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Highlife Legende Gyedu-Blay Ambolley mit neuem Album "11th Street, Sekondi"

Gyedu-Blay Ambolley "11th Street, Sekondi"

Sound Supreme - Gyedu-Blay Ambolley: "11th Street, Sekondi"

Highlife Legende Gyedu-Blay Ambolley mit neuem Album "11th Street, Sekondi"

Von Johannes Paetzold

Gyedu-Blay Ambolley behauptet, er habe den Rap von Ghana aus erfunden. Fest steht, dass er die Highlife-Musik Westafrikas seit den 70er Jahren geprägt hat. Auf seinem neuen, mittlerweile 31. Album versprüht er wieder Lebensfreude mit einem Groove-Mix aus Afrojazz und Funk. Und er spricht auch die sozialen Probleme des Landes an.

Gyedu-Blay Ambolley - "11th Street, Sekondi"

COSMO Sound Supreme 09.12.2019 02:32 Min. Verfügbar bis 08.12.2020 COSMO

Der Mann ist im Alter von 72 Jahren sichtlich zufrieden und im Reinen mit sich und der Welt. Mit dem Revival von Afrobeat ist seine Musik heute populärer denn je. Highlife verbreitet gute Laune, und Ambolley hat mit seinen Songs die Menschen über Jahrzehnte auf die Tanzfläche gelockt. Für ihn fing das Highlife-Fieber bereits in den 60er Jahren an. Schon als Teenager durfte er mit den Ikonen der Szene auf die Bühne. Er spielte in der Band von Ebo Taylor, der ihm auch das Gitarrespielen beibrachte. Dazu lernte Ambolley Bass und Saxophon. Bald hatte er seine eigene Band und überflügelte mit seinen Song noch seine eigenen Lehrmeister. Ambolley war populär über Ghana hinaus in ganz Westafrika.

Von Fela bis Ella

Dabei war Ambolley immer interessiert an neuen Sounds. Er hörte Jazzsängerin Ella Fitzgerald und lernte aus ihren Songs alles, was er über Musiktheorie wissen wollte. James Brown war ein wichtiger Einfluss, der treibende Funk eine weitere Inspiration für den jungen Westafrikaner. Und natürlich der Afrobeat eines Fela Kuti. Ambolley wurde zwar mit der Highlife-Musik berühmt, aber er suchte und fand seinen eigenen Stil. "Simigwa-Do" nennt er ihn selbst, Highlife mit Anleihen aus Jazz und sogar Disco.

Erster Rapper der Welt

Selbstbewusst proklamiert Ambolley für sich selbst, den Rap als erster entdeckt zu haben. Sein Hit "Simigwa-Do" von seinem gleichnamigen Debutalbum 1973 hat im Mittelteil eine Passage mit Sprechgesang. Die Sugarhill Gang trat mit ihrem „Rapper´s Delight“ erst fünf Jahre später auf die Bühne. Es ist vielleicht hoch gegriffen, ihn deswegen als Pate des Hip op zu sehen. Fakt ist aber, dass er schon früh über Westafrika hinaus populär wurde. Sogar der Champeta-Sound Kolumbiens in den frühen 80er Jahren wurde von Ambolley und seiner Musik stark beeinflusst.

Verbeugung vor den Anfängen

Der Austausch zwischen den beiden Seiten des Atlantiks wurde von den Seefahrern befördert. Sie brachten die Platten von Übersee auch in die ghanaische Hafenstadt Sekondi-Takoradi, Geburtsort von Gyedu-Blay Ambolley. Auf seinem neuen Album "11th Street, Sekondi" verbeugt sich Ambolley vor seiner Heimatstadt und vor seinen Eltern. Auf dem Cover sieht man sein Elternhaus, eben in der 11th Street. Es ist gleichzeitig sein zweites Album, das international auf dem deutschen Label Agogo Records veröffentlicht wird.

Tighte Grooves, kritische Töne

Nachdem der Vorgänger "Ketan" vor zwei Jahren auch in Deutschland produziert wurde, kehrt Ambolley mit "11th Street Sekondi" zu seinen Wurzeln zurück. Aufgenommen in Ghana mit der Band, die ihn seit Jahren auch auf den großen Festivaltouren durch Europa und den USA begleitet. Der Groove ist tight, die Stimmung hörbar ausgelassen. Bei "Brokos" hört man beschwingte Soukous-Musik aus Zentralafrika. "Who Made Your Body Like That" groovt auf Discobeats daher. Und bei "Who Go Pay" lässt Ambolley auch wieder rappen, den Part übernehmen als Gast-Feature die FOKN Bois aus Ghana, Mensa vom Rap-Duo ist mit der Highlife-Ikone verwandt und hat auch schon in der Vergangenheit mit ihm Songs aufgenommen. "11th Street, Sekondi" ist inzwischen das 31. Album von Gyedu-Blay Ambolley. Sicher nicht sein letztes.

Stand: 09.12.2019, 00:00