Live hören
Jetzt läuft: Ben Bene La von Voilaaa feat. Lass

Das Erbe der Kutis

Femi Kuti & Made Kuti: "Legacy +"

Femi Kuti & Made Kuti: "Legacy +"

Das Erbe der Kutis

Von Adrian Nowak

Die Kuti-Saga geht in die dritte Runde. Fela Kutis ältester Sohn Femi und Felas Enkel Made bringen ihre Solo-Alben als Doppelpaket heraus. Darauf denken sie Afrobeat weiter, und verbinden funky Polyrhythmik mit überraschenden Arrangements und Texten mit Haltung.

Femi Kuti & Made Kuti - "Legacy +"

COSMO Sound Supreme 22.02.2021 02:39 Min. Verfügbar bis 21.02.2022 COSMO


Fela Kuti begründete in den 70ern mit Afrobeat ein neues Genre. Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod entwickeln seine Nachkommen den Sound nun weiter. Femi ist der älteste Sohn von Fela, wurde 1962 in London geboren, doch schon als Kind zog er nach Lagos. Als Teenager lebte er in der "Kalakutta Republic", Felas Kommune, in der nonstop gefeiert und musiziert wurde. Er wurde erst Teil von Felas Band, bevor er solo die Welt eroberte. Femi arbeitete mit so unterschiedlichen Acts wie Mos Def oder Coldplay, und tourte mit den Red Hot Chili Peppers. Nun schreibt Femi das nächste Kapitel der Kuti-Geschichte und reicht gleichzeitig die Fackel an seinen Sohn Made weiter.

The Saga continous

Femi Kutis zehnter Longplayer "Stop The Hate" und Mades Debüt "For(e)ward" erscheinen als Doppel-Pack und zeigen die Gegenwart und die Zukunft von Afrobeat. "Legacy +" nennen sie dieses Projekt, bei dem der eine seinen Sound verfeinert und der andere sich der Welt vorstellt. Femi Kuti startet seine Hälfte mit "Pa Pa Pa", einem treibenden Floorfiller, der gleichzeitig zum Tanzen und zum Nachdenken anregt und fordert, Politiker schnellst möglich abzusetzen, wenn sie ihren Job nicht machen. Politik in Nigeria spielt eine zentrale Rolle auf "Stop The Hate", etwa auf dem melancholischen "As we struggle everyday" oder dem sarkastischen "You can't fight corruption with corruption". Auch Themen wie Landraub durch internationale Konzerne, oder die Privatisierung des öffentlichen Sektors spricht Femi an. Dazu wirbeln die Drums, ertönen funky Bläserfanfaren und über allem flattert Femis zerbrechliche Stimme und liest trotzdem den Mächtigen die Leviten.

Das Ein-Mann-Orchester

Femi Kuti beschließt seinen Teil mit dem Apell: "Set your minds and souls free", und danach greift sein Sohn den Faden auf und singt: "Free your mind". Auch er beherrscht das Spiel mit den funky Bläsern und der pulsierenden Polyrhythmik. Die Tracks auf "For(e)ward" klingen teilweise wie wilde, improvisierte Jamsessions, tatsächlich sind die Stücke aber akribisch geplant und durchkomponiert, denn der 25-Jährige spielt alles selbst! In 16 Tagen hat er die Instrumente Spur für Spur aufgenommen und dabei Afro-Tradition mit überraschenden Elementen garniert: Man hört bizarr-überdrehte Synthie-Flöten, eine Spieluhr, 8-Bit-Sounds, Filter-Spielereien oder verzerrte Stimmen. In "Blood" sampelt er feurige Reden seines Vaters.

Lagos City Life

Seine Texte beschränken sich aber nicht nur darauf "die da oben" zu verteufeln, der junge Songwriter zeichnet ein differenziertes Bild der nigerianischen Gesellschaft. In "Your Enemy" kritisiert Made einerseits Polizeiwillkür, zeigt aber auch Mitgefühl für unterbezahlte Ordnungskräfte. In "Young Lady" beschreibt er sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte und in "Different Streets" schildert er die Lebensumstände in verschiedenen Stadtteilen von Lagos. Besonders eindrucksvoll ist das Stück "Hymn", in dem man einen Kinderchor hört, gesungen von seinen drei jüngeren Geschwistern. Das Stück klingt fröhlich, beschreibt aber die ungleichen Chancen für Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten: "Some children grow up to be big and strong / some children don't grow up at all."

Das Vorwort für die Zukunft

Während Femi Kuti auf seinem Album souverän die Funky Revolution propagiert, verbindet Made den klassischen Afrobeat mit einer Prise Psychedelik und irren musikalischen Schlenkern zwischen Genie und Wahnsinn. So überzeugt "Stop The Hate" durch seine Zeitlosigkeit, "For(e)ward" weist aber mit seiner Spielfreude den Weg in die Zukunft.

Stand: 21.02.2021, 00:00