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Mit "The Capitalist Blues" lotet Leyla McCalla das kapitalistische System aus

Leyla McCalla: "The Capitalist Blues"

Sound Supreme - Leyla McCalla: "The Capitalist Blues"

Mit "The Capitalist Blues" lotet Leyla McCalla das kapitalistische System aus

Von Johannes Paetzold

Leyla McCalla aus New Orleans setzt sich mit den sozialen Ungerechtigkeiten in den USA mit elf pointierten Protestsongs auseinander. Auf "The Capitalist Blues" versüßt sie ihre Systemkritik mit Jazz, Calypso und Cajun.

Sound Supreme - Leyla McCalla: "Capitalist Blues"

COSMO Sound Supreme 21.01.2019 02:42 Min. Verfügbar bis 21.01.2020 COSMO

Geboren und aufgewachsen ist sie in New York, die Eltern kamen aus Haiti in die USA. Sie hat klassisches Cello studiert, ihr erstes Instrument ist inzwischen das Banjo. Mit der Folkband Carolina Chocolate Drops wurde sie mit einem Grammy preisgekrönt. Ihr erstes Solo-Album "Vari-Colored Songs" war eine Hommage an Jazzpoet Langston Hughes. Vor zehn Jahren zog sie nach New Orleans, von dort aus erforschte sie mit mehreren Exkursionen die Musik ihrer Eltern und Großeltern auf Haiti, "A Day for the Prey a Day for the Hunter" war vor drei Jahren ihr Durchbruch als Solokünstlerin.

Heimat New Orleans

Mit Mann und drei Kindern lebt Leyla McCalla seit zehn Jahren in New Orleans. Musikalisch reflektiert ihr "Capitalist Blues" die neue Heimat. Eine Brass Band tritt gleich im Eröffnungssong auf, in der auch der Produzent ihres Albums den Ton angibt. Jimmy Horn kommt aus New Orleans, gehört dort mit seiner Band King James and the Specialmen zu den Local Heroes. Er prägt den New Orleans Sound des Albums, unterstützt Leyla McCalla aber auch auf ihrer Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. McCalla verlässt den folklastigen Pfad ihrer ersten zwei Alben. Mit Andrew Gilchrist bediente ein Soundingenieur die Studioregler, der bereits mit Prince und Ani DiFranco gearbeitet hat. Im Song "Aleppo", in dem sie das Leid der Menschen in Syrien beklagt, symbolisieren sogar effektverzerrte Rockgitarren das Inferno des Krieges und den Schrecken fallender Bomben.

Wasser aus Bleirohren

"The Capitalist Blues" trägt seinen soziopolitischen Ansatz schon im Titel. McCallas Songs waren immer politisch engagiert, aber diesmal sind die Pfeile in Richtung eines menschenverachtenden Systems sehr direkt gezielt und abgeschossen. Im Song "Heavy As Lead" thematisiert sie das Blei in den Wasserleitungen in New Orleans. Auch das Haus, in dem sie mit Mann und Kindern vor drei Jahren zog, wird durch diese gesundheitsschädlichen Wasserleitungen versorgt. Wieso wird die Verantwortung auf die Schultern der Menschen abgeladen? Wieso gibt es keine staatlichen Strukturen, die den Menschen helfen? McCalla berichtet im Gespräch von ihren Mitmenschen, die Crowdfunding Kampagnen starten, um ihre Krebstherapie bezahlen zu können. McCalla macht sich zur Sprecherin der Amerikaner, die von Trump missachtet werden.

Sonniger Blues

Aus diesen Gedanken und Reflektionen Amerikas und der Welt hätte ein trübsinniges depressives und sogar dogmatisches Album entstehen können. Aber McCalla schwebt auf den Klängen des Südens und der Karibik daher, ihre Erfahrung aus dem Folk prägen das Storytelling, verbunden mit einprägsamen Melodien. "Lavi Vye Neg" aktualisiert einen alten Song aus Haiti von Sänger Coupé Cloué. Es geht um Armut im Alter, die Melodie aus der haitianischen Rara-Tradition trägt Hoffnungsschimmer in die Wehklage. Neben dem New Orleans Jazz mischt McCalla ihren Sound mit Louisiana-Klängen wie Cajun und Zydeco, auch Haiti taucht in einigen Songs als Referenz wieder auf, und in "Penha" lässt sie sich sogar von Bossa inspirieren. Eine gelungene Balance einer engagierten Songwriterin, die neben der politischen Aussage musikalisch auch ihre panafrikanische und pankaribische Sichtweise im Auge behalten hat.


Stand: 21.01.2019, 06:00