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Die Frau im Flieger

Fatoumata Diawara - Fenfo

Sound Supreme - Fatoumata Diawara: "Fenfo"

Die Frau im Flieger

Von Amy Zayed

Fatoumata Diawara aus Mali ist in ihre Heimat zurückgekehrt, öffnet ihre Musik für neue Sounds und setzt mit ihrem neuen Album ein starkes Statement für die Rechte von Frauen und Kindern. "Fenfo" heißt: "Ich habe etwas zu sagen."

Fatoumata Diawara: "Fenfo"

COSMO Sound Supreme | 11.06.2018 | 02:41 Min.

"Es ist interessant, wenn ich an all das denke, was seit dem Beginn meiner Karriere alles passiert ist", sagt die zierliche Frau mit den Perlen in den schwarzen Zöpfen und lächelt nachdenklich. "Das spannendste war, vor zweieinhalb Jahren Mutter zu werden. Was für eine außergewöhnliche und wundervolle Erfahrung! Aber auch mit all diesen Bekannten Musikern arbeiten zu dürfen - Paul McCartney, Damon Albarn. Die Musik ist in Mali sehr traditionell geprägt, aber diese Musik nach außen zu tragen, mit anderer Musik zu vermischen und etwas neues zu schaffen, macht mich stolz."

Flucht aus Mali

Als Fatoumata Diawara als Teenager ihr Land verließ, wusste sie nicht, ob sie je wiederkehren und was sie in Europa erwarten würde. Sie wollte nur weg von den fundamentalistisch-islamistischen Gruppen, die Musik verboten. Und den Familientraditionen, in denen Zwangsheirat und die weibliche Genitalverstümmelung an der Tagesordnung waren. Heute setzt sie sich für die Rechte von Frauen und Kindern in Afrika ein, was auch auf ihrem neuen Album deutlich wird.

Kampf um Frieden und Liebe

"Fenfo" heißt zu Deutsch: "Ich habe etwas zu sagen". "Wir leben leider in einer Welt, in der wir wegen unserer Religionen und Hautfarben kämpfen, anstatt für unseren Planeten. Wir sind Kinder dieses Planeten und müssen gut zu ihm sein. Wir verlernen langsam menschlich zu sein. Wir verlieren unsere Seelen. Unsere Spiritualität. Ich bin eine Frau. Und eine Frau sieht immer auch die Kinder. Im Norden Malis zum Beispiel wüten seit fünf Jahren Kämpfe und die Kinder gehen nicht zur Schule. Das ist nicht fair. Ich bin eine Frau, und ich will die Stimme sein für die, die keine Stimme haben. Für all diese Frauen und Kinder in der Wüste ohne Wasser, ohne Schulen. Was haben diese Kinder für ein Morgen? Haben sie überhaupt ein Morgen? Ich will die Botschaft mit meinem Mikrofon verkünden, dass wir ohne Frieden und Liebe nicht leben können."

Mama

Diawaras Texte sind aber nicht nur Botschaften an die Welt, vieles ist sehr persönlich, wie beim Song "Mama": "Ich versuche, die Tatsache musikalisch zu verarbeiten, dass ich kein wirklich greifbares Kindheitssouvenir von meiner Mutter habe. Als ich acht Jahre alt war, starb meine ältere Schwester. Danach wurde ich rebellisch und fing an, mich wie ein Teenager zu benehmen. Wahrscheinlich dachte ich, ich müsse erwachsen werden. Damit kamen meine Eltern nicht klar und so schickten sie mich weg. Ich war traumatisiert, es war ihnen zu viel. Ich wuchs bei Verwandten in Bamako auf und habe meine Eltern fast zwölf Jahre lang nicht gesehen. Nicht mal Telefone gab es. Nun habe ich einen eigenen Sohn und ich frage mich, wie kann ich ihm wahre Mutterliebe vermitteln, wenn ich selber nur so wenige Erinnerungen an meine eigene Mutter habe? Kann ich überhaupt eine gute Mutter sein? Ich versuche es zu lernen. Dieser Song ist eine Art an den Ort zurückzugehen, wo noch alles friedlich war."

Zurück in Bamako

Sie hält die Tränen zurück, während sie von ihrer Mutter erzählt. Die sonst immer lächelnde, fast majestätisch wirkende Frau wird plötzlich sehr ernst und nachdenklich. Doch dann lächelt sie wieder. Sie erzählt, wie sehr sie Mali vermisst hat, nachdem sie wegging. Erst nach 13 Jahren kehrte sie wieder zurück um zum ersten Mal dort zu spielen. Damals lebte sie in Paris. "Ich vermisse Bamako mittlerweile so sehr. Ich könnte gar nicht mehr so lange wegbleiben. Ich bin nun ganz zurückgekehrt. Ich wohne nicht mehr in Paris. Ich habe in Bamako ein Haus gekauft. Mein Mann ist Italiener und wohnt mit unserem Sohn in Italien. Er kommt mal zu mir oder ich zu ihm. Wenn ich mich beschreiben müsste, wär ich einfach die Frau im Flieger." Fatoumata Diawara ist nach Mali zurückgekehrt, weil sie sich nach ihren Wurzeln sehne, sagt sie. Aber auch um das Land zu stärken. Sie will afrikanische Musik unterstützen, mehr Geld ins Land holen, damit die Menschen sich dort mehr Bildung leisten können. Sie hat eine Mission. Sie hat etwas zu sagen - mit ihrer Musik, ihrem Auftreten, ihrer Courage.

Stand: 08.06.2018, 12:22