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Maxim: "Grüne Papageien" - Wie aus einer Feder

Maxim - "Grüne Papageien"

Sound Supreme - "Grüne Papageien"

Maxim: "Grüne Papageien" - Wie aus einer Feder

Von Kai Brands

Maxim ist einer der größten Sprachkünstler im deutschen Pop. Keiner kann Wehmut so bildreich beschreiben wie er. Auf "Grüne Papageien" meldet er sich mit einer ungewohnten Leichtigkeit zurück - geprägt von musikalischen Ikonen aus Frankreich und aktuellem Indie-Pop.

Maxim - "Grüne Papageien"

COSMO Sound Supreme 31.08.2020 02:28 Min. Verfügbar bis 31.08.2021 COSMO

Vorbei ist die Zeit des Major-Deals. Das sechste Studioalbum ist wieder eine Indie-Scheibe. Für seine zehn neuen Tracks hat Maxim kein großes Label mehr hinter sich. Alles einvernehmlich, betont er. Aber auf dem musikalischen Weg, den er jetzt eingeschlagen hat, und auf dem er deutlich leichtfüßiger unterwegs ist als gewohnt, hätte er nur ohne großes Label gehen können, glaubt Maxim: „Also mich hat das eigentlich sehr befreit. Ich fand das eigentlich gut in dem Moment. Einfach sinnvoll.“

Analog und aufgeräumt

Für das neue Album hat Maxim sein eigenes Label „Feder Records“ gegründet. Der 38-jährige Singer/Songwriter kann sich hier neue Freiheiten leisten – wie die, mit einem Gedicht auf Französisch, der Sprache seiner Mutter, ein Interlude zu beginnen. Der Anfang erinnert an den Laid-Back-Sound der Pariser Pop-Helden von "Air". Aus dem Album spricht eine neue Leichtigkeit. Insgesamt ist die Instrumentierung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Synthesizern analog und aufgeräumt. Dazu kommt Maxims gefühlvoller und leicht rauer Gesang, bei dem er auch mal in die ihm eher ungewohnte Kopfstimme wechselt.

Selbstzweifel und Max Herre

Diese neue Leichtigkeit ist nicht selbstverständlich, denn Maxim ging es nach seinem letzten Studioalbum "Das Bisschen was wir sind" von 2016 gar nicht gut. Er zweifelte an der eigenen Art zu texten. Und die große Pop-Karriere blieb aus. Wieder aufgebaut und motiviert hat ihn unter anderem Max Herre, an dessen Platte "Athen" er als Co-Writer gearbeitet hat: "In dem Moment war das Max, der gesagt hat: 'Ey, ja, Mann! Gib mir noch ein bisschen von dem Shit! Gib mir doch noch ein paar von deinen coolen Metaphern und sowas!'" Maxim legte die Zweifel ab und machte wieder das, was ihn auszeichnet: bemerkenswert einprägsame Bilder durch Sprache zu erschaffen - wie in "Anaïs", wo er darüber singt, wie er mit einem Joint aus Versehen die Wohnung einer Bekannten in Brand gesteckt hat.

Dunkles Kapitel

Maxim erzählt auf "Grüne Papageien" wieder sehr persönliche und emotionale Geschichten. Auf dem sonst verspielt anmutenden Album fällt die dunkle Ballade "Die Asche von Claude" heraus, in dem er die Beziehung zu seinem französischen Großvater besingt, einem Missbrauchstäter: "Die Informationen sind alle im Lied. Ich habe für mich entschieden, dass ich sie sehr subtil unterbringe, weil es einfach sehr ekelhaft und belastend ist und sich an der Grenze des Unerträglichen befindet, um das zu genau zu benennen. Ich kann dazu nur sagen, dass meine Mutter und ihre Schwestern, meine Tanten, alle sehr unter ihm gelitten haben." Auch sich an so einen Song gewagt zu haben, gab ihm die Freiheit den Rest der Platte fröhlicher zu gestalten. Das hängt auch mit der Geburt seiner Tochter zusammen, die eine große Rolle auf dem Album spielt. Er möchte auch für sie ein bisschen mehr Freude verbreiten.

Reisen nach Frankreich

Das Land, in dem seine Mutter groß wird und das sie aufgrund der schweren Kindheit schnell Richtung Deutschland verlässt, ist sehr präsent auf der Scheibe. Maxim reist mit uns etwa nach "Marseille". In "Anaïs" geht’s nach Montpellier oder auch mal Perpignan. Auch musikalisch geht es dorthin. Die Werke von Jacque Brel hätten ihn beeinflusst, meint er. Und auch Serge Gainsbourg und sein freier Umgang mit Chansons scheinen immer wieder durch.

Sein eigener Produzent

In der Vergangenheit hat Maxim mit vielen verschiedenen Produzenten auf einer Platte zusammengearbeitet, wie etwa mit Rap-Producer Farhot aus Hamburg, Teka, der auch sein Mitbewohner in Köln war, oder KAHEDI um Max Herre. Alle haben seinen Songs immer ihren eigenen Sound-Stempel aufgedrückt. Maxim bereue das überhaupt nicht, sagt er. Aber er wünschte sich einen einheitlichen eigenen Sound, den er auf dem Album durchaus findet. Inspiriert hätten ihn Indie-Stars wie Tame Impala, Bon Iver oder Khruangbin. Produziert hat er sich nun selbst und nahm die Songs zusammen mit seiner Band in seinem eigenen kleinen Studio auf, damit "Grüne Papageien" wie aus einer "Feder" daherkommt.

Stand: 31.08.2020, 00:00