Album, vor allem Reflexion und Nostalgie. Ich bin emotional sehr breit gefächert."

Deutsche Redewendungen

Hinter Yaels Songs steckt Recherche. Die Idee, beim Geistesblitz in ihr Handy getippt, gewinnt schon vor den Aufnahmesessions an Form. Yael grübelt, tauscht sich mit anderen Menschen aus, holt Infos ein. Ihr lyrischer Fokus auf dem Album sind die Randgebiete der deutschen Sprache. "Weil es krasse deutsche Wörter gibt, die man einfach nie benutzt. Die man aber so umbiegen und so betonen kann, dass sie sich cool anhören." Yael hat einen Faible für geflügelte Worte. Wenn sie in "Besser spät als nie" ihrem Ex-Freund vergibt oder sich "Auge um Auge" mit ihren eigenen Fehlern auseinander setzt. "In der deutschen Sprache ist sowieso immer alles heavy und direkt. Redewendungen sind ein Weg, richtig schwere Themen und Gedanken schön und bildlich zu verpacken."

Von Ludwigshafen nach Kreuzberg

Yael ist in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Bei ihrer Familie lief Blues und Grunge, in ihrer Jugend hat Yael dann ihre Liebe für HipHop und R'n'B entdeckt. Mit ihrer Crew Fitfy Fifty brachte sie damals die ersten Songs bei Soundcloud raus. Schon als Teenagerin war Yael klar, dass sie professionell Musik machen will. Als sie dann vor ein paar Jahren nach Berlin zog, konnte Yael sich musikalisch voll ausleben und mit sphärischen, futuristischen Sounds experimentieren. Drei EPs und zwei Alben stehen mittlerweile in Yaels Diskografie. Ende letzten Jahres hat sie mit dem Produzenten Dollaphil in Kreuzberg ein eigenes Tonstudio gegründet. Dort ist auch ein Teil der Songs von "Psychoactive" entstanden.

Psychoactive - das bewusstseinserweiternde HipHop-Kaleidoskop

"Psychoactive" ist ein Album wie ein Kaleidoskop. Ein sich ständig veränderndes, vielfältiges, filigranes Klangbild aus komplexen Emotionen und Klängen. Ganz organisch mischt Yael R'n'B und Trap mit schimmernden Synthies, aufblitzenden Beats und fließenden Melodien. Mit dem Berliner Produzenten G17 und Singer/Songwriter NA2PY ist "Psychoactive" entstanden. Den Input von vertrauten Menschen nimmt Yael gerne an, aber sonst lässt sich die Independent-Musikerin nicht in ihre Kunst reinreden. Ihre Kunst sieht sie als Experiment, als Entwicklungsprozess. "Psychoactive" zeigt die Momentaufnahme einer vielschichtigen, talentierten und auch sehr reflektierten Yael. "Es ist mir schon wichtig, dass ich etwas mitgeben kann. Aber das meine ich gar nicht belehrend. Ich bin fucking 24 Jahre alt, who am I to tell anyone irgendwas. Es soll eher eine Inspiration sein, Dinge auch mal zu hinterfragen. Mal zu schauen, wo man steht und ob man an sich arbeiten kann."

Stand: 17.10.2021, 00:00