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Fernweh in dunklen Zeiten

Cover Max Herre - "Athen"

Sound Supreme: Max Herre "Athen"

Fernweh in dunklen Zeiten

Von Adrian Nowak

Max Herre verknüpft auf seinem Album seine Familiengeschichte mit politischen Ereignissen. "Athen" bezieht Stellung gegen den Vormarsch der Rechten und reflektiert dabei persönliche Erfahrungen im neuen Soundgewand.

Max Herre "Athen" - Fernweh in dunklen Zeiten

COSMO Sound Supreme 17.11.2019 02:25 Min. Verfügbar bis 16.11.2020 COSMO

Es ist Ende der 80er, als Frank Herre für ein paar Jahre nach Athen zieht. Als Architekt arbeitet er an Gebäuden für die Olympia-Bewerbung der griechischen Hauptstadt. Max Herre besucht seinen Vater oft, erkundet mit ihm die griechischen Inseln und diggt nach Vinyl auf den Flohmärkten von Monastiraki. In dem Stück "17.September" erinnert sich Max an die Ausflüge mit seinem Vater, im Titeltrack wird die griechische Metropole zum Sehnsuchtsort. Doch der Roadtrip mit seiner neuen Freundin endet im Streit.

Zurück in die Zukunft

Reisen, Erinnerung und Familie sind zentrale Motive auf "Athen". Auf dem humorvollen "Siebzehn" denkt Max an seine Jugendsünden zurück, dann erkennt er sich in seinem Sohn wieder. Ernster wird es bei "Dunkles Kapitel": einer der wichtigsten Tracks des Albums, gemeinsam mit Rapkollegen wie Megaloh, Sugar MMFK und Fatoni bezieht er Stellung zum aktuellen Rechtsextremismus in Deutschland. Max spannt den Bogen von Aufmärschen der AfD bis hin zu seiner jüdischen Großmutter, die sich vor den Nazis verstecken musste. Am Ende greift Dirk von Lotzow von Tocotronic zur Gitarre und erinnert dabei an politische Liedermacher wie Hannes Wader. 

Kraut, Trap und Cloud Rock

Unterstützung bekam Max Herre von seinem Produktionsteam Kahedi, sowie den Songwritern Tua und Maxim. Gemeinsam entwickelten sie einen Sound zwischen verspielter Psychedelik und Rap-Straightness. "Terminal C" und "Siebzehn" erinnern mit jazzigen Beats an Golden Era Rap, experimentieren aber auch mit "Screwed and chopped"- Parts, einer DJ-Technik aus den Südstaaten der USA, bei der Songs verlangsamt und verfremdet werden. Psychedelische Sounds aus Deutschland gibt es auf dem Track "Nachts", hier hört man ein Sample der DDR-Krautrockband Panta Rhei, zu dem Max Herre eine schlaflose Nacht beschreibt.  

Familiensaga

Verträumt wird es auch in der "Villa auf der Klippe", wo Max sich mit Trap-Crooner Trettmann die Bälle hin und her spielt. Die schneeweiße Villa ist ein Verweis auf Max Herres Großvater, den Möbeldesigner Richard Herre, der in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart ein Haus eingerichtet hat. Die Familiensaga endet mit einem Duett mit Max Herres Partnerin Joy Denalane. "Das Wenigste" weckt Erinnerungen an "Mit Dir", ihren ersten gemeinsamen Hit von 1999. Die Power-Ballade beschließt "Athen" mit versöhnlichen Tönen, nach einer psychedelischen Achterbahnfahrt durch Vergangenheit und Gegenwart ist Max Herre endlich angekommen. 

Stand: 17.11.2019, 00:00