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Bantu : "Everybody Get Agenda" - Afrobeat 2020

Bantu  - Everybody Get Agenda

Sound Supreme - "Everybody Get Agenda"

Bantu : "Everybody Get Agenda" - Afrobeat 2020

Von Keno Mescher

Treibende Rhythmen, politische Texte. "Everybody Get Agenda" von Bantu bringt Afrobeat im Geiste Fela Kutis auf ein aktuelles Level.

"Ich komme vom HipHop. Ich habe keine richtige musikalische Ausbildung. Ich war immer ein Fela-Fan. Es war mein Traum, eine Band zu haben wie Fela, wie James Brown oder Parliament-Funkadelic. Jetzt habe ich sie und kann meine Träume verwirklichen. Ich fühle mich total glücklich und blessed." Der deutsch-nigerianische Bandleader Ade Bantu ist ein alter Hase im Musikbusiness. Seit 1989 ist er in der deutschen HipHop-Szene aktiv, hat das antirassistische Kollektiv und Bandprojekt Brothers Keepers mitgegründet.

Bantu :"Everybody Get Agenda"

COSMO Sound Supreme 27.09.2020 02:14 Min. Verfügbar bis 27.09.2021 COSMO

Schon Mitte der 90er hob er in Köln gemeinsam mit Patrice und seinem Bruder Abiodun das Projekt Bantu aus der Taufe: die "Brotherhood Alliance Navigating Towards Unity". Seit seinem Umzug in die nigerianische Metropole Lagos ist Bantu zu einem der wichtigsten Live-Acts der Stadt geworden. Auch durch die monatliche Veranstaltungsreihe "Afropolitan Vibes", auf der die Band mit Naija Pop-Stars wie Burna Boy, Wizkid oder Yemi Alade zusammenspielt.

Verzauberte Schlangen

Ade Bantu ist ein aktivistischer Künstler. Musik ist für ihn immer auch ein Mittel zum Zweck. "Die Leute müssen Widerstand leisten, gegen Korruption, gegen eine inkompetente Regierung. Sie müssen auf die Straße gehen, sie müssen für ihre Rechte eintreten. Bei einem Land, dass genau so viel Geld hat wie Bahrain oder Saudi Arabien. Wir haben genau so viel Öl. Aber das Geld kommt nicht an. Und die Lebensverhältnisse werden immer schlechter." "Animal Carnival" heißt die erste Single des Albums. Thema sind die grotesken Ausreden nigerianischer Politiker über verschwundene Staatsfinanzen. Vor laufenden Kameras wurde behauptet, Gelder seien von Affen gestohlen oder verzauberten Schlangen gegessen worden. Die zweite Single "Disrupt The Program" ist ein Aufruf, sich zu wehren, nicht einfach klein beizugeben. "Wir zeigen mit den Fingern auf jene, die die Realität verdrehen und ihre Augen vor der Wahrheit verschließen oder sie leugnen – wir zwingen eine die politische Landschaft der Nation bestimmende kleptokratische Klasse dazu, sich mit der Realität auseinanderzusetzen."

Afrobeat 2020

"Everybody Get Agenda" ist im Herzen klassischer Afrobeat in der Tradition von Fela Kuti, einem Säulenheiligen und Pionier der afrikanischen Popkultur. Treibende Rhythmen, Call & Response-Gesänge, politische Lyrics, eine viel beschäftigte Bläsersektion. Dabei machen Bantu keinen Retro-Sound, wie er von US-amerikanischen Afrobeat-Kapellen wie Antibalas zu hören ist. Die zehn Songs sind in moderner, sehr live anmutender Ästhetik gehalten. Und wesentlich kürzer als bei Großmeister Kuti. Der kam selten unter fünfzehn Minuten aus. Bantu komprimieren die Afrobeat-Formel auf Popsonglänge und fügen noch einige  Zutaten hinzu. Bis auf wenige Ausnahmen ist das Tempo hoch. Der Sound von Bantu ist Big Band-Sound. Für die großen Bühnen gemacht. Bis sie dort wieder stehen, wird wohl noch einige Zeit vergehen:  "Aufgrund von Corona bin ich meistens zu Hause", sagt Bandleader Ade über seinen derzeitigen Alltag in Lagos. "Ich bewege mich kaum. Ich hab keine Lust, mein Leben aufs Spiel zu setzen. Da bin ich ganz vorsichtig. Leider kann ich nicht mit meiner Band proben. Ich lese viel, mache Recherchen, bilde mich weiter und hoffe, dass wir irgendwann zur Normalität zurückkehren."

Stand: 27.09.2020, 00:00