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Ballaké Sissoko: Begegnungen auf Augenhöhe

Ballaké Sissoko: "Djourou"

Ballaké Sissoko: "Djourou"

Ballaké Sissoko: Begegnungen auf Augenhöhe

Von Daniel Fernando Wahl

Der gefeierte Koraspieler Ballaké Sissoko aus Mali meldet sich zurück mit seinem neuen Album "Djourou". Es ist ein internationaler Musikdialog zwischen Künstler*innen aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen.

Ballaké Sissoko hat das Spiel an der Kora, der westafrikanischen Stegharfe, in den letzten zwanzig Jahren revolutioniert. Das Gehör und das Gespür hat er von seinem Vater geerbt: dem großen Djelimady Sissoko. Als Ballaké dreizehn ist, stirbt sein Vater und er wird zum Haupternährer der Familie. Er verlässt die Schule und setzt auf die Musik.

Ballaké Sissoko: "Djourou"

COSMO 12.04.2021 02:44 Min. Verfügbar bis 12.04.2022 COSMO


Internationaler Durchbruch

Ballaké wird – wie sein Vater - Mitglied im National Instrumental Ensemble, wo der Staat die größten Instrumentalisten aus Mali versammelt. Er verinnerlicht und perfektioniert das Spiel an der Kora und beginnt Techniken von anderen Instrumenten, wie der indischen Sitar oder der Flamenco-Gitarre, auf sein Spiel zu übertragen. 1999 schafft er, gemeinsam mit seinem Cousin Toumani Diabaté, den internationalen Durchbruch mit dem Album "New Ancient Strings". Das Album ist eine Hommage an das legendäre Album "Ancient Strings", eingespielt 1970 von ihren Vätern Djelimady Sissokó und Sidiki Diabaté.

Neugier und Musik-Dialoge

Ballaké Sissoko ist experimentierfreudig und wird im Laufe seiner Karriere immer neugieriger. Er knüpft Freundschaften zu Musiker*innen aus den unterschiedlichsten Musikkontexten, Genres und Kulturen. Er veröffentlicht gefeierte Kollaborationen zum Beispiel mit dem italienischen Pianisten Ludovico Einaudi ("Diario Mali", 2003), und dem französischen Cellisten Vincent Ségal ("Chamber Musique 2009  & Musique de Nuit", 2015). Außerdem hat er gemeinsam mit Rajery aus Madakaskar und dem marokkanischen Oud-Spieler El-Malouni ein Album aufgenommen ("3MA: Anarouz", 2017). Sein Talent, sich mit der Kora an jedes Instrument anzupassen, macht ihn einzigartig.

Djourou's verbindende Saiten

Balllaké Sissoko hat auf dem neuen Album "Djourou" (Bambara für dt. "Saiten") sein Bedürfnis nach genreübergreifenden Begegnungen hörbar ausgelebt. Zum Beispiel mit Nouvelle-Chanson Sängerin Camille: Mit "Kora" hat sie dem heimlichen Star des Albums ein Liebeslied gewidmet. Auf "Frotter les Mains" flowt der Rapper Oxmo Puccino mit Spoken-Word-Einlagen über die traditionellen Kora-Sounds. Episch wird es in "Jeu sur la Symphonie Fantastique": Ballaké spielt mit dem französischen Cellisten Vincent Segal und dem Soloklarinettist Patrick Messina und entführt seine Hörer*innen auf eine Reise entlang des Niger.

Tradition und Empowerment

Neben den vielen internationalen Kollaborationen, bleibt Ballaké auf dem Album aber auch seinen westafrikanischen Roots treu und unterstreicht damit den Wert der eigenen Traditionen: Ob im Song "Guelen", mit Superstar Salif Keita, "der goldenen Stimme Afrikas", oder im Duett mit seiner Nichte Sona Jobarthe. Noch sind Kora-Spielerinnen eine Ausnahmeerscheinung und Ballaké ist sich dessen bewusst: "Es gibt nicht viele Frauen, die Kora spielen. Und sie hat die Energie das zu verbreiten, andere Frauen zu erreichen, und viele Dinge in Mali und Gambia zu bewegen. Ich wollte ihr helfen, sie ermutigen."
Ob Pop, Klassik oder Mitgliedern aus der eigenen Zunft: Auf Djourou begegnet Ballaké Sissoko allen Musiker*innen mit der gleichen Offenheit und Bescheidenheit.

Stand: 11.04.2021, 00:00