Live hören
Jetzt läuft: Ti Jon Poca von Lucibela

Liebe für Afrikanische Tradition

Onipa - "We No Be Machine"

Sound Supreme - Onipa: "We No Be Machine"

Liebe für Afrikanische Tradition

Von Łukasz Tomaszewski

Die Londoner Liveband Onipa beschreibt ihren Sound als Afrofuturismus. Ein warmer Highlife-Gesang und gezupfte Soukous-Gitarren treffen auf elektronische Club-Beats und kosmische Synthesizer. "We No Be Machine" ist das lang erwartete Debütalbum.

Onipa: "We No Be Machine"

COSMO Sound Supreme 06.04.2020 02:48 Min. Verfügbar bis 06.04.2021 COSMO

Onipa ist keine organisch gewachsene Band, sondern das was man in der Musikszene als Projekt beschreibt. Ausgedacht haben sich das der Sänger K.O.G. aus Ghana und Tom Excell. Er ist Produzent und Gitarrist der Londoner Band The Nubian Twist, die seit ein paar Jahren sehr erfolgreich Jazz, Soul und Afrobeat vermischen. Die beiden sind schon lange befreundet, aber erst für Onipa sind sie zusammen ins Studio gegangen. Sie teilen die Passion für traditionelle afrikanische Musik. Um einen gemeinsamen Nenner zu finden, haben sie sich zunächst durch ihre Plattensammlungen gehört. Highlife aus Ghana, Gnawa aus Marokko oder Sokous aus dem Kongo. Beide stellten schnell fest, dass diese Sounds den heutigen Pop, Jazz und Dance-Musik direkt beeinflusst haben. Das ist auch der Grund, warum Onipa ihren eigenen Sound Afrofuturismus nennen.

Afrofuturismus

Wir blicken in die Vergangenheit, um zu sehen, wohin wir in der Zukunft gehen, sagt Soundtüftler Tom Excell. Darum schlägt die Band auf ihrem Debut einen Bogen von den rauen britischen Clubsounds zum warmen Global Pop Westafrikas. Onipas afrofuturistische Soundvision ist ein kreatives Spiel. Kosmische Synthesizer, hallige Dubsounds, und frische Elektro-Signale. Das Album nimmt einen mit auf eine Reise, fast schon wie ein Hörspiel - mit Skits und Samples, Telefongesprächen, Acapella-Gesängen und Spoken Word-Poetry. Man wolle der altehrwürdigen Idee des Konzeptalbums gerecht werden, sagen die Musiker. Die Hörer*innen sollten möglichst vom ersten bis zum letzten Stück an der Platte kleben bleiben. Auf We No Be Machine wolle man eine Geschichte erzählen.

Mensch und Maschine

Das Albums startet gleich mit dem Höhepunkt des Spanungsbogens. Zentrales Thema ist der Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Der Titelsong reflektiert, wie automatisiert die westlichen Gesellschaften mittlerweile sind. Soziale Medien und Datenkraken lenken den Alltag der digitalisierte Gesellschaft. Es ist ein Aufruf, Menschen nicht nur am Bildschirm, sondern wieder persönlich zu treffen. Der Bandname selbst ist Programm, denn Onipa bedeutet "Mensch" in Akan, der alten Sprache des Ashanti-Volkes in Ghana. Die Zusammenarbeit mit Gastmusiker*innen passierte darum im Londoner Studio und bewusst nicht über Filesharing. Die ghanaische Pop-Queen Wiyaala steuert in der Sissala-Sprache den Love-Song Makoma bei. Der Südafrikaner Spoek Mathambo rappt in Free up über eine panafrikanische Identität.

Handgemachter Groove

Der pumpende Herzschlag ist allerdings ein handgemachter Groove der vierköpfigen Liveband. Onipa sind live eine sehr rohe, frische und tanzbare Groove-Maschine und haben bereits vor ihrem Album-Debut auf großen Festivalbühnen in Europa gespielt. K.O.G singt, spielt Balafon und Percussion, Tom Excell ist an der Gitarre, Percussions und Elektronik, Dwayne Kilvington spielt Synthesizer und MPC und Finn Booth sitzt an den Drums. Die Musiker werden nicht müde zu erzählen, dass es sich bei Onipa um "menschliche Elektronik" handelt. Der Drummer und der Bassist machen den Groove, sie machen den Rhythmus. Wir folgen ihnen und spielen unsere elektronischen Sounds über ihren Rhythmus. Alles wird also von Menschen kontrolliert. Es ist niemals anders herum, sagt Tom Excell. We No Be Machine ist mehr als eine Sammlung von Songs: Afrosounds, Clubelektronik und kritische Lyrics vermitteln vor allem eine Botschaft: Afrika ist die Zukunft.

Stand: 06.04.2020, 00:01