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Tame Impala: Eile mit Weile

Tame Impala: "The Slow Rush"

Sound Supreme - Tame Impala: "The Slow Rush"

Tame Impala: Eile mit Weile

Von Marc Mühlenbrock

Tame Impala zieht die Superlative an: Beste Band des Jahrzehnts, Lieblingsrockband deiner Lieblingsrapper. Die Australier um Kevin Parker haben Pop neu definiert – mit viel Hall, Psychedelik und großer Geste. Ihr viertes Album "The Slow Rush" ist von bittersüßer Melancholie durchzogen und überrascht mit French House.

Tame Impala: "The Slow Rush"

COSMO Sound Supreme 17.02.2020 02:34 Min. Verfügbar bis 16.02.2021 COSMO

Irgendwann zwischen dem Headline-Slot beim Coachella-Festival, nach der Zusammenarbeit mit Kanye West und Mark Ronson, nach all den Awards und Lobbekundungen, hat sich Kevin Parker aka Tame Impala hingesetzt, um am Nachfolger des international gefeierten "Currents" zu arbeiten. Das Album war Sinnbild für die Verschmelzung von vielen Genres, Trademark von Pop zum Ende des vergangenen Jahrzehnts, vor allem aber ein Amalgam aus Indie und Soul. Angefertigt von einem Indie-Künstler, quasi als Counterpart zum Soul-Star Frank Ocean – so als würden beide Künstler von ihrer Seite aus einen Tunnel graben und sich in der Mitte treffen.

Nun also zurück im heimischen Perth, dieser entlegensten Großstadt der Welt an der australischen Westküste, hatte Kevin Parker ein Problem: Er wollte nicht an einem neuen Tame-Impala-Album arbeiten. Oder er konnte nicht. Oder beides. Stattdessen nahm er sich eine Auszeit, legte viel in den Clubs dieser Welt auf und ließ sich Zeit.

Wie die Zeit vergeht

Sich Zeit lassen, Zurückblicken auf Vergangenes, das schnelle Vorbeiziehen der Tage – all das hat Kevin Parker nicht nur durchlebt in dieser Zeit, er hat es sich auch bewusst gemacht. So wurde das menschliche Konstrukt von Zeit zum Konzept seines vierten Albums, das den passenden Titel "The Slow Rush" trägt. Ein Paradoxon, das die subjektive Zeitwahrnehmung ausdrückt. Die Songs tragen Titel wie "It Might Be Time", "Lost in Yesterday" oder Tomorrow's Dust", letztgenannter Song erinnert wunderbar an das französische Elektro-Pop-Duo Air. Tame Impala blicken melancholisch zurück oder desillusioniert nach vorn. Am emotionalsten ist "Posthumous Forgiveness", musikalisch ein Verweis auf die 60er mit Psychedelic Rock und Shaolin Soul, inhaltlich ein Song, in dem Kevin Parker seinem verstorbenen Vater vergibt.

Filigran und Vielseitig

Der Sound von "The Slow Rush" fängt dieses melancholische, nostalgische Gefühl der Vergänglichkeit auf, das Album wirkt warm und bittersüß. Und es ist dabei auch enorm vielseitig. Nuancen von verschiedenen Genres wie Yacht-Rock, Folk Soul oder French House fliegen in den Songs vorbei, dank der filigranen Produktion hört man sie glasklar heraus – aber sie sind schon wieder verschwunden, ehe man sie fassen kann. Das macht "The Slow Rush" unglaublich anziehend.

Stand: 17.02.2020, 00:00