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Bossa Trap gegen Bolsonaro

Cover: Flavia Coelho – "DNA"

Sound Supreme: Flavia Coelho – "DNA"

Bossa Trap gegen Bolsonaro

Von Johannes Wolff

Flavia Coelho ist bekannt für ihren leichtfüßigen und sonnigen Global Pop. Auf ihrem neuen Album wird sie politischer und ruft zum Kampf gegen den brasilianischen Präsidenten auf.

Flavia Coelho - "DNA"

COSMO Sound Supreme 25.10.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 24.10.2020 COSMO

Der Tag, an dem Jair Bolsonaros zum brasilianischen Präsidenten gewählt wurde, wurde zum einschneidenden Ereignis für Flavia Coelho und die Arbeit an ihrem neuen Album "DNA". Früher habe sie nie Songs über aktuelle Themen geschrieben, erzählt sie. Aber nach diesem Wahlausgang hätten sich die Texte ihres Albums komplett gewandelt.

Aufruf zum Widerstand

Auf ihrem vierten Album "DNA" erhebt Flavia Coelho die Stimme gegen Präsident Bolsonaro und beschwört den Kampfgeist ihrer Landsleute. Dafür hat sie in einem Song sogar einen Gegenspieler zum Rechtspopulisten erfunden – Superheld "Billy Django". Wenn es nach Flavia Coelho geht, steckt er in jedem Brasilianer. Billy Django lasse die Menschen auf die Straßen gehen, um gegen die Missstände in ihrem Land zu protestieren und sich für mehr Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit stark zu machen. Auf "DNA" setzt sich Flavia Coelho außerdem für Minderheiten ein wie die brasilianische LGBTQ-Community, die indigene Bevölkerung oder die Flüchtlinge aus Venezuela. In "Menino Menina" feiert die Sängerin ihre sexuelle Freiheit und stellt sich damit gegen die biederen Moralvorstellungen der brasilianischen Regierung und der Erzkonservativen in ihrer Heimat.

Von Bossa Muffin zu Bossa Trap

Flavia Coelho ist mit ihrem Bossa-Muffin-Style bekannt geworden - so hat Flavia Coelho zu Beginn ihrer Karriere ihre Fusion aus akustischem Brazil-Pop und Reggae genannt. Auf ihrem neuen Album flirtet sie jetzt mit aktuellen Clubsounds wie Baile Funk. Die Songs klingen ausproduzierter und fetter. Ihr langjähriger Produzent Victor Vagh dreht dafür mächtig den Bass auf. In "Cidade Perdida" zerlegt die Exil-Brasilianerin die erdrückende Korruption in ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro mit neuen Rapflows. Flavia Coelho entwirft dabei ihren eigenen Trapsound mit Bossa Nova-Gitarre und brasilianischer Perkussion.

Feier der kulturellen Vielfalt

Trotz der düsteren politischen Lage steckt Flavia Coelho immer noch mit ihrer Lebensfreude an. Sie zelebriert die Vielfalt von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln und hat sich für das neue Album selbst auf Spure Suche in Afrika begeben. Dabei hat sie rausgefunden, dass ein Großteil ihrer Vorfahren aus dem Senegal und Mosambik kommt. In Mosambik sind neben des Musikvideos für "DNA" auch ein Teil der Lyrics der neuen Platte entstanden. Dort hat Flavia Coelho außerdem neue Perspektiven gewonnen: "In DNA geht es mir um Akzeptanz. Es geht darum, deine Wurzeln besser zu verstehen, um den anderen und dich selbst besser anzunehmen. Afrika ist ein Teil von mir und aller Brasilianer unabhängig von ihrer Hautfarbe."

Stand: 25.10.2019, 16:08