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Keleketla! - Revolutionäre Party Songs

Cover: Keleketla! mit International Love Affair

Sound Supreme - "Keleketla"

Keleketla! - Revolutionäre Party Songs

Von Christian Werthschulte

Mit Keleketla! bringen die Sample-Wegbereiter Coldcut die afro-diasporische Musikszene auf einem Album zusammen – mit Groove und politischen Botschaften.

Keleketla! - "Keleketla! "

COSMO Sound Supreme 19.10.2020 00:45 Min. Verfügbar bis 19.10.2021 COSMO

Keleketla! ist das Produkt einer internationalen Liebesaffäre. In ihrem Mittelpunkt stehen Coldcut, die britischen Cut-Up- und Sample-Wegbereiter. Sie lieben südafrikanische Jazzmusik und sind von einer NGO für ein Künstlerstipendium nach Südafrika eingeladen worden – in die Keleketla Library, ein Kulturzentrum in Soweto, einem Township von Johannesburg.

"'Keleketla' bedeutet 'Call and Response'", sagt Jonathan More von Coldcut. "Wir wurden gerufen und haben geantwortet. Das hat das Fundament für das Album gelegt." Call and Response ist eins der Grundprinzipien des Jazz: Ein Instrument gibt ein musikalisches Motiv vor, die anderen nehmen es auf. So sind Coldcut auch auf ihrem Album vorgegangen. In Soweto haben sie das Grundgerüst der Stücke mit Musiker*innen aus der lokalen Jazz-Szene aufgenommen. In London haben sie die Stücke dann mit Artists aus der britischen Afro-Szene fertigestellt.

Größer als die Summe seiner Teile

"Keleketla ist eine Zusammenarbeit vieler Musiker. Es geht nicht nur um eine Person oder ein Individuum, sondern um das große Ganze", sagt Dele Sosimi, der ehemalige Keyboarder von Fela Kutis Band Africa 80. Er spielt ebenso bei Keleketla mit wie sein kürzlich verstorbener Bandkollege Tony Allen, der Erfinder des Afrobeat. Dessen Groove bildet das Fundament des Albums, das Coldcut zu einer Heimstätte für afro-diasporische Musik ausbauen. 

Auf "Keleketla" stehen Gqom-Sounds aus Durban neben den afrofuturistischen Raps von Yugen Blakrok, die auch schon auf dem Soundtrack zum Film "Black Panther" zu hören war: "Als wir in Südafrika waren, dachten wir, es wäre gut, etwas HipHop von hier auf dem Album zu haben. Es ist gut, mit Rappern zusammenzuarbeiten, die nicht aus Amerika kommen, sondern ihren eigenen, lokalen Stil haben", sagt Matt Black von Coldcut. "Yugens Texte sind für mich nahe der Grenze zur Unverständlichkeit, aber im nächsten Moment trifft sie dich mit einem brillianten poetischen Bild mitten ins Gesicht."

Anti-Kolonialistische Grooves

Mit Keleketla setzen Coldcut ein langes politisches Engagement fort. In den Achtzigerjahren waren sie Teil von "Artists Against Apartheid" und auch heute suchen sie den Kontakt zu Künstler*innen, die auch Aktivist*innen sind – wie dem HipHop-Kollektiv Soundz of the South, die sie in Kapstadt getroffen haben. "Das war ein interessanter Tag", erinnert sich Matt Black. "Soundz of the South haben uns herumgeführt und wir haben über die politische Situation in Südafrika geredet und wie sie als HipHop-Künstler*innen positiven Widerstand leisten."

Auf "Papua Merdeka" ("Freiheit für Papua") trägt Benny Wenda einen Text vor. Er ist der Kopf des West Papua People’s Freedom Movement, das sich für eine Unabhängigkeit der ehemaligen niederländischen Kolonie einsetzt, die heute zu Indonesien gehört. Auf dem Stück bringen Coldcut traditionelle Musik aus West-Papua mit Afrobeat, Funk und Disco zusammen. "Eine seltsame musikalische Mischung", sagt Matt Black und lacht: "Aber wenn man schon eine politische Botschaft hat, dann sollten die Leute sich das wenigstens gerne anhören und dazu tanzen können." Und sein Kollege Jonathan More ergänzt: "Jede Revolution braucht einen revolutionären Partysong."

Stand: 19.10.2020, 00:00