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Eine Verbeugung vor dem großen Meister

Fixi & Nicolas Giraud: "Tempo Tempo - A Tony Allen Celebration"

Fixi & Nicolas Giraud: "Tempo Tempo - A Tony Allen Celebration"

Eine Verbeugung vor dem großen Meister

Von Francis Gay / Adrian Nowak

Der Sound von Tony Allen ist unsterblich. Die federleichten Grooves der Afrobeat-Legende leben auch nach seinem Tod weiter – zum Beispiel in den Songs seiner Weggefährten Fixi und Nicolas Giraud. Mit Archiv-Aufnahmen, frischen Ideen und Gästen setzen sie dem verstorbenen Drummer ein musikalisches Denkmal. 

Fixi & Nicolas Giraud: "Tempo Tempo - A Tony Allen Celebration"

COSMO Sound Supreme 13.12.2021 02:41 Min. Verfügbar bis 12.12.2022 COSMO


Die 80er Jahre waren eine schwierige Zeit für Tony Allen. 1979 hat er die Band von Afrobeat-Erfinder Fela Kuti verlassen, zog erst nach London, dann nach Paris. Die Zeit in Frankreich wurde zum musikalischen Neustart für Tony. Hier traf er neue Wegbegleiter wie den Jazztrompeter Nicolas Giraud, ein großer Fan des afrikanischen Jazz à la Hugh Masekela und des nigerianischen Afrobeats, den Tony Allen gemeinsam mit Fela Kuti entwickelt hatte.

Etwas später trifft er auf den Akkordeon-Virtuosen Fixi, der in den 90ern als Keyboarder in Tonys Band einsteigt und mit ihm um die Welt tourt. Mit den neuen Freunden kommt seine Karriere wieder in Schwung, Tony veröffentlicht zahlreiche Alben, er experimentiert mit verschiedenen Stilen wie elektronischer Musik oder Rap, kollaboriert mit Damon Albarn, Moritz von Oswald oder Flea von den Red Hot Chili Peppers.

Freundschaft durch dick und dünn

Nachdem Tony sich wieder gefunden hat, arbeitete er immer wieder mit Fixi zusammen - zum Beispiel auf dem Album von Fixi und der jamaikanischen Reggae-Legende Winston McAnuff. Später sind Fixi und Nicolas eingespannt in viele eigene Projekte, Tony tourt mit anderen Musikern um die Welt. Die alten Freunde gehen ihre eigenen Wege. Doch Nicolas und Fixi träumen von einem gemeinsamen Projekt mit dem Afrobeat-Meister, schon allein damit sie wieder gemeinsam touren können. Sie komponieren erste Stücke für das Projekt, spielen ihre Skizzen Tony Allen vor, doch leider verstirbt der Ausnahme-Drummer am 30. April 2020 überraschend in Paris. Ein harter Schlag – doch die Idee des gemeinsamen Projekts lebt weiter.

Jetzt erst recht

Der Tod von Tony Allen schweißt Fixi und Nicolas noch enger zusammen und inspiriert sie dazu, mit "Tempo Tempo" das Leben von Allen zu feiern. Grundlage der Songs sind Archiv-Aufnahmen von Tony, auf diesen Drumloops und Schlagzeug-Grooves komponieren sie ihre Songs. Für Fixi und Nicolas ist von vornherein klar, dass sie keinen traditionellen Afrobeat machen möchten. Stattdessen entwickeln sie eine Fusion aus Jazz, Funk, Pop, Chanson, mal instrumental, mal mit Gästen am Mikrofon. Darunter sind Tonys Enkel Tunji Allen, die Japanerin Maïa Barouh und der französische Afrosoul-Sänger Djeuhdjoah.Fast alle Songs verbeugen sich vor dem alten Meister, viele greifen auf, was er Fixi und Nicolas im Laufe der Jahre beigebracht hat.

Tempo, Tempo und Keep It Simple

Der Opener "Tempo, Tempo" ist inspiriert von Tonys Ansprachen hinter der Bühne, kurz bevor das Konzert beginnt. "Tempo, Tempo" sagte er immer zu seinen Musikern, um sie zu motivieren konzentriert und lebendig zu spielen. 

In der treibenden Jazznummer "Just want to be me" hört man sogar einen Ausschnitt aus einem Interview mit Tony Allen: "Nobody plays like me. I play like myself. I don't want to compete with nobody”. Auch das Afrosoul Stück  "Keep it simple" ist benannt nach einem Mantra von Tony Allen, der sich in seinen Songs immer auf das wesentliche konzentriert hat. "Single Malt" ist inspiriert von Tonys Liebe für guten Whiskey.

Nur das Lied "Injera" mit dem nigerianischen Sänger Fatai Rolling Dollar ist das einzige ohne Tony Allen an den Drums. Trotzdem atmet der Song mit seinen funky Bläsersätzen, den Akkordeon-Melodien und den afrikanischen Gesängen den Geist von Tony Allens experimenteller Herangehensweise an Musik.

Gute Reise, Tony!

Das Lied "Esè Odò" featured die Sängerin Ayo Nefretiti aus Nigeria. Ihre Musik ist tief verwurzelt in der spirituellen Tradition der Yoruba. Tony Allen war ein großer Fan. Ihr Gesang beschreibt auf Yoruba und auf Pidgin-English ein Übergangsritual, mit dem sie Tony in die Welt seiner Ahnen begleitet: "Smile on. You are celebrated. Shine on, you are our star / Smile on. You are celebrated. Shine on, you done us proud”.


Fixi und Nicolas Giraud sehen "Tempo Tempo" nicht als gravitätische Hommage, sondern als eine lebendige Feier des Werks von Tony Allen. Und wenn man die Grooves und Melodien dieser "Celebration" hört, dann spürt man: Tony ist immer noch da. 

Stand: 12.12.2021, 06:00