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Zweites Album der französischen Supergroup Roseaux: Soul und Sinnlichkeit

Sound Supreme: Roseaux - "Roseaux II"

Sound Supreme: Roseaux - "Roseaux II"

Zweites Album der französischen Supergroup Roseaux: Soul und Sinnlichkeit

Von Anna-Bianca Krause

Auf seinem zweitem Album hat das Pariser Trio Roseaux konsequent seinen sinnlichen, tempogedrosselten Sound weiterentwickelt. Und sechs Sängerinnen und Sänger dazu gebracht, neue Seiten in sich zu entdecken - darunter Melissa Laveaux, Blick Bassy und Aloe Blacc.

Sound Supreme: Roseaux - "Roseaux II"

COSMO Sound Supreme 02.09.2019 02:38 Min. Verfügbar bis 01.09.2020 COSMO

Roseaux ist das Projekt von drei Parisern, die sich 2008 zusammengetan haben: Emile Omar war bis vor eineinhalb Jahren Musikredakteur bei Radio Nova. Er ist Jazz-Fanatiker, erster Produzent, Sounddesigner, Labelmacher (Fanon Records) und DJ. Außerdem: Alex Finkin - Multiinstrumentalist, Komponist, DJ, Produzent, Tontechniker und Studiobesitzer, der schon seit langem mit Künstlern wie Aloe Blacc, Dimitri from Paris oder Ben l’Oncle Soul arbeitet. Und Clément Petit - Cellist und Regisseur, der ebenso nebst und mit großen Künstlern wie Richard Bona, Ala.ni, Oumou Sangare, Blundetto und Blick Bassy gearbeitet hat.

I Need A Cover

2012 veröffentlichten Roseaux ihr selbstbetiteltes Debüt. Darauf coverten sie Jazz-, Pop- und Soulsongs (von Pearl Jam bis The Police) auf ihre ganz eigene Art, holten sich dafür den damals noch relativ unbekannten Aloe Blacc ans Mikrofon und ließen ihn alle Songs singen. Das Trio ermutigte Blacc, der sich bis dahin eher als Rapper gesehen hatte, mehr seine Soulstimme aus sich raus zu holen.

Weltweites Wachstum

Roseaux bedeutet Röhricht - die Musiker finden gut, dass der Name erstens für ihre Universalität steht, da diese Pflanze weltweit wächst: von den Ufern des Mississippi bis zum Nil und der Donau. Zweitens gibt es davon nie die Einzahl, sondern immer nur mehrere, und ihr Projekt steht für das Miteinander vieler Künstler. Und drittens wollten sie in einer Welt, in der das Angloamerikanische immer mehr dominiert, ihrer französischen Band einen französischen Namen geben.

Sechs Stimmen

Stand für Album Nummer Eins nur ein Mann am Mikrofon - nämlich Aloe Blacc - sind jetzt die Stimmen von sechs Sängerinnen und Sängern zu hören. Viele der Vokalisten hat Emile Omar in seiner Zeit bei Radio Nova kennen- und lieben gelernt. Doch für jeden Song haben die drei lange diskutiert, welche Stimme am besten passt. Eingeladen haben sie den Singer/Songwriter Blick Bassy aus Kamerun mit seiner wunderbaren Falsettstimme, den französischen Soulmann Ben l’Oncle Soul, die haitianisch-kanadische Musikerin und Sängerin Melissa Laveaux, die kanadisch-französische Vokalistin Anna Majidson und den schwedischen Sänger und Musiker Olle Nyman. Aloe Blacc singt zwar auch wieder einen Song, die Gesangsaufnahme ist allerdings noch vom ersten Roseaux-Album übrig gewesen und wurde nur neu bearbeitet. Der Text von "Daily Bread" ist aus dem Vaterunser-Gebet. Bis auf zwei Coverversionen ("You can discover" von John Martyn & "Heart & Soul" von Olle Nyman) sind diesmal alle Songs Eigenkompositionen.

Zwischen Märchen und Musical

Die beiden größten Inspirationsquellen für das neue Album sind Nina Simone und Bill Withers, "Künstler, die Musik mit großem Gefühl gemacht haben". Diese großen Emotionen durchziehen auch "Roseaux II". In der romantischen, von Anna Majidson gesungenen Ballade "I should have known" genauso, wie in den auf Bassa gesungenen, verspielten Tracks mit Blick Bassy. Und ganz besonders im Song "I am going home". Da wird aus einer einsamen Cello-Melodie ein Wahnsinns-Crescendo und Ben l’Oncle Soul singt, dass einem die Knie weich werden.

Musikalisch stellen sich Roseaux gegen den Zeitgeist, machen einen wunderbaren, völlig aus allen Trends gefallenen Sound. Eine sinnliche, tempogedrosselte, oft akustische Musik, die eine Kombination ist aus Jazz, klassischem Soul, Edel-Pop, Chanson, afrikanischen und lateinamerikanischen Zutaten. Man fühlt sich an Broadway-Musicals erinnert, an die Musik in alten Hollywoodstreifen, an Märchen. Mastermind & Gründer Emile Omar sagt: "Wir machen die Musik, von der wir uns immer gewünscht haben, dass es sie gibt."

Stand: 02.09.2019, 00:00