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Album der Woche - Moonchild Sanelly: "Phases"

Moonchild Sanelly: "Phases"

Das blaue Wunder

Stand: 13.06.2022, 00:01 Uhr

"Phases“ heißt das neue Album von Moonchild Sanelly. Die Tänzerin und Sängerin mit der blauen Perücke ist durch Kollaborationen mit Damon Albarn und Beyonce Knowles außerhalb von Südafrika populär geworden. "Phases“ ist ihr erster internationaler Release.

Von Amy Zayed

Moonchild Sanelly: "Phases"

COSMO Album der Woche 13.06.2022 02:22 Min. Verfügbar bis 13.06.2023 COSMO


Extrovertiert, schwer in eine Schublade zu stecken, mit liebenswerter Eigensinnigkeit und viel DIY-Charme. "Phases“ ist wie Moonchild Sanelly selbst. In Südafrika ist die Künstlerin, die auch einen eigenen Strip-Club betreibt, ein kontrovers diskutiertes Phänomen. Ihre Performances sind direkt und körperlich. Sie ist keinesfalls bereit, klassischen Rollenbildern zu entsprechen. Zwischen 2016 und 2021 hat sie mit bekannten Künstler:Innen sowohl in Südafrika als auch international gearbeitet. Mit Damon Albarns Africa Express Projekt hat sie das Album "Egoli“ aufgenommen, mit Beyoncé Knowles im Rahmen des "König der Löwen“ Film-Soundtracks zusammengearbeitet.

Einmal alles bitte

Viele ihrer bisher veröffentlichten Songs sind Dance-Nummern im Gqom und Amapiano-Style, auf denen sie mehr shoutet als singt. Auf "Phases“ erweitert sie das Spektrum. Es gibt poppigen RnB wie in "Favorite Regret“, böse wummernde Trap-Sounds wie in "Let it Rip“, angenehm windschiefe Piano-Balladen wie "Bird So Bad“ oder stampfende Indie-Dancehall-Hymnen wie den Opener "Undumpable“. Obwohl sie alle Möglichkeiten dazu hätte, verzichtet Moonchild Sanelly auf prominente Features: "Diesmal wollte ich dem ganzen meinen eigenen Stempel aufdrücken. Zeigen wer Moonchild ist. Ich wollte einfach alles von mir zeigen.“

Aus der Reihe getanzt

Die Lyrics auf "Phases“ sind ehrlich, mutig, selbstbestimmt und provokant. Es geht um überkommene Moralvorstellungen, Frauenrechte, um Spaß am Sex, um gescheiterte Beziehungen. Visuell ist Moonchild Sanelly eine Meisterin der Inszenation. Ihre Lyrics wirken immer glaubwürdig, aus dem Leben gegriffen, ungekünstelt. Und sie ist mutig genug, auch ältere Spaß-Songs wie "Chicken“ auf ihrer LP zu platzieren, sie selbst beschreibt den Song als die "Werbepause“ des Albums. Vor Jahren hat sie ihn gemeinsam mit ihrer Tochter geschrieben.

Auf "Phases“ zitiert sich Moonchild Sanelly quer durch die Popkultur. Nicht alles ist perfekt ausproduziert. Das Album strahlt genau dadurch eine liebenswürdige Widerspenstigkeit aus, die großen Teilen der Popwelt abgeht. "Moonchild Sanelly“ ist ein Unikum, das Gegenteil einer glattpolierten Insta-Persönlichkeit. Und genau deswegen sind Alben wie "Phases“ wichtig.