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Mit "Carnaval Odyssey" präsentieren Dowdelin Future Kréol

Dowdelin - "Carnaval Odyssey”

Dowdelin  - "Carnaval Odyssey”

Mit "Carnaval Odyssey" präsentieren Dowdelin Future Kréol

Von Johannes Paetzold

Dowdelin führen die kreolische Musiktradition in die Zukunft. Das Trio aus Lyon fusioniert Future Funk mit Gwoka Drums aus Guadeloupe und karibischen Vibes.

Dowdelin  - "Carnaval Odyssey"

COSMO Sound Supreme 13.05.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 12.05.2020 COSMO

David "Dawatile" Kiledjian ist ein bekannter Studioproduzent aus Lyon. Mit seinem Bandprojekt "Fowatile" hat er Future Funk und HipHop zusammengeführt. Olivya Victorin, Sängerin mit kreolischen Roots, wurde auf ihn aufmerksam, man traf sich und testete ein paar Songideen. Das versprach soviel Potenzial, dass Dawatile seinen alten Freund Raphael Philibert kontaktierte, Multi-Instrumentalist, in dessen Jazz-Band er selbst einige Zeit gespielt hatte, und der aus Guadeloupe kommt. Die Idee, auf Kreolisch zu singen, kam erst im Laufe der gemeinsamen Aufnahmen, denn Olivya Victorin ist zwar der Sprache mächtig, hatte sie aber noch nie als Gesang eingesetzt.

Club Kréol

Das Ergebnis der gemeinsamen musikalischen Forschungsarbeit und Entdeckungsfreude überrascht und fasziniert. Olivya Victorin singt auf Kreolisch und auch auf Englisch, immer aber mit dem Karibik-Feeling der französischen Antillen. Raphael Philibert rappt nicht nur auf dieser gemeinsamen Odyssey, sondern begleitet die Reise auch auf der Gwoka, einer traditionellen Trommel aus Guadeloupe. Der Klangteppich des Debuts ist geprägt durch Trap Beats, Funk und Soul mit elektronischen Sounds und Effekten. Die kreolische Tradition und Kultur der französischen Antillen steht hier im engen Austausch mit Clubkultur und aktuellen Beats, die Nahtstellen zwischen beiden Seiten sind eng verwoben und kaum spürbar in an ihren Übergängen.

80er Computer, Surfsound & Jazzy Rap

"Carnaval Odyssey" ist ausgesprochen vielfältig. Entspannt fließt der Groove im Opener der zehn Songs "Laissé Mwen" daher. Dazu singt Olivya Victorin auf Kreolisch. In "Laissé Mwen" geht es darum, sich nicht in Schubladen pressen zu lassen. Olivya Victorin hat den Text geschrieben, er spricht aber auch Dawatile aus dem Herzen: "Unsere Einflüsse sind so vielfältig. Wir sind alle drei Kinder der 80er Jahre. Das heißt, wir haben viele Musikeinflüsse, und wir sind mit dem Internet groß geworden, dem Radio und Fernsehen. Wir sind sicher keine Puristen.“ "Eléphante Rose" stakelt und klappert auf einem 80er Drumbeat daher. Inspiriert vom Film „Zusammen ist man weniger allein“ mit Audrey Tautou, erzählt Olivya Victorin die Geschichte einer Frau, die zwischen Verrücktheit und wahrer Liebe ihren Weg sucht. Für „Boaty Cruise“ nutzt Dawatile sogar 70er AOR Sounds und kitschige Surf Computer Beats jener Tage. Die volle Breite ihrer Möglichkeiten loten Dowdelin im Titelsong aus, wenn Soul und Funk mit kreolischen Einflüssen auf den jazzy Rap-Style von Raphael Philibert treffen.

Afrofuturismus der Antillen

Fast spielerisch bewegen sich Dowdelin zwischen den Traditionen und Genres. Sie erforschen und prägen einen Afrofuturismus kreolisch frankophoner Ausprägung, schaffen eine Brücke zwischen afrikanischer und karibischer Kultur, die Brückenpfeiler dafür sind aus westlichen Clubsounds und aktuellen Trap Beats gebaut. Ein sinnlich hörbarer Ansatz, nie verkopft, man kann sich in die Musik fallen lassen. Die Wortkreation „Dowdelin“ wird von den drei Musikern aus dem Französischen übersetzt als "Leicht mit dem Kopf wiegend chillen und entspannen". Vom Ergebnis ihrer Zusammenarbeit sind die drei selbst so begeistert, dass sie das Projekt fortan als Band bezeichnen und im Herbst das Studio in Lyon verlassen wollen, auf Tour kommen und auch die bunte Welt der französischen Antillen mit ins Gepäck mitnehmen, mit den Visuals von Benjamin Vedrenne, der für seine Bühnenshows für den französischen House DJ Étienne de Crécy bekannt ist.

Stand: 13.05.2019, 00:01