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Rückkehr eines Geläuterten - Buju Bantons Comeback-Album "Upside Down 2020"

Buju Banton "Upside Down 2020"

Sound Supreme - "Upside Down 2020"

Rückkehr eines Geläuterten - Buju Bantons Comeback-Album "Upside Down 2020"

Von Ellen Köhlings & Pete Lilly

Buju Banton ist eine der größten lebenden Reggae-Artists und einer der kontroversesten. Erst belasteten ihn jahrelang Homophobievorwürfe, dann saß er im Gefängnis wegen eines Drogendeals. Sein Comeback-Album "Upside Down 2020" handelt von seinem Erwachen in einer neuen Welt.

Der Name Buju Banton weckt in Jamaika Ehrfurcht, ist er doch für viele der größte lebende Reggae-Künstler, der endlich wieder auf freiem Fuß ist. Anderenorts – in Teilen Europas und der USA – ruft sein Name vor allem die LGBTQ-Community auf den Plan, die ihm wegen seines homophoben Songs "Boom Bye Bye" verständlicherweise das Leben schwer machte. Nachdem Buju Banton Ende 2010 wegen der Anbahnung eines Koks-Deals zehn Jahre in einem amerikanischen Gefängnis gesessen hatte, entschuldigte er sich kurz vor seinem ersten Europa-Auftritt beim Summerjam 2019 bei eben dieser Community und beteuerte, den Song nicht mehr aufzuführen

Buju Banton: "Upside Down 2020"

COSMO Sound Supreme 29.06.2020 02:37 Min. Verfügbar bis 29.06.2021 COSMO

Die Stimme von Jamaika

Anfang der 90er Jahre zählte Buju Banton mit Shabba Ranks zu den größten Dancehall-Deejays. Auf seinem dritten Album "Voice Of Jamaica" begann er, mehr und mehr gesellschaftlich relevante Themen zu behandeln. Als er 1993 mit seinem unsterblichen Hit "Murderer" auf die Ermordung seiner Deejay-Kollegen Panhead und Dirtsman reagierte, läutete er damit einen kulturellen Wechsel ein und verschaffte Roots Reggae in einer von Dancehall dominierten Zeit wieder mehr Gehör. Ein Jahr später veröffentlichte er sein Meisterwerk "Til Shiloh", das vorwiegend spirituell geprägt ist. Buju Banton hat es seit Anfang der 90er verstanden, beide Strömungen in der jamaikanischen Musik, Roots Reggae und Dancehall, in einer Person zu vereinen.

Das Comeback

Am 16. März 2019 ist es dann soweit gewesen: Der Gargamel – wie ihn seine Fans auch nennen – eröffnete seine in Anlehnung an Nelson Mandela benannte "Long Walk To Freedom"-Tour mit einem historischen Konzert im National Stadium in Kingston. Die mit 40.000 Menschen ausverkaufte Show wurde in Jamaika als größtes Musikereignis seit Bob Marleys "Smile Jamaica"-Konzert gefeiert. Auch sein erster europäischer Auftritt beim Summerjam in Köln bejubelten viele als eines der besten Konzerte seit langem. Buju Banton spielte sich mit einer starken Shiloh-Band durch seinen riesigen Katalog, der für jede Stimmung die passenden Songs bereithielt. Er hat abgeliefert, mit ganz viel Soul, Herz und Energie und konnte nach langer Abwesenheit seinen Status als einer der besten Performer seiner Zunft untermauern.

Upside Down

Die Welt steht Kopf. Dessen ist sich Buju Banton bewusst. So schickt er uns auf "Upside Down 2020" auf eine zwanzig Songs dauernde Reise, bei der jede‘r den persönlichen Lieblingsort findet. Es gibt aufbauende, heilende, tröstende Songs, beißende Sozialkritik, Liebeslieder, Tunes, die dich direkt auf die Tanzfläche beamen. Buju spielt alle Facetten aus. Neben Roots Reggae und 90s Dancehall unternimmt er Ausflüge in Rock, Afrobeat, Jazz, R&B und Pop. Er ebnet den Weg mit einem biblischen Chant, adaptiert für das herzzerreißende "Yes Mi Friend" den Klassiker "Duppy Conqueror" von Bob Marley mit dessen Sohn Stephen. "Buried Alive" ist fies rockig, bringt aber mit zwei Worten schmerzlich auf den Punkt, wie er sich im Knast gefühlt hat. Darauf folgt mit "Blessed" eine Produktion von Dancehall-Legende Dave Kelly.

Plädoyer für Nächstenliebe

Nach Liebesliedern und Dancehall Tunes ist es Zeit für Gesellschaftskritik und upliftende Songs. In "Steppa" rechnet Buju mit der jamaikanischen Gun-Culture ab, in "Rising Up" erinnert er an die Kraft, wenn Menschen gemeinsam ihre Stimme erheben. Das von dem kürzlich verstorbenen Bobby Digital produzierte "Helping Hands" ist ein Plädoyer für Nächstenliebe. Die beschwört Buju auch in "Unity", mit dem er uns vereint in die Zukunft schickt. Nach so langer Abstinenz scheint Banton mit dem sehr breit gefächerten "Upside Down" jede*n auf seine Musik einschwören zu wollen. Auf jeden Fall steht die Welt – zumindest für eine Albumlänge – wieder auf den Füßen.

Stand: 29.06.2020, 00:01