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Eine bessere Zukunft für Mali

Bassekou Kouyate

Sound Supreme - Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba: "Miri”

Eine bessere Zukunft für Mali

Von Amy Zayed

Das fünfte Album des malischen Ausnahmemusikers und seiner Band Ngoni Ba klingt traditionell und leicht. Doch die Aussagen sind politisch: Im Mittelpunkt steht der Traum von einer besseren Zukunft für Mali und ganz Afrika.

Bassekou Kouyaté - "Miri"

COSMO Sound Supreme 17.02.2019 02:30 Min. COSMO

"Ich war zu Hause in meinem Dorf Garana und mir ging durch den Kopf, was gerade alles in Mali passiert. Mir wurde bewusst, wie sehr all das, was meine Großeltern an Kultur und Musik geschaffen haben, durch die Islamisten bedroht ist." So erklärt Kouyaté den Grundgedanken für sein neues Album "Miri". Um die bedrohte Kultur seiner Vorfahren einzufangen, ist der Musiker in sein altes Dorf zurückgegangen; ein Grund dafür, warum das Album ungewohnt traditionell und ruhig geworden ist. Kouyatés Ziel ist die Rückbesinnung auf die eigene Identität: "Es ist meine Botschaft an alle Menschen in Mali, an alle Afrikaner, doch bitte nachzudenken über unsere Zukunft und wie wir diesen Bedrohungen begegnen können."

Der akustische und ruhige Stil auf "Miri" setzt sich deutlich von den beiden Vorgängeralben ab. Eigentlich gilt Bassekou Kouyaté als ein Künstler, der das Spiel der Ngoni aus der Tradition in die Moderne geholt hat. Anstatt die drei- oder viersaitige Langhals-Spießlaute traditionell zu spielen, schloss er sie schon früh an verschiedene Verstärker an, verzerrte ihren Klang oder experimentierte mit Effektgeräten. So nutzte er beispielsweise ein Wah-Wah-Pedal, durch das die Ngoni eher wie eine Mischung aus E-Gitarre und Zither klingt.

Etwas, in dem sie weiterlebt

Der Stil auf dem neuen Album jedoch ist getragener, sanfter und leiser. Wie der Gesang von Kouyatés Frau Saku, die auf dem Album vertreten ist. Manchmal mahnend, manchmal traurig, manchmal hoffnungsvoll. Das wohl beste Beispiel für das Fehlen moderner Einflüsse ist der letzte Song des Albums. In "Yakere" geht es um die kürzlich verstorbene Mutter des Ausnahmekünstlers: "Es ist verdammt schwer über jemanden zu schreiben, den du sehr liebst, der aber nicht mehr da ist. Meine Mutter war für mich so etwas wie ein großes Portal zu meinem Inneren, zu meinem Zuhause.  Jetzt ist diese Tür nicht mehr da und ich fühle mich verlassen. Dieses Stück ist eine Art Gedenken. Nicht nur für mich, sondern auch für all ihre Freunde in unserem Dorf. Etwas, in dem sie irgendwie weiterlebt."

Trotz der nachdenklichen Themen ist "Miri" nicht nur schwermütig: Es gibt auch besonnene,  verspielte und manchmal sogar ausgelassene Momente. So zum Beispiel in dem Song "Wel Cuba", in dem es um die Verbindungen zwischen westafrikanischer und kubanischer Musik geht. Hier soll gezeigt werden, wie sehr die Menschen in Mali von kubanischer Musik geprägt wurden.

Musik für Geister und Menschen

Das Kouyaté in der Tradition der Griots steht, der musikalischen Geschichtenerzähler Westafrikas, das macht sich zum Beispiel im Song "Konya" bemerkbar. Als eines der größten Probleme der afrikanischen Gesellschaft besingt er hier die Eifersucht: "Sie ist der Ursprung allen Übels. Wenn man eifersüchtig ist, dann wird man böse, und tut Dinge, die man normalerweise nie tun würde. Ich glaube, jeder hat sein Schicksal. Warum also eifersüchtig sein? Weil jemand ein schöneres Auto, eine hübschere Frau oder das tollere Haus hat?" Eifersucht zerstöre nicht nur Familien, sondern auch die afrikanische Politik.

Bassekou Kouyaté hat mit "Miri" eine musikalische Oase zum Nachdenken geschaffen. Ein Album, das ohne Effekthascherei durch seine Schlichtheit und Leichtigkeit berührt. Die Ngoni, die Kouyaté diesmal vollkommen traditionell spielt, wird zu einem spirituellen Instrument. Früher habe man mit ihren Klängen die Djinn, die Geister, verzückt und beruhigt, erklärt der Musiker. Für die Gemüter der Menschen funktioniert das auf jeden Fall.

Stand: 17.02.2019, 00:00