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José James zollt Bill Withers Tribut

José James – Lean on Me

Sound Supreme - José James: "Lean on Me"

José James zollt Bill Withers Tribut

Von Vincent Lindig

José James ist der Jazz-Sänger der HipHop-Generation. Auf seinem neuen Album "Lean on Me" widmet er sich einem seiner großen Idole: Bill Withers. Die Songs der Soul-Legende sind um Swag und Bass aufgepimpt. Ihre Botschaft von Liebe und Gemeinschaft sind noch heute aktuell.

Sound Supreme - José James: "Lean on me"

COSMO Sound Supreme | 08.10.2018 | 02:41 Min.

José James vereint in seiner Musik Welten. Der 40-jährige Sänger aus Minneapolis hat eine Stimme, die so zeitlos und sanft wie aus einer verrauchten Jazzbar klingt. Aber er trägt auch schwere Goldketten und ein großes Drachen-Tattoo auf der Brust. In seinen Outfits und auf der Bühne kombiniert er geschickt die Eleganz und tiefe Ruhe des Jazz mit der verwegenen Ausstrahlung eines Rappers. Kein Wunder: José James nennt Jazz-Legenden wie Herbie Hancock oder John Coltrane als seine Vorbilder, aber eben auch HipHop-Crews wie A Tribe Called Quest oder den Rapper Mos Def. Er gilt als Jazz-Sänger der HipHop-Generation. Und er covert gerne die Songs seiner großen Vorbilder. Schon 2015 wagte er sich auf seinem Album "Yesterday I had the Blues" an die Stücke von Billie Holiday. Auf seinem neuen Album "Lean on Me" wendet er sich erneut dem Soul der 1970er zu - und widmet sich den Songs des großen Bill Withers.

Bill gegen Donald

Mit "Lean on Me" will José James nicht nur einem seiner großen Idole Respekt zollen, sondern auch ein politisches Zeichen setzen. Die Songs von Bill Withers aus den 1970ern entstanden in einer angespannten Zeit: Der Vietnam-Krieg und die Präsidentschaft von Nixon spalteten die USA. José James sieht sein Land heute an einem ähnlichen Punkt in der Geschichte. Donald Trump als Präsident der USA bestimmt mit frauenfeindlicher, nationalistischer und nicht zuletzt offen rassistischer Rhetorik die politische Agenda - zwischen "dafür" und "dagegen" spaltet sich die Gesellschaft heute wieder. José James versteht die Songs von Bill Withers mit ihrer Botschaft von Liebe auch als Gegengewicht zu dem, worüber Donald Trump spricht.

Schmerz und Leid werden zu Liebe und Gemeinschaft

Bill Withers wuchs in den 1940er Jahren in West Virginia auf. Die Gegend war stark von der Armut des Kohleabbaus und dem institutionalisierten Rassismus der Segregation geprägt. Kein leichtes Los für Withers. Und doch wurde er zu einem der beliebtesten Sänger und Songwriter des Soul. José James verneigt sich durch seine Neuinterpretation der 30 Jahre alten Songs auch vor der Fähigkeit von Bill Withers, Erfahrungen aus Schmerz und Leid in positive Songs umzuwandeln. Songs wie "Grandma's Hands" oder "Lean on Me" handeln von Gemeinsamkeiten und scheinbar kleinen Gesten der Menschlichkeit. José James ist sich sicher, dass es genau diese universellen Werte sind, die einer Gesellschaft Zusammenhalt geben - und heute wie damals aktuell sind.

Verjüngungskur für Klassiker

José James und seine Bandmitglieder wurden stark vom Sound des HipHop geprägt. Die Neubearbeitung der Klassiker wirkt wie eine Verjüngungskur. Drummer Nate Smith stellt sein Schlagzeugspiel in den Vordergrund, kräftige Bässe beleben die Produktion. In der Gesangsperformance schimmert R'n'B der Neunziger genau wie Neosoul der Gegenwart durch.  Schließlich ist seit der Veröffentlichung der Originalsongs in den Siebzigern eine Menge passiert. José James nennt Produzent J Dilla als Referenz und D'Angelo. Für diese Künstler und ihre Sounds hat Bill Withers die Grundlage gelegt - als Musik ihrer Kindheit und Samplequelle. José James übberführt die Songs nun ins Jahr 2018 - mit ein bisschen mehr Sex und Bass.

Stand: 08.10.2018, 00:00