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Akustikgitarren-Rap aus Rom

Piotta :"Interno 7"

Sound Supreme - Piotta "Interno 7"

Akustikgitarren-Rap aus Rom

Von Anna-Bianca Krause

Mit "Interno 7" hat der römische Rapper Piotta ein Konzeptalbum über die Anfänge des HipHop in Italien und die eigene Kindheit und Jugend. gemacht. Der 45-Jährige kann rappen, singen und hat ein Händchen für Melodien, die im Ohr hängen bleiben.

Seinen ersten Megahit hatte Piotta mit "Supercafone" schon 1998 und wurde zeitgleich zum besten MC Italiens gekürt. Von den seitdem vergangenen 20 Jahren erzählt der römische Rapper auf "Interno 7".  Tommaso Zanello aka Piotta ist einer der bekanntesten Rapper Italiens. Zusammen mit Neffa, J-Ax oder Frankie H-NRG, gehörte er zu den ersten Rapper Italiens, die sich professionalisiert haben. Man kann auch sagen, er gehört zu denen, die den italienischen Rap erfunden haben. Anfangs nannte er sich Er Piotta – "er" ist die römische Form von il, also der. Doch den Artikel lässt er jetzt weg. Angefangen hat er in den 90ern, zuerst als Radio-DJ, dann schrieb er erste eigene Tracks und produzierte sie. Sein Künstlername Piotta ist auch sein Spitzname. Den bekam er schon als Teenager aufgrund seiner runden Brillengläser verpasst, die aussahen wie Piotte, so nannte man die alten 100-Lire-Stücke.

Grenzen überschreiten

Piotta ist Rapper, Sänger, Musiker, Produzent, er macht Radiosendungen und Soundtracks, engagiert sich für Greenpeace und gegen rechte und fremdenfeindliche Politiker wie den aktuellen Innenminister Salvini. Er hat Songs geschrieben, die zu Hymnen des Studentenprotests wurden und ist seit 2018 Ehrenmitglied der Vereinigung Musica contro le Mafie, die mit Musik den Kampf gegen Korruption und Mafia führen. 2004 hat er, um junge HipHop-Talente zu promoten, das Label La Grande Onda gegründet, benannt nach einem seiner größten Hits: "La grande Onda" von 2002. Piottas letzte drei Alben waren schon keine reinen Rap-Alben mehr, sondern Crossover-Platten zwischen Rap & Rock.

Dem Vater gewidmet

Stand Piotta bislang für Conscious Rap all'italiana ist sein neuntes Album ein sehr persönliches Album. Er hat es seinem Vater gewidmet, der nach zehn Jahren schwerer Krankheit im Juli 2018 gestorben ist. "Interno 7" war die Wohnung Nummer 7 im Haus, in dem Piotta aufgewachsen ist. Dort im Kinderzimmer schrieb er seine ersten Rhymes. Das Ausräumen von Schränken und Schubladen nach dem väterlichen Tod brachte die Melancholie in die Songs. Es ist das autobiografischste Album seiner Karriere und das am wenigsten politische.

Primo & die anderen

Die Gefühle, die darin stecken, haben mit dem Verlust geliebter Menschen zu tun. Nicht nur sein Vater starb, sondern auch die Mutter seiner Lebensgefährtin und Primo Brown, Frontmann der römischen HipHop-Crew Cor Veleno, Freund und Rap-Kollege der ersten Stunde. Deshalb gibt es den gemeinsamen Song "Un estate ed e finita", den die beiden 2002 zusammen aufgenommen haben in einer 2018-Version. Piotta selbst sagt: In diesem Album verbirgt sich hinter jedem Wort, jedem Reim ein Gesicht, ein Name, ein real existierender Ort. Er nimmt uns auch mit nach Mailand in die Wohnung seiner Mutter ("Piazzale Lagosta 1") oder in die Anfänge des Rap in Rom ("Di noi").

Neues Kapitel

Auf "Interno 7" ist Piotta halb Rapper, halb Sänger. Er zeigt sich als Cantautore, wie in Italien die Singer/Songwriter heißen. Er selbst nennt den Stil Cantautorap. Bevor die Platte als physischer Tonträger erschienen ist, hat Piotta das Album in zwei Teilen digital veröffentlicht - zuerst die A-Seite mit den ersten sechs Songs und dann die B-Seite mit den restlichen sieben Songs. Das hatte zwei Gründe: 1. Weil die Zeit der Musikkassetten essenziell für ihn gewesen ist und das Golden Age des Rap und 2. Weil die Menschen in Zeiten von Streaming nicht mehr genug Aufmerksamkeit für die Länge eines Albums haben. Musikalisch hat der Römer ein neues Kapitel aufgeschlagen, Klavier und Akustikgitarren sind die Hauptprotagonisten. Piotta rappt zu Piano-Elegien und Akustik-Gitarren und singt Melodien, die im Ohr hängenbleiben.

Cantauto-Rap deluxe

Gäste auf dem Album sind unter anderem der kanadische Beatboxer und Live-Looping-Künstler DUB FX ("Fa ‘na buona jobba"), der römische Dichter Er Pinto ("Interno 7") und l'Orchestraccia, ein wildes römisches Kollektiv aus Schauspielern und Sängern, die Songs theatral auf die Bühne bringen ("Il primo sogno"). Die Kritiker in Italien haben schon kurz nach Erscheinen geschrieben: Eines der besten Rap-Alben der vergangenen 15 Jahre, das wird ein Klassiker werden! Und sie nennen es Piottas White Album! Sicher ist: "Interno 7” eignet sich für Rapfans ebenso wie für Leute, die auf Singer/Songwriter stehen und damit ein ein guter Grund, auch hier endlich mal Piotta zu hören.

Stand: 10.12.2018, 00:01