Live hören
Jetzt läuft: Ahead of Time von Baltra & park hye jin

“With Love, From Berlin” schafft Daniel Haaksman einen Sehnsuchtsort für Künstler

Daniel Haaksman: “With Love, From Berlin”

Sound Supreme - Daniel Haaksman: “With Love, From Berlin”

“With Love, From Berlin” schafft Daniel Haaksman einen Sehnsuchtsort für Künstler

Von Lukasz Tomaszewski

Seit zwanzig Jahren jettet Daniel Haaksman um den Globus und fusioniert elektronische Musik mit Sounds der südlichen Hemisphäre. Für sein neues Album hat er in Berlin lebende Musiker aus aller Welt zusammengebracht.

Sound Supreme - Daniel Haaksman: "With Love, From Berlin"

COSMO Sound Supreme 04.02.2019 02:54 Min. COSMO

Berlin als Sehnsuchtsort für Künstler. Das ist das Thema von "With Love, From Berlin". Stile wie Kizomba, Cumbia oder Fado verschmelzen mit Clubbeats zu einer musikalischen Liebeserklärung an die Spreemetropole. Die Idee dazu kam demDJ, Produzent und Labelbetreiber, als er merkte, dass immer mehr seiner Freunde und musikalischen Weggefährten in die Spreemetropole gezogen sind: die Tropical Bass-Produzenten Dengue Dengue Dengue aus Peru, Singer-Songwriterin Cibelle aus Brasilien, Saxophonist Ori Kaplan aus Israel oder House-Sänger Robert Owens aus den USA.

Face to Face

Daniel Haaksman ist in Rom geboren und unter anderem in Ostafrika aufgewachsen. Er war erst DJ und Clubbetreiber in Frankfurt, rekontextualisierte die Sounds der südlichen Hemisphäre und verband jungen Afro-Sound mit Berliner Elektronik. Seine Tracks entstanden bisher in Rio, Johannesburg oder Luanda. Gastvokalisten schickten dem Produzenten ihre Stimme per Filetransfer. "With Love, From Berlin" dreht diese Arbeitspraxis erstmals um. Daniel Haaksman hat die Gäste in sein Berliner Studio geladen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und die Möglichkeit einen zweiten und dritten Take aufzunehmen; oder gar die Songstruktur zu verändern, sind deutlich hörbar. Daniel Haaksman entfernt sich erstmals vom Dancefloor-Sound. Er bettet Stile wie Fado ein, aber auch klassische Orchesterklänge – in eine vielseitige, aber doch immer wieder erkennbare Soundästhetik.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Musikalische Postkarten

Haaksman wäre nicht Haaksman, wenn sein musikalisches Konzept nicht auch von einer visuellen Beilage begleitet wäre. Denn zu jedem Song gibt es eine Postkarte zum Anfassen. Daniel Haaksman zusammen mit dem dominikanischen Reggae-Crooner Tikiman vor der Eastside Gallery, an der Seite des amerikanischen House-Sängers Robert Owens vor einem Sightseeing-Doppeldecker, oder mit der mexikanischen DJ Coco Maria vor dem Brandenburger Tor. Immer mit einem ironischen Touri-Smile; versteht sich. Musikalisch steht jedes Stück für unterschiedliche Gefühlslagen der Zugereisten. Coco Maria besingt auf einer Cumbia den Schwermut in der Ferne. Der Angolaner Kalaf Angelo verarbeitet mit postkolonialer Spoken Poetry den Lebensalltag in der Diaspora. Und die Brasilianerin Cibelle singt über die Freiheit queerer Kultur in Berlin.

Arche Noah

Globalisierte Metropole, Zufluchtsort, Labor für Musiktrends. Daniel Haaksman und seinen Freunden gelingt ein originelles Berlin-Portrait und eine Liebeserklärung an seine Stadt. "Berlin ist eine Art Arche Noah geworden für politisch Andersdenkende, die die Liberalität von Berlin schätzen",sagt Daniel Haaksman. Eine Stadt für Musiknerds und Feierwütige. Aber eben auch eine Stadt für Menschen aus Polen, Großbritannien oder den USA, die den populistischen Diskurs ihrer Länder nicht mehr länger ertragen wollen: "Eine dissidente Stadt aus der Stimmen aus aller Welt zu Wort kommen", wie Haaksman es formuliert. "With Love, From Berlin", das sind neun musikalische Postkarten aus der Hauptstadt, mal melancholisch, mal tanzbar, aber immer mit einer großen Liebe für die Pluralität des urbanen Miteinanders.

Stand: 04.02.2019, 10:00