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Gérald Toto bringt mit “Sway” ein traumhaftes Akkustik-Album raus

Gérald Toto “Sway”

Sound Supreme - Gérald Toto “Sway”

Gérald Toto bringt mit “Sway” ein traumhaftes Akkustik-Album raus

Von Anna-Bianca Krause

Mit "Sway" zeigt sich der Musiker, Singer/Songwriter und Multi-Instrumentalist Gérald Toto als vokaler Magier und Gitarren-Poet. Meist in einer Phantasiesprache gesungen passt der afrokaribische Sound des Parisers in keine Schublade. Ein Traum von Akustik-Album, das uns gut durch die dunkle Jahreszeit bringt.

Gérald Toto - "Sway"

COSMO Sound Supreme | 05.11.2018 | 02:39 Min.

Ein Soloprojekt

Soloalben hat Gérald Toto seit 1998 immer mal wieder gemacht - sehr atmosphärische und eher experimentellen Platten, die er in unregelmäßigen Abständen veröffentlichte, da er unentwegt mit und für Kollegen gearbeitet hat. Mit der Band Nouvelle Vague verwandelte er die New Wave-Hits "Relax", "Heart of Glass" und "Don’t go" in Bossa Nova-Songs. Für Rai-Star Faudel schrieb und produzierte er das erste Album. Zusammen mit Smadj ging es Richtung Elektro-Maghreb-Sound. Totos wichtigstes Projekt aber war das afrokaribische Trio Toto Bona Lokua.

2004 machte die Supergroup, in der Toto zusammen mit dem kamerunischen Sänger und Bassisten Richard Bona und dem kongolesischen Singer/Songwriter Lokua Kanza gearbeitet hat, ein 1. Album. 13 Jahre später ein zweites. Das Trio wurde weltweit wegen der wunderbaren Gesänge gefeiert und als "Afrikas Crosby, Stills and Nash" bezeichnet. Die drei Singer/Songwriter haben die Messlatte für Vokal-Pop sehr hoch gelegt. Und man denkt bei "Sway" auch sofort an die magische Wirkung der Songs, die Toto Bona Lokua gemacht haben.

Es ist Gérald Totos 4. Soloalbum. Er selbst bezeichnet es allerdings als sein erstes echtes Soloalbum, weil er das Gefühl hat, erst durch die Zusammenarbeit mit Kanza & Bona zum Kern seiner künstlerischen Identität gelangt zu sein. Musikalisch sind die elf Songs dem akustischen Sound der panafrikanischen Vokal-Supergroup verwandt, ebenfalls eingespielt mit akustischer Gitarre, Perkussion und Stimme. Doch das Album zeigt auch, dass die extrem verträumte, mollig-weiche Seite von Toto Bona Lokua wohl seinem Einfluss zuzuschreiben ist.

Dream-Wop

Totos Songs sind völlig losgelöst aus Zeit und Raum und extrem gefühlvoll. Sie enthalten viele Elemente allerdings in eher homöopathischen Dosen, man hört Pop, Arabesken, Doo-Wop, Jazz, Samba, afrikanische Gesänge, karibische Rhythmen. In allen Songs dominieren seine Falsettstimme und sein elegant, oft gezupfter Gitarrengroove. Wenn Toto singt, wirkt es, als würde er einem etwas ins Ohr flüstern. Der 51-Jährige erinnert mal an Bobby McFerrin, mal an traditionelle afrikanische Gesänge, er singt nicht nur, er summt, heult, trötet, pfeift. Das Album ist nur 36 Minuten lang, aber es ist komplett. Toto hat es alles alleine eingespielt und eingesungen in seinem Heimstudio, auch die vielen, manchmal mehrstimmigen Backgroundchöre.

Phantasiesprachen

Gérald Toto ist auch ein Sprachenerfinder. Er singt teilweise auf Englisch, oft aber in seiner Phantasiesprache, die er die Sprache seines Herzens nennt und die verschiedene Formen annehmen kann. Manche Wörter in dieser Lautsprache gibt es, viele andere so ähnlich oder gar nicht. Für Toto macht ein Wort keinen Sinn wenn es nicht mit Gefühlen besetzt ist. Also biegt er sich Laute zurecht, bis sie seiner Emotion entsprechen. Es ist kein Scat-Gesang, keine Pseudosprache und er imitiert auch keine Instrumente. "Das Gute daran ist, jeder Mensch aus egal welcher Kultur hat dieselben Werkzeuge, um mich zu verstehen. Die Franzosen sind nicht besser ausgerüstet, obwohl ich Franzose bin, um ein Chanson wie 'Umbaka' zu verstehen. Das fördert unseren gemeinsamen Nenner", sagt Toto.

Wellenbewegung

Toto ist in Paris geboren, seine Eltern sind aus Martinique in der Karibik. Und er ist überzeugt davon, dass seine afrokaribische Kultur und die Wurzeln auf den Antillen seinen globalen Sound und seine Offenheit für andere Kulturen und Menschen ausmachen. Der Albumtitel meint "Sway" im Sinne von Wellenbewegung und Vibration. Und genau das sollte man tun: Sich mitziehen lassen von den Vibrationen des Albums, das bis auf einen kurzen Auftritt einer E-Gitarre nahezu komplett akustisch ist. Es wird uns gut durch die dunkle Jahreszeit bringen, auch wenn es dafür keine passende Schublade gibt. Man könnte es Dream-Wop nennen oder Fantasy-Pop ….. der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Stand: 05.11.2018, 00:01