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BRKN: "Drama" - Kreuzberger R'n'B

cover BRKN: "Drama"

BRKN: "Drama"

BRKN: "Drama" - Kreuzberger R'n'B

Von Keno Mescher

Klavier, Saxophon, tiefe Bässe und Herzschmerz galore. "Drama" ist das dritte Album von BRKN. Dem musikalischsten Rapper aus Deutschland.

Ein hagerer Typ mit müden Augen singt in einer Intensität, die man im deutschen Global Pop lange suchen muss. Es steckt viel Soul, viel R'n'B in BRKN. Ein bisschen Straße. Aber auch profundes handwerkliches Können. Er hat früh eine musikalische Ausbildung genossen, erst am Klavier, dann am Saxophon. Er hat gerappt, für K.I.Z produziert, gemeinsam mit Herbert Grönemeyer Songs aufgenommen und war auch mit ihm als Support-Act auf Tour. Irgendwo zwischen den Stationen dieser Vita ist BRKNS Sound auf "Drama" zu Hause.

BRKN: "Drama"

COSMO Sound Supreme 09.05.2021 02:11 Min. Verfügbar bis 09.05.2022 COSMO


Das Album beginnt mit einem Reality Check: Eine Jacke raschelt. Jemand räuspert sich. Setzt sich ans Klavier. Klappt den Deckel hoch. Spielt ein paar Akkorde. Es wirkt, als ob nur schnell das Smartphone gezückt würde, um eine Skizze festzuhalten. Sekunden später morpht die Momentaufnahme zum ausproduzierten Klangbild. Beat und Saxophon kommen dazu. BRKN zitiert mit leicht verschlafener Stimme Hermann Hesse: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben".

Es wird persönlich

In diesen 107 Sekunden Intro wird der Kern des neuen BRKN-Albums auf den Punkt gebracht. Da kommt ein Typ, der alleine am Klavier seine Skizzen komponiert, aber hier seine Songs in edelstem Ornat vorstellt: „Ich bin ein Fan von Intros, die einen Rahmen geben“, sagt BRKN. „Ich hab das so gemacht, weil ich wollte, dass es nah dran ist an der Realität. Dass der Zuhörer merkt, es wird hier sehr persönlich“.

Und das wird es. Das Album ist das musikalische Kondensat der jüngeren Gefühlswelt des Berliner Musikers. Und die bestand vornehmlich aus heftigem Trennungsschmerz. Bis auf eine Ausnahme handeln die Songs von Frust, Wut und Ohnmacht nach dem Ende einer Beziehung "Drama ist einfach ein gutes Wort dafür, was die letzten drei Jahre in meinem Kopf abging", sagt BRKN: "In Zeiten, wo es mir sehr schlecht ging, bin ich ins Studio gegangen. Weil es das Einzige war, was ich zu tun hatte. Was mir noch einen Sinn gegeben hat. Was hätte ich mit meinem Leben sonst anfangen sollen? Das klingt jetzt alles sehr dramatisch, aber rückblickend war es auch einfach so."

Der Blick nach vorn

Der Blick nach vorn sieht schon anders aus. Während des Interviews zum Album sitzt BRKN in seinem bereits halb leer geräumten Berliner Studio und bereitet sich auf seinen ersten großen Umzug vor. "Ich bin nie mehr als sechs Wochen aus dieser Stadt raus gewesen", sagt er. BRKN ist Kreuzberger Junge. In "1991" - dem einzigen Nicht-Beziehungs-Song - singt er davon, hier geboren zu sein und auch hier sterben zu wollen. Erstmal soll es aber zu neuen Ufern gehen. Nach Süddeutschland.

Für die Produktion hat er sich dieses Mal Unterstützung gegönnt: "Meistens ist es so gewesen, dass ich einen Song angefangen habe, eine Richtung vorgegeben. Vielleicht ein paar Akkorde - vielleicht schon ein bisschen mehr - und im Laufe des Prozesses noch jemanden ins Boot geholt habe."  Jumpa, staticbeatz, Miksu, AgaJon und die Beatgees heißen die Produktionshelfer. Bekannte Namen im Geschäft. 

Beziehungspop

"Drama" ist Beziehungspop, der zeigt, wie man mit sicherem Abstand über dem Klischee-Sumpf des Genres balanciert. Und das liegt an BRKNs Herangehensweise. Er begreift seine Musik selbst nicht als Pop: "Ich bin der Meinung, dass auf diesem Album kein Song für die Masse dabei ist. Ich hab es so gemacht, dass es meine Gefühle möglichst authentisch ausdrückt. Für mich musste das Album genau so klingen, wie es klingt". "Drama" ist Kreuzberger R'n'B. Musik mit amtlichen Beats - zwischen Grönemeyer, Berliner Rap, Neo-Soul und R'n'B-induziertem Singer-Songwritertum. Direkt, intensiv und ehrlich.

Stand: 09.05.2021, 00:00