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True Thoughts: Quantic meldet sich mit neuem Album

Sound Supreme: Quantic - "Atlantic Oscillations"

Sound Supreme: Quantic - "Atlantic Oscillations"

True Thoughts: Quantic meldet sich mit neuem Album

Von Łukasz Tomaszewski

Der britische Produzenten und Multiinstrumentalist Will Holland alias Quantic meldet sich mit "Atlantic Oscillations" zurück. Eine elektrifizierende Soundreise in Quantics neue Wahlheimat New York.

Quantic - "Atlantic Oscillations"

COSMO Sound Supreme 11.08.2019 02:43 Min. Verfügbar bis 10.08.2020 COSMO

Will Holland alias Quantic ist Produzent, Multiinstrumentalist, DJ, Weltenbummler. Ändert sich sein Wohnort, ändert sich auch sein Sound. Vor zehn Jahren war er Jazz-Breakbeat-Schrauber aus Brighton. Dann ist er für sieben Jahre nach Kolumbien gezogen, hat dort ein Dutzend Alben veröffentlicht. Quantic hat sich in Bogotá und Cali an Cumbia, pazifischem Soul und kreolischen Spielarten der Karibik abgearbeitet. Nun lebt er in New York.

Selva Studio

Seit mittlerweile vier Jahren ist der Big Apple Quantics Heimat. Sein Brooklyn-Sound klingt urban und geheimnisvoll. Gerade, tanzbare Discobeats, verträumte, melancholische Soul-Gesänge und Synthie-Flächen, geben den Ton an.  Auch wenn Quantic viel mit Elektronik und synthetischen Sounds experimentiert, die Drums, Streicher-Arangements und Brass-Sections sind handgemacht und im neuen Brooklyner "Selva Studio" eigenspielt. Benannt ist das neue Album nach einem Wetterphänomen, der Nordatlantischen Oszillation. Gleichzeitig verweist der Titel auf die Klanggeneratoren der Synthesizer, die Oszillatoren. Und auf die eigene Migrationsgeschichte: Quantic ist überall präsent und doch nirgends zu Hause.

Brooklyn im Winter

Atlantic Oscillations klingt bisweilen surreal und irgendwie "indoor". So fühlt sich wohl Brooklyn im Winter am Kamin oder in einem kuscheligen Studio an. Die Wärme analoger Synthesizer ist allgegenwärtig. Auch textlich gibt es vor allem melancholische Love-Songs. "Now Or Never" mit Alice Russell erzählt von Trennung und Heimweh. Die einfühlsam gehauchte Stimme der Londonerin ist sicher der Höhepunkt in Sachen Soul-Feeling. Die von Quantic geförderte Nachwuchsstimme Denitia thematisiert das Scheitern einer Beziehung.

Ständige Erneuernung

Neben den schaurig schönen Balladen übertrifft sich Quantic in Sachen Erfindungsgeist wieder einmal selbst. Bestes Beispiel ist der Song "Tierra Mama" mit der kolumbianischen Sängerin Nidia Góngora aus Cali. Thematisch widmet sich der Song den ursprünglichen Sumpfgebieten der Pazifikregion Timbiqui. Musikalisch ist es ein Mix aus afropazifischem Aguabajo-Rhythmus gepaart mit einem experimentellen Soul-Funk-Gerüst. Bässe und Synthies klingen nach dem nigerianischen Pop der 70er. Wären da nicht die Streicher. Und genau darin liegt Quantics Qualität: Er vermischt  fremde Genres unterschiedlicher Epochen so gekonnt miteinander, dass sie wirken, als hätten sie immer zusammengehört.

Stand: 09.08.2019, 16:55