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Beiruts neues Album "Gallipoli" in Italien aufgenommen

Sound Supreme - Beirut: "Gallipoli"

Beiruts neues Album "Gallipoli" in Italien aufgenommen

Von Marc Mühlenbrock

Beirut sind die Weltenbummler der Indie-Musik. Inspiriert von Reisen hat die Band Balkan-Folk und französisches Chanson in ihren Sound gemischt. Auf "Gallipoli" erfüllt sich Beirut einen lang gehegten Wunsch: ein Album in Italien aufzunehmen.

Sound Supreme - Beirut: "Gallipoli"

COSMO Sound Supreme 01.04.2019 02:40 Min. Verfügbar bis 31.03.2020 COSMO

Zach Condon ist der Mann, der sich hinter Beirut verbirgt. Geboren und aufgewachsen im US-Bundesstaat New Mexico, in Santa Fé. Eine Stadt, die für viele nach Fernweh klingt. Selbiges packt den jungen Zach bereits mit 17 Jahren, als er sich mit seinem Bruder auf einen ausgedehnten Trip durch Osteuropa begibt. Wieder daheim lässt sich das musikalische Wunderkind von den Klängen, die es unterwegs aufgeschnappt hat, inspirieren und erschafft auf seinem Debut-Allbum "Gulag Orkestar" eine melancholische Mischung aus Indie und Balkan Folk. Eine ganze Generation an Musik-Fans verehrt ihn bis heute dafür. Genauso wie für Album Nummer zwei, das von einer Frankreich-Reise und französischen Chansons geprägt ist.

Auf den Spuren Morricones

Nach zwei Alben, die eher nach seiner Heimat klingen, nach der Americana aus New Mexico und Piano Pop aus New York, wo Zach Condon eine Zeitlang gelebt hat, ging's nun also nach Italien. Einem Tipp vom Musikerkollegen und Italienexperten Erlend Øye folgend, nimmt Zach Beirut-Album Nummer 5 in einem Studio in der kleinen Stadt Guagnano in Apulien, an der Ferse des Stiefels auf. Eine Prozession mit vielen Bläsern in Gallipoli gibt ihm eine psychedelische Erfahrung, eine erste Single und den Albumtitel. Und spätestens hier die Erkenntnis, sich wieder mehr seinem ersten Instrument, der Trompete zu widmen. Der Einsatz der Farfisa-Orgel macht die Rückbesinnung auf die ersten beiden Alben komplett. Die Trompete aber ist dominant auf "Gallipoli". Genauso wie der Einfluss eines der großen Helden von Zach Condon, dem Filmmusikkomponisten Ennio Morricone. Beirut goes Morricone – eine traumhafte Kombination – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Band erschafft mit "Gallipoli" eine retro-romantische Welt der Schwermut, Weite und Erhabenheit.

Blick zurück, Blick nach vorn

Die Melancholie von "Gallipoli" entsteht aus einem Beziehungsende heraus. Zach Condon und seine Partnerin haben ihre Verlobung aufgelöst und sich getrennt. Sonst hätten wir heute vielleicht ein Album mit türkischem Einfluss vorliegen, seine Ex kommt nämlich aus der Türkei. Der traurige Break-Up, der Breakdown, der wehmütige Blick zurück und der zarte Blick nach vorn prägen die Stimmung von "Gallipoli". Am schönsten in "Family Curse", das bei Minute 1:37 eine wohlige Gänsehaut erzeugt. Das direkt folgende "Light in the Atoll", reißt einen daraufhin mit seinen polynesischen Fanfaren raus aus Italien und in die Südsee.

Fin

Enden und Neuanfänge haben Beiruts Musik bisher dramatisch geprägt.  Zach erlitt vor früheren Album-Produktionen eine Panikattacke in Perth, einen Trommelfellriss in Brasilien und vor diesem Album einen Bruch des eh schon lädierten Handgelenks. Ein Skate-Unfall des ehemals angehenden Skate-Profis. Langfristig hat ihn dieser Unfall aus New York raus nach Berlin geführt, wo Zach heute lebt und Beirut "Gallipoli" finalisiert haben. Enden und Neuanfänge finden wir auch dort, auf dem Album. Alles beginnt paradoxerweise mit dem traurig-schönen "When I Die", Beirut öffnen thematisch eine Klammer, die sie mit dem vorletzten Song, dem pathetischen "We Never Lived Here" schließen. Es geht um das Leben, den Tod, die großen Dinge halt. Danach folgt nur noch das Instrumentalstück "Fin", ein Abspann wie in einem Spaghetti-Western, für den Morricone komponiert hat.

Stand: 01.04.2019, 10:00