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Oden an die Freiheit

Nightmares On Wax:  "Shout Out! To Freedom" Cover - Mann kippt mit einem Stuhl

Nightmares On Wax: "Shout Out! To Freedom..."

Oden an die Freiheit

Von Adrian Nowak

Die Zeit des Lockdowns brachte viele zum Nachdenken über unser Leben und unsere Freiheiten. George Evelyn inspirierte sie zu einem neuen Album. Über jazzige Downbeats versammelt Evelyn Future-Soul Artists wie Greentea Peng oder Haile Supreme und lässt die Tracks von Saxofon-Virtuose Shabaka Hutchings veredeln. Das Ergebnis: Ein tiefenentspanntes, lebendiges "Shout Out! To Freedom..."

Nightmares On Wax: "Shout Out! To Freedom..."

COSMO Sound Supreme 15.11.2021 02:33 Min. Verfügbar bis 14.11.2022 COSMO


Kurz bevor die Corona-Pandemie 2020 die Welt zum Innehalten brachte, kam George Evelyn von einer Weltreise zurück. Anlass war sein 50. Geburtstag im Januar 2020. Er war durch Indien gereist, war auf einer Hochzeit in Mexiko und chillte an seinem Ehrentag am Strand auf den Malediven. Kurz nach der Rückkehr in seine Wahlheimat Ibiza beginnt der Lockdown. Viel Zeit, um in Ruhe ein neues Album fertigzustellen.

Mehr als nur Chill

George Evelyn ist seit 1989 als Beatbastler und Samplewizard aktiv. Mit entschleunigten Downbeats wurde sein Projekt Nightmares On Wax Ende der 90er zur loungigen Lieblingsmusik von hippen Shops und Cafés, beschallte zahllose WG-Küchen und loungige Afterhours. Doch spätestens mit seinem 2018-er Album "Shape The Future" grenzte er sich ab vom Entspannungs-Sound ohne Botschaft. Ökologie war damals das zentrale Thema, mit verschiedenen Gästen thematisierte er die Menschheit als Teil der Natur. Nun steht Freiheit im Mittelpunkt - ein Thema, dass in der Zeit der Pandemie oft diskutiert wurde.

Dabei kristallisierte sich das Thema erst später heraus. George arbeitete in seinem Studio zuerst nur an Beats und Loops, bearbeitete sie mit dem deutschen Jazzdrummer Wolfgang Haffner oder ließ sie von Saxofon-Meister Shabaka Hutchings veredeln. Seine Skizzen schickte er dann an Vokalist*innen und gab den Textschreibenden nur die Anweisung hauptsächlich über ihr Inneres zu schreiben, und weniger über das, was während der Corona-Zeit um sie herum geschah. Dabei entstanden zahlreiche Stücke, die eine Form von Freiheitssuche beschreiben.

Visionen von Freiheit

So singen die Britinnen Pip Millett und Sabrina Mahfouz auf "Isolated" über Schwierigkeiten in einer Beziehung und beschreiben, wieso Menschen sich davon befreien möchten. Dazu erklingt im Hintergrund ein sanfter Bossa Nova Rhythmus. "Breathe In" von Oshun klingt wie ein Mantra oder eine Yoga-Anleitung, während ein tonnenschwerer Rap-Beat mit epischen Chören wummert. Das Duo aus den USA kritisiert den Einfluss der Social-Media-Timelines auf unsere mentale Gesundheit und empfiehlt, öfter mal abzuschalten und in sich selbst hineinzuhören. "Own Me" mit dem Soulsänger Haile Supreme ist als Zwiegespräch mit sich selbst konzipiert, in dem man sich von seinem sein Ego befreit und zu seinem wahren Selbst findet. Als Grundlage dient hier ein Sample aus "Take A Look At Yourself" der Soulgruppe White Heat. Sample-Virtuose Evelyn schnibbelte die Gospel-angehauchten Chöre neu zusammen, während Haile Supreme darüber croont wie ein junger Marvin Gaye.

Aber manchmal ist das Album auch krude: Greentea Peng will sich in "Wikid Satellites" aus den Fängen der allgegenwärtigen Überwachung und der Einflussnahme des Staates auf unser Privatleben befreien, befreie. "I need my privacy, my civil liberties" singt sie, während verstimmte Trompeten und rückwärts laufende Drums die beklemmende Stimmung unterstützen.

Nachdenken und Träumen

Zwischen all den Vocal-Stücken setzt Evelyn instrumentale Stücke, er kontrastiert die teilweise sehr aufwendig arrangierten Nummern mit simplen Loops wie in "Miami 80", dass im Sound an 80er Jahre TV-Serien wie Miami Vice erinnert. Stücke wie der Opener "Imagineering" erinnern mit ihren sanften Streichern an Nightmares On Wax-Meisterwerke wie "Les Nuits".

George Evelyn ist auf "Shout Out! To Freedom..." wieder die zentrale Schaltstelle des Nightmares on Wax Universums. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er sortiert, collagiert, findet die Essenzen der Songs und Beats, lässt aber auch Raum für verspulte Jazz-Improvisationen, etwa auf "3 D Warrior" oder "Wonder". "Shout out! To Freedom..." wird so zu einem abwechslungsreichen Trip, in dem man schwerelos von nachdenklichen zu entspannten Momenten hin und her schwebt - und über den Wert der Freiheit sinnieren kann.

Stand: 14.11.2021, 00:00