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"Bleu de Lune" von Zoufris Maracas erzählt Geschichten von Flucht und Migration

Cover Zoufris Maracas: “Bleu de Lune”

Sound Supreme - "Bleu de Lune"

"Bleu de Lune" von Zoufris Maracas erzählt Geschichten von Flucht und Migration

Von Anna-Bianca Krause

Zoufris Maracas haben Musik aus allen Himmelsrichtungen in ihre globalen Chansons geholt. Auf ihrem vierten Album "Bleu de Lune", beweisen sie, dass sich gesellschaftskritische, politische Texte mit gut gelaunten Grooves und Ohrwurm-Melodien kombinieren lassen.

Zoufris Maracas: "Bleu de Lune"

COSMO Sound Supreme 26.04.2020 02:41 Min. Verfügbar bis 26.04.2021 COSMO

Zwei Freunde & das Chanson

Zwei Vincents sind die Basis dieser Band, die die Nachfolge des Mestizo-Sounds à la Mano Negra und Les Negresses Vertes angetreten hat: Vincent Sanchez und Vincent Allard, der eine Sänger, der andere Gitarrist und Songwriter. Schon als Kinder spielten sie in ihrer Heimatstadt Sète an der französischen Mittelmeerküste zusammen Fußball, später reiste das weltenhungrige Duo mit einem mobilen Filmprojektor durch Afrika und zeigte in den Dörfern Filme.

Mehr aus Langeweile fingen sie da schon an Gitarre zu spielen, zu singen, einfache Songs zu schreiben. Entdeckt wurden sie, als sie – zurück aus Afrika – in der Metro in Paris Straßenmusik gemacht haben, um zu überleben. Das französische Chanson ist die Basis von der aus sie von Anfang an musikalisch in alle Himmelsrichtungen agieren. Da sie aus Sète stammen, hat sie George Brassens, der wichtigste Chansonnier dieser Stadt, besonders geprägt.

 Songs von Inseln

Viele der Songs des neuen Albums haben Zoufris Maracas auf Reisen und speziell auf Inseln geschrieben, auf den Kapverden, auf Madeira oder in ihrer Heimatstadt Sète, die fast wie eine Insel im Wasser liegt. Auf den Kapverden waren die Musiker einen Monat, hatten dort über einer Bar auf der Insel Santo Antao eine Wohnung mit Meerblick gemietet und ein improvisiertes Studio eingerichtet. Jeden Abend sind sie runter in die Bar und haben mit kapverdischen Musikern gespielt.

Die Ballade "Sa majesté la mer" haben sie vor Ort geschrieben. Musikalisch inspiriert von der kapverdischen Morna, geht es inhaltlich darum, dass jeder Mensch (und explizit die Migranten, die übers Meer nach Europa kommen) das Recht auf Freizügigkeit hat. Sänger Vincent Sanchez fragt im Text das Meer, ob es nicht einmal die Yachten der Milliardäre untergehen lassen könne, statt die kleinen Holzboote, in denen ihre Brüder, sprich die Flüchtlinge und Migranten sterben.

Thema Flucht und Migration

Das Thema Migration und Flucht steckt schon im Bandnamen: Zoufris nannte man in den 40er und 50er Jahren die algerischen Migranten, die in Frankreich gearbeitet und das Geld nach Hause geschickt haben. Zoufris ist ein Mischwort aus "ouvrier" (übersetzt: Arbeiter) und "souffrir" (übersetzt: leiden). Und die Maracas, das sind diese lateinamerikanischen Rumbarasseln, sie stehen für die Rhythmen, die in der Musik der Band eine große Rolle spielen. Neben der kapverdischen Musik, hört man aber auch viele andere Einflüsse: kongolesische, mexikanische, karibische und lateinamerikanische.

Mein Freund, mein Bruder

Zur Funanà, dieser rasanten kapverdischen Akkordeon-Tanzmusik, singt Vincent Sanchez in "Mon ami mon frère" von Militärs und Spekulanten, die die Träume der Menschen zerstören und fordert die Gleichheit aller Menschen. Zoufris Maracas lassen politische Botschaften tanzen,  ihre Gesellschaftskritik stecken sie in Ohrwurm-Melodien. Sie sind die freien Radikalen der Chanson Szene: anarchistisch, antikapitalistisch, freiheitsliebend und dabei auch noch sehr gute Musiker und Songwriter.
Inzwischen stehen sie zu neunt auf der Bühne und nennen sich deshalb scherzend auch Le Zoufris Maracas Super Combo. Leider ist ihr neues Album "Bleu de Lune"an dem Tag erschienen, als der französische Präsident Macron die Ausgangssperre verkündet hat. Die gesamte Tournee wurde abgesagt. Verdammt schlechtes Timing für ein verdammt gutes Album!

Stand: 26.04.2020, 00:01