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Intimer Surf-Noir-Trip

Cover: La Luz: "La Luz"

La Luz: "La Luz"

Intimer Surf-Noir-Trip

Von Maike de Buhr

La Luz haben das Talent, mit wenigen Tönen ein Gefühl der Vertrautheit zu erzeugen. Die drei US-Musikerinnen packen Naturnähe, Sehnsucht und Liebe in psychedelischen Surf-Rock mit Retro-Feeling. 2012 fanden La Luz in Seattle zusammen, jetzt haben sie ihr viertes Album rausgebracht und es nach selbst benannt.

La Luz - "La Luz"

COSMO Sound Supreme 01.11.2021 02:39 Min. Verfügbar bis 01.11.2022 COSMO


Wenn La Luz Frontfrau Shana Cleveland über ihr neues Album redet, dann ist "Intimität" das zentrale Stichwort. Denn obwohl sie, ihre Bassistin Lena Simon und Keyboarderin Alice Sandahl, mittlerweile verstreut in den USA leben, haben sie es geschafft, die räumliche Distanz in tiefe Verbundenheit zu verwandeln: Mit konzentrierten, intensiven Treffen in Los Angeles.

"Alle haben irgendwie ihr eigenes Ding gemacht. Und als wir dann wieder zusammen kamen, hatten wir so eine großartige Energie", erzählt Shana. "Es war aufregend zu merken, dass wir so eine starke Bindung hatten. Nach der Pause haben wir uns Näher denn je gefühlt".

Retrosound von Adrian Younge

Ihren Sound nennen La Luz Surf Noir: Retro, melancholisch und groovy zugleich. Hypnotische Gitarrenriffs, opulente Harmonien und psychedelische Melodien werfen beim Hören in der Zeit zurück. Maßgeblich mitverantwortlich dafür ist Adrian Younge. Der Produzent und Jazz-Musiker stärkt sonst Soul und HipHop-Artists den Rücken, betreibt sein eigenes Label unter dem Namen Jazz Is Dead.

In seinem Studio aufzunehmen, war für Shana wie ein Traum. "Die Atmosphäre in Adrians Studio ist ganz anders als alles, was ich bisher erlebt habe", sagt sie. "Es fühlt sich so an, als würde man in die Vergangenheit reisen. Und ich glaube, das ist auch seine Absicht. Es gibt nichts in seinem Studio, das neu ist. Sogar die Zeitschriften, die auf dem Tisch liegen, sind aus den Siebzigern".

Vogelzwitschern, Wind und Sonne

Shana schreibt die Texte der Songs meistens draußen. Sie lebt in einem ländlichen Gebiet im Norden von Kalifornien. Zwischen Bäumen, Vogelzwitschern, Sonnenstrahlen und Wind. "Alle Geräusche, die ich hier draußen höre, sind irgendwie mysteriös", beschreibt sie ihre Wahrnehmung. "Ich kann mir zwar ein Tal voller Bäume anschauen, aber ich kann nicht sehen, was genau die Geräusche erzeugt.

Der Song "In The Country" fängt diese Essenz besonders gut ein. Ich weiß, dass es keine Vögel, Insekten und Wind sind. Aber irgendwie kann das Lied diese Geräusche besser wiedergeben, als wenn ich mit einem Aufnahmegerät rausgegangen wäre, um die echte Sache aufzunehmen".

Vertraute Leichtigkeit

Diese entspannte Bodenständigkeit und Naturverbundenheit fließt in ihr Songwriting. Shana singt von Realitätsflucht, wenn sie sich in "Oh Blue" während des zehrenden Tourlebens an einen Ort der Vertrautheit zurückwünscht. Es geht um Liebe und Nähe. Viele ihrer Songs hat sie mit ihrem Sohn in Gedanken geschrieben. Als er noch ein Baby war, war sie viel mit ihm spazieren. Dabei sang sie ihm vor. "So bin ich auf einige Lyrics gekommen. Deshalb fühlen sich die Songs so vertraut an, weil sie erst geflüstert und sehr privat waren". Mit dieser Formel öffnen La Luz die Tür in ihre Welt zwischen psychedelischer Verträumtheit, Leichtigkeit und Liebe – und schaffen damit dieses wohlig warme Gefühl eines perfekten kalifornischen Sommertags.

Stand: 01.11.2021, 06:00