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Samt & Soul - Ayos neues Album "Royal"

Ayo Royal

Sound Supreme - Ayo: "Royal"

Samt & Soul - Ayos neues Album "Royal"

Von Anna-Bianca Krause

Auf "Royal" kehrt Ayo zu ihren Anfängen zurück und hat alle Songs zu 100 Prozent akustisch eingespielt. In den wunderbar intimen Balladen zwischen Folk, Soul und Jazz singt sie von ihrem Leben und covert vier legendäre Songs an der Seite von Bob-Dylan-Gitarrist Freddy Koella.

Eigentlich sollte Ayo ein Album mit Coverversionen ihrer eigenen Songs des Debütalbums "Joyful" machen, aber vier Tage vor den Studioaufnahmen änderte sie den Plan. Die 39-jährige hatte gerade eine Depression hinter sich und Angst, die Leute könnten denken, dass sie keine Ideen mehr hat. Stattdessen holte sie neue Songs aus der Schublade, die sie schon im Lauf der letzten Jahre geschrieben hatte, Songs über und für ihre Kinder, über die Liebe zu Gott oder die Leichtigkeit des Verliebtseins.

Sound Supreme - Ayo: "Royal"

COSMO Sound Supreme 27.01.2020 02:40 Min. Verfügbar bis 26.01.2021 COSMO

Hommage an den Jazz

Der Bonus sind vier ganz besondere Coverversionen von Songs, die Ayo liebt. Zwei Coverversionen sind Jazz-Klassiker: Das legendäre "Afro Blue", das erste Jazz-Stück, das auf einem afrikanischen Rhythmus basiert und durch John Coltrane weltberühmt wurde. Und der Song "Throw It Away" von Abbey Lincoln, die Ayo ohnehin besonders liebt und auch noch zu Lebzeiten kennengelernt hat, als sie für ihr erstes Album einen ihrer Songs gecovert hat. Es ist ihre Hommage an die große Jazz-Lady. Aber der Song spiegelt auch eigenes Erleben, denn Ayo, die in den USA lebt, musste im Vorfeld des Albums zwei Jahre um Visa für ihre Kinder kämpfen, die den Nachnamen von Patrice tragen, dessen Vater aus Sierra Leone ist, von dem sie sich aber schon lange getrennt hat. Der zentrale Satz des Songs: "You can never lose a thing, if it belongs to you" hat ihr Kraft in dieser schwierigen Situation gegeben.

Der Komplize

Es ist ein zu 100 Prozent akustisches Album, mit dem die Künstlerin auch zurück zu ihren Anfängen geht, in denen sie akustische Soul-Folk-Balladen gemacht hat. Bislang war Ayo nicht nur die Queen of Acoustic Soul, sondern auch das Mädchen mit der Gitarre und der Samtstimme. Auf diesem Album spielt sie anders als zuvor, nur auf einem einzigen Song selbst Gitarre. Den Blues "Fix me up" konnte sie nicht ohne ihre Gitarre singen. Produzent des Albums war Freddy Koella, Er war jahrelang der Lead-Gitarrist von Bob Dylan, hat mit Willy DeVille, Lhasa de Sela, k.d.lang oder Carla Bruni gearbeitet. Auf dem Album spielt er vor allem Gitarre, aber auch andere Instrumente wie Akkordeon.

Durch Koella hat Ayo die vor zehn Jahren verstorbene Ausnahme-Singer/Songwriterin Lhasa kennen und lieben gelernt. Sie covert auf "Royal" den Lhasa-Song "Fools Gold", damit mehr Menschen Lhasa kennenlernen. Die vierte Coverversion ist "Né quelque part" vom französischen Sänger und Musiker Maxime Le Forestier. Ayo hält ihn für einen der größten französischen Songwriter. Es ist der einizige Song, in dem Ayo Französisch singt. Den Song hält sie aus aktuellen Gründen für besonders wichtig: Geschrieben 1986, in einer Zeit des Erstarkens des Front National und als Reaktion auf eine Gesetzänderung, die besagte, dass Kinder, die in Frankreich geboren wurden, nicht mehr automatisch Franzosen wurden, wenn die Eltern andere Nationalitäten haben.

Königlich

"Royal" ist das sechste Album von Ayo und hat etwas Erhabenes, gerade weil es so reduziert ist auf die Essenz. Gewidmet hat sie es der Liebe und Gott in seinen verschiedenen Erscheinungsformen als Allah, Buddha und Gott. Alle Songs wurden wie live im Studio eingespielt, die Mitmusiker: Freddy Koella, Gael Rakotondrabe, Laurent Vernerey und Denis Benarrosh begleiten sie kongenial, lassen ihren Gesängen viel Raum. Musikalisch dominiert in den zwölf Songs ein reduzierter Soul-Folk, selten hört man einen Reggae-Rhythmus oder typisch französisches Chanson-Akkordeon. Der Sound: warm, intim, sinnlich, Gänsehaut erzeugend. Und für einen Moment steht die Zeit still!

Stand: 24.01.2020, 14:00