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David Walters: Karibischer Sunnyboy

David Walters: "Soleil Kréyol"

Sound Supreme - David Walters: "Soleil Kréyol"

David Walters: Karibischer Sunnyboy

Von Anna-Bianca Krause

"Soleil Kréyol" ist eine Hommage an die karibischen Großeltern von David Walters, an die Kreolsprache Martiniques und eine Liebeserklärung an die Clubszene im New York der Siebziger- und Achtzigerjahre. Bei der COSMO Wild Card am 8. Februar stellt David Walters sein phänomenales Album in der Philarmonie Essen live vor.

David Walters: "Soleil Kréyol"

COSMO Sound Supreme 03.02.2020 02:39 Min. Verfügbar bis 02.02.2021 COSMO

David Walters ist ein Multitalent: DJ, Komponist, Produzent, Sänger, Beatboxer, Multiinstrumentalist, Songwriter, Remixer, Studiotüftler, Ein-Mann-Orchester und ein Typ mit Riesen-Charme. Musikalisch kennt er keine Grenzen und hat sich im Laufe der Jahre im großen Spektrum zwischen Elektronik, Nu-Jazz, HipHop und Akustik-Folk bewegt. Er ist in Frankreich geboren, aber seine Wurzeln mütterlicherseits liegen in Martinique und väterlicherseits in Saint-Kitts. Das hat in seiner Musik schon immer eine Rolle gespielt. Doch jetzt ist es das zentrale Thema, hat er doch alle Songtexte im Kreol Martiniques verfasst und gesungen.

Widmung an die Großmutter

Der Auslöser nach zehn Jahren endlich wieder ein Solo-Album zu machen, war der Tod seiner Großmutter aus Martinique. Von ihr hat er das Kreol gelernt und sie war im Vorfeld noch bei ihm in Marseille gewesen. Er hat ihr die ersten Texte auf Kreol gezeigt, die er geschrieben hatte. Man hört sie am Ende des Songs "Mama", das ganze Album ist ihr gewidmet. Man hört aber auch, dass David Walters die Siebziger- und Achtzigerjahre am liebsten in New York verbracht hätte - im Studio 54 getanzt und nachts mit Andy Warhol oder Basquiat abgehangen hätte. Und, dass er die Musik dieser Periode besonders liebt: Funk, Disco, House und Soul. Dieser Einfluss ist genauso wichtig für das Album, wie die karibische Herkunft seiner Familie. Auf "Soleil Kréyol" ist es, als habe das alles schon immer zusammengehört.

Der Komplize

Sein Komplize, Mitmusiker und Mit-Produzent ist Bruno "Patchworks" Hovart (aka Taggy Matcher aka Voilaaa aka Mr. President u.a.) - ein globusweit gefragter französischer Remixer, Produzent und Multi-Instrumentalist, der sich wie Walters auch in einem riesigen Spektrum zwischen Disco, Funk, Jazz, Deep House, Rare Grooves, Latin, Soul, afrikanischer und karibischer Musik bewegt. Walters hat die meisten Tracks geschrieben, Hovart hat sie arrangiert, und dann haben die beiden zusammen im Studio alle Instrumente selbst eingespielt. David Walters will mit dem Album eine Brücke zwischen Afrika, der Karibik und den USA schlagen - dafür war Hovart genau der richtige Partner. Das kongeniale Duo hat alles im One-Take-Modus aufgenommen, also die Stimme einmal aufgenommen und nicht zehnmal. Die Tracks sollten noch ein wenig roh klingen.

Auf den Spuren des Großvaters

Walters hat in den letzten Jahren viel Zeit in New York verbracht und wollte auf seinem neuen Album eine Geschichte erzählen, in der er so tut, als würde er nach New York auswandern und dort seine Leidenschaft als Musiker ausleben. Er fing an, diese Geschichte zu schreiben und alle Songs mit New York in Verbindung zu bringen - oder wenigstens mit den USA. Dann telefonierte er eines Tages mit seiner Mutter und erzählte ihr von seiner Idee. Da stellte sich heraus, dass sein Opa Nelson mit 20 nach New York gegangen war. Es war für Walters eine irre Entdeckung, dass er dabei war, eine Geschichte zu schreiben, die in seiner eigenen Familie tatsächlich stattgefunden hatte.

Das Album erzählt also nun die Story seines karibischen Großvaters Nelson, der in den Zwanzigerjahren nach New York gegangen war, um dort seinen Musik-Traum auszuleben. Er brachte sich durch mit zig Jobs: Koch, Stepptänzer und viel mehr, um Musik zu machen. Walters hat allerdings die Geschichte seines Großvaters zeitlich in die Siebziger- und Achtzigerjahre verlegt. Eine Zeit, die ihn persönlich mehr interessiert, weil da Künstler wie Basquiat, Hendrix, The Doors und Andy Warhol in New York lebten und arbeiteten. Und weil er stark vom Funk, Disco und Soul beeinflusst ist.

Die Brücke: Kreol

Die Brücke, über die man mit David Walters von Martinique und Saint Kitts nach Afrika und in die USA geht, ist das Kreol. 2018 hat der Musiker "Sewing Machine Effects", das außergewöhnliche Debütalbum des Projekts Nola Is Calling produziert. Darin arbeiteten US-amerikanische, afrikanische und französische Musiker zusammen und erzählten die grausame Geschichte der Versklavung mit traditionellen und aktuellen Sounds. Diese Erfahrung war wichtig für den Plan, ein eigenes Album auf Kreol zu machen.

Musikalisch ist das Ganze eine homogene, aber auch genremäßig schwer zu fassende Mischung aus karibischen Sounds und Rhythmen, Funk, Disco, House und Soul geworden. Ab und an tauchen Reggae, Zouk oder Gospel-Elemente auf. Illustre Gäste sind beispielsweise mit Seun Kuti dabei, mit dem Walters sich im Song "Bwè Dlo" vor dessen Vater Fela Kuti und besonders vor dessen Song "Water No Get Enemy" verneigt. Im Song "Pa lè" spielt der libanesische Musiker Ibrahim Malalouf Trompete. Und im Titelsong "Soleil Kréyol" hört man das Cello von Vincent Segal. Ob David Walters rappt oder singt wie ein Crooner alter Zeiten - sein neues Album lässt, wie der Titel schon sagt, die kreolische Sonne über den Dancefloor scheinen.

Stand: 03.02.2020, 00:00