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Michael Kiwanuka feiert heldenhafte Befreiung mit neuem Album

Michael Kiwanuka - Kiwanuka

Sound Supreme: Michael Kiwanuka "Kiwanuka"

Michael Kiwanuka feiert heldenhafte Befreiung mit neuem Album

Von Marc Mühlenbrock

Michael Kiwanuka gehört mittlerweile zu den bekanntesten Soulmusikern weltweit. Auf seinem dritten Album "Kiwanuka" zeigt sich der sonst eher zurückhaltende Brite selbstbewusst und rebellisch.

Sound Supreme: Michael Kiwanuka "Kiwanuka"

COSMO Sound Supreme 11.11.2019 02:33 Min. Verfügbar bis 10.11.2020 COSMO

An der Seite von Produzent Danger Mouse spielt er befreit auf: Opulente Soulhymnen mit Haltung und Verbeugungen vor den Helden der Sixties. Michael Kiwanuka liebt sie einfach, die große Ära der Musik Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger. Warmer Soul, handgemachter Rock'n'Roll, The Beatles, Curtis Mayfield, Jimi Hendrix - die Musik hat für ihn eine Reinheit, Wärme und eine Menschlichkeit, die verschwand, als die Computer die Aufnahme übernahmen. Es war eine Zeit, in der Fehler gemacht wurden, die die Musik heute noch lebendiger machen. Michael Kiwanuka will die Musik von damals nicht kopieren, aber er folgt den gleichen Prämissen. Mit Danger Mouse an den Reglern – und, fair enough, auch am Computer – hat er damit wieder den richtigen Mann für die Produktion seines neuen Albums "Kiwanuka" gefunden. Der New Yorker gilt als der Mann für Vintage-Sound, hat Platten für The Black Keys, Beck oder Norah Jones produziert und auch "Love & Hate", das vorherige Album von Michael Kiwanuka.

California Soul

Das vorangegangene zweite Album war ein gehöriger Schritt für den Engländer mit Roots in Uganda. Musikkritiker feierten es, der Track "Cold Little Heart" wurde Titelmelodie der HBO-Erfolgsserie "Big Little Lies", die für ihren Soundtrack mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Michael Kiwanuka wurde dadurch weltweit bekannt. Das neue, dritte Album konsolidiert den Vintage Soul Stil des Vorgängers und führt ihn weiter fort. Es ist vielseitiger: Der Opener "You Ain't The Problem" klingt nach sonnengetränktem, kalifornischem Psychedelic Rock, auch "Living in Denial" hat diesen Hippie-Touch, beide Songs wurden auch in L.A. aufgenommen. "Piano Joint" ist dann genau das, was der Titel verspricht: Ein warmes, trauriges Piano-Stück, getragen von Kiwanukas klarer Stimme und einem zauberhaften Streicherarrangement.

Black Panther

Zentraler Song aber ist "Hero". Im dazugehörigen Video wird die Message des Textes deutlich: FBI-Agenten überwachen die Black Panther Party. "Hero" ist Fred Hampton gewidmet, afroamerikanischer Bürgerrechtler und Mitglied der Black Panther,  der am 4. Dezember 1969 vom FBI erschossen wurde. Im Song fragt sich Michael Kiwanuka aber auch selbst, ob er das Zeug zu einem Helden hat.

Helden des Alltags

Diese Frage trägt eine beißende Ironie in sich, denn er bietet dafür an, sich selbst zu verstellen und als Rockstar zu inszenieren – das Gegenteil vom schüchternen Musiker Michael Kiwanuka. Die Auflösung lautet schließlich, dass jeder ein Held ist, der zu sich selbst steht. Diese Botschaft trägt sich durch das ganze Album, wenn Michael Kiwanuka gegen Social-Media-Druck und eigene Ängste wettert. Michael Kiwanuka hat sich auf "Kiwanuka" selbst gefunden.

Stand: 11.11.2019, 00:00