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Sudan Archives mit afrofuturistischem Debüt "Athena"

Sudan Archives "Athena", Cover

Sound Supreme: Sudan Archives "Athena"

Sudan Archives mit afrofuturistischem Debüt "Athena"

Von Marc Mühlenbrock

Sudan Archives Album "Athena" spielt als Zeichen der Selbstermächtigung einer jungen schwarzen Frau mit Symbolen der griechischen Mythologie und weißen Hochkultur - und klingt dabei futuristisch und frisch.

Sound Supreme: Sudan Archives „Athena"

02:38 Min. Verfügbar bis 04.11.2020

Als kleines Mädchen hat sich Brittney Parks gewünscht, die Welt zu beherrschen, so singt sie im Eröffnungsstück "Did You Know". Ein großes Ziel, das vielen großen Künstlern gemein ist. Bei der Wahl der Waffen hat Brittney sich für die Geige entschieden. Eine weise Wahl. Sie hat sich verliebt in die Art und Weise, wie im US-amerikanischen Country und in der westafrikanischen Folk Music die Geige eher als Rhythmusinstrument eingesetzt wird, und nicht so sehr als Orchesterinstrument wie in der klassischen Musik aus Europa.

Der etwas altertümliche Begriff der "Fidel" passt hier perfekt für ihr Lieblingsinstrument. Um sie herum hat Sudan Archives ihre Soundwelt gebaut - unter Einfluss der Jazz-Platten ihrer Mutter und der 90er R'n'B-CDs ihrer älteren Schwester noch in ihrer Heimat Cincinnati, und mit den Beats, die sie in L.A. im "Low End Theory Club", dem Szenetreff für futuristische Beats, kennengelernt hat.

Griff nach den Sternen

"Athena" klingt luftig, leicht und futuristisch und sprüht nur so vor Ideen, in jeder Sekunde passieren mehrere interessante Soundereignisse gleichzeitig. Es gibt Verweise zum 90er Jahre TripHop und aktuellem Future Soul. Angeführt wird alles immer von Sudan Archives' Geige und ihrer warmen und klaren Stimme, mit der sie schon im Gospel-Chor sang. An den Reglern für das Album saßen drei der gerade angesagtesten Produzenten: Paul White (s. Danny Brown, Charli XCX), Wilma Archer (s. Jessie Ware, Nilüfer Yanya) und Rodhaid MacDonald (s. The XX, Sampha).

Wie eine griechische Göttin

Auch wenn sie anders als bei ihren ersten Aufnahmen nicht alles selbst produziert hat, bleibt Sudan Archives immer Herrin ihres eigenen Werkes. So wie die mächtige Göttin Athene, von der sie den Namen für ihr Debüt hat. Sudan Archives selbst erscheint auf dem Cover auch wie eine Göttin: stolz, stark, nackt und schwarz, mit – na klar – Geige in der Hand. Das ganze Cover ist ein Symbol für weibliche Selbstermächtigung. So wie schwarze Künstlerinnen vor ihr auf die Kultur Ägyptens und die fiktive Kultur Wakandas verwiesen haben, nimmt Sudan Archives die griechische Mythologie und macht sich die Wiege des Westens zu eigen.

Krieg und Peace y'all

Dass Athene die Göttin des Krieges und des Friedens ist, kommt nicht von ungefähr, denn "Athena" handelt von zwischenmenschlichen Kriegen. Sudan Archives erzählt dazu chronologisch Auszüge aus ihrem Erwachsenwerden. Vom Rauswurf aus ihrem Elternhaus durch ihren Stiefvater ("Confessions"), dem anschließenden Sich-Selbst-Finden in L.A. ("Black Vivaldi"(, dem Glück in einer Beziehung, die dann aber im Desaster endet ("Limitless"), bevor sie am Ende ihren Frieden mit allem und allen macht ("Pelicans in the Summer"). Und der Sudan? Der bleibt wie Athene oder Vivaldi ein Symbol in diesem glitzernden Culture Cluster. Tatsächlich hat Brittney den Spitznamen Sudan bekommen, bevor sie sich für die Musik des Landes interessiert hat. Sie findet das höchst merkwürdig, aber wahrscheinlich war es einfach ihr Schicksal.

Stand: 04.11.2019, 10:41