Futter für den Dancefloor

Cover des Albums "El Alimento" von Cimafunk: Cimafunk liegt mit nacktem Oberkörper in einem Bett aus Salatblättern auf einem reich gedeckten Tisch

Cimafunk: "El Alimento"

Futter für den Dancefloor

Von Anne Lorenz

Mit seinem zweiten Album erobert der kubanische Musiker mit jeder Menge funky Grooves die internationalen Tanzflächen. Schon 2019 wurde der damalige Newcomer Cimafunk vom Billboard-Magazin zu den zehn wichtigsten "Latin Artists to watch" gekürt. Die US-amerikanische Musik- und Entertainment-Plattform sollte Recht behalten.

Cimafunk: "El Alimento"

COSMO Sound Supreme 25.10.2021 02:48 Min. Verfügbar bis 24.10.2022 COSMO


Erik Iglesias Rodríguez alias Cimafunk ist in ländlicher Umgebung in Kuba aufgewachsen. Seine Familie ist ihm bis heute das wichtigste. In "El Alimento" erinnert er sich an glückliche Kindertage, rauschende Feste mit Freunden und Verwandten und das Erwachsenwerden in einfachen Verhältnissen. Sein zweites Studioalbum ist in der Pandemie entstanden. "Alimento" bedeutet "Nahrung",  Cimafunk hat diesen Titel gewählt, weil die Arbeit an seiner Musik ihn während des Lockdowns mental und moralisch "ernährt" hat, wie er sagt. Dieses Geschenk möchte er nun an alle seine Fans weitergeben. Die werden nicht enttäuscht: "El Alimento" besteht aus 13 tanzbaren Stücken, die vor allem Futter für den Dancefloor liefern.

Funk mit einer Prise kubanischer Hitze

"El Alimento" trieft nur so vor Funk, das US-Genre trägt Cimafunk auch in seinem Namen. Doch wie kommt ein junger Typ aus einem musikalisch so reichen Land wie Kuba darauf, gerade Funkmusik zu machen? Ganz einfach: Schon seine Eltern haben diese Grooves aus den Vereinigten Staaten der 1970er-Jahre geliebt. Cimafunk hat sie zu Hause mit jedem Hüftschwung in sich aufgenommen. Für ihn gibt es keine körperbetontere Musik - und das ist ihm am Ende das Wichtigste. Die Grooves müssen einmal durch den ganzen Körper laufen. Hier und da eine Prise afro-kubanische Cha-Cha-Cha oder Tumbao, aufgepeppt mit karibischen Zutaten wie Reggae oder Perreo - fertig ist der nostalgische und trotzdem zukunftsorientierte Sound von Cimafunk.

Gehaltvoller Hauptgang

Auf dem Cover von "El Alimento" rekelt sich Cimafunk mit nacktem Oberkörper und aufforderndem Lächeln als Hauptgang in einem Salatbett. Seine Markenzeichen sind die große Hornbrille und seine Hi-Top-Fade-Frisur, die schon Ikonen wie Grace Jones oder MC Hammer zu ihrem unerkenntlichen Look gemacht haben. Dazu trägt Cimafunk Schlaghosen, bunte Hemden, Fellwesten und Schuhe mit Absatz. Mit diesem unverwechselbaren Stil und seinem Charisma konnte der Kubaner Featuregäste wie Funklegende George Clinton, die kolumbianischen Pop-Stars ChocQuibTown, US-Rapper Lupe Fiasco und den kubanischen Star-Pianist Chucho Valdés für sein neues Album gewinnen. Die Krönung war aber Zusammenarbeit mit Dr. Funkenstein himself, für Cimafunk eine der wichtigsten Erfahrungen seiner Karriere.

Lebensfreude und Rebellion

In den Songs von Cimafunk geht es um Lebensfreude und den geteilten Spaß an Tanz und Ausgelassenheit. Das Leben so unbedarft zu feiern, ist in Kuba etwas völlig Neues und hat fast schon etwas Rebellisches, Politisches. Cimafunk besteht aber darauf, absolut unpolitisch zu sein. Dabei steckt die Geschichte Schwarzer Befreiung und Ermächtigung schon in seinem Künstlernamen. Ein "Cimarrón" bezeichnet eigentlich ein streunendes, entlaufenes Haustier. In Kuba wurde der Begriff allerdings auch für Menschen afrikanischer Herkunft benutzt, die aus der Versklavung entkommen konnten. Und "Funk" steht für alle afrikanischen Musikeinflüsse, die in den USA Blues und Gospel zu unwiderstehlichen funky Grooves vereint haben.

Stand: 24.10.2021, 00:00