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Form und Liebe

James Blake: "Assume Form"

Sound Supreme - James Blake: "Assume Form"

Form und Liebe

Von Marc Mühlenbrock

Das neue Album von James Blake nimmt Formen an, die man so noch nicht kannte. James Blake gelingt es erneut, eine ganz eigene Welt zu erschaffen. Mit seinem Debüt erfand er Post Dub Step, diesen sphärischen Hybrid aus Clubmusik und Indie. Auf "Assume Form" verbindet er gekonnt Klaviermusik und HipHop.

Sound Supreme - James Blake: "Assume Form"

COSMO Sound Supreme 28.01.2019 02:36 Min. COSMO

James Blake hatte sich in einer Spirale der Traurigkeit verloren. Er schrieb traurige Songs, die ihn nur umso trauriger zu machen schienen. Für viele war sein Vorgänger-Album "The Colour in Anything" ein Meisterwerk der Verbindung von Piano und Elektronik. Es war aber auch eine emotionale Last, die der Brite sich selbst auferlegt hat. Noch dazu war das Album nicht so erfolgreich. "The Colour in Anything" war ein Trennungsalbum, aber es war nicht heilsam - danach fiel Blake in eine Depression und Schaffenskrise.

Neue Liebe, Neues Glück

Darüber hinweg geholfen hat ihm seine neue Partnerin Jameel Jamil, BBC-Moderatorin und Schauspielerin in der US-Serie "The Good Place". Ihr hat er einige Songs gewidmet, das titelgebende erste Stück "Assume Form" und das letzte Stück "Lullaby for my Insomniac". Darin singt er, dass er gern mit seiner schlaflosen Freundin wach bleibt, damit sie nicht allein ist. James Blake ist also verliebt - und das hört man. Viele Songs sind immer noch langsam, zart und zerbrechlich, aber nicht mehr so traurig und schwer. Selbst die zentrale Ballade "Don't Miss It", auf der er auf seine Depression zurückschaut, hat einen positiven Unterton: Lass nicht zu, dass du das Leben verpasst!

Tief im HipHop

Auch sein musikalischer Partner Dominic Maker vom britischen Indie-Elektro-Duo Mount Kimbie hat seinen Teil dazu beigetragen, dass James Blake einen Weg herausfand aus der Schaffenskrise. Blake selbst sagt, Dom habe seine Art Musik zu machen komplett verändert und ihn auch als Mensch wieder zum Leben erweckt. Zusammen haben sie für US-Rapper Vince Staples und HipHop-Legende Jay-Z gearbeitet, was Blakes Ruf als gern gesehenen Kollaborateur im Soul und HipHop nur weiter gefestigt hat. Zuvor hatte er schon mit Frank Ocean, Beyoncé und Kendrick Lamar gearbeitet, die allesamt große Fans von Blake sind. Frank Ocean ist sein Gesinnungsgenosse, beide erschaffen auf ihren Alben eine ganz eigene Welt, auch wenn die zumeist außerweltlich klingt. Beide halten die Fahne der Konzeptalben hoch.

Unter der Sonne Kaliforniens

Auf dem neuen Album spürt man Blakes Liebe zum HipHop deutlicher als je zuvor. Durch die gelungenen Gastauftritte vom angesagtesten US-Rapper gerade, Travis Scott, auf "Mile High" und von einem der größten Helden von James Blake, André 3000 von Outkast auf "Where's the Catch?". Aber HipHop ist auch allgegenwärtig durch die Beats und Samples, die in den Songs eingebaut sind. Die klingen manchmal nach Neo-Soul, nach futuristischem Japan oder sonnigem Kalifornien. Dorthin ist James Blake von London aus auch gezogen, James Blake lebt mit seit einiger Zeit mit seiner Freundin in L.A. Die Sonne dort scheint ihm gut zu tun.


Stand: 27.01.2019, 00:00